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Das jüdische Echo · 1916-03-24 · 12 (24.3.1916) · p. Seite 102

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
12 (24.3.1916)
Date
1916-03-24
Page
Seite 102 (sequence 2)
Language
German
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102 Das Jüdische Echo Nr. 12 nelle Industrie großen Maßstabes denken konnte. Andererseits verteuerte der Zollsatz von 11% manche Gegenstände, deren Einfuhr zur Entwicklung des Landes dringend nötig war — z. B. moderne landwirtschaftliche Maschinen und Geräte, und andre für die Landwirtschaft nötige Gegenstände — so sehr, daß die Bewohner des Landes zu dessen Schaden von ihrem Erwerb absehen mußten. Den größten Vorteil von dieser Sachlage hatten natürlich die europäischen Staaten, denen sich in der Türkei (wir sprechen hier speziell von Palästina) ein großes und lohnendes Absatzgebiet für ihre Waren erschloß. Die hauptsächlichsten Importwaren, die nach Palästina eingeführt wurden, waren: Textilwaren (aus England und Österreich); Zucker (aus Rußland und Österreich); Zement (aus Frankreich, Belgien, Italien); Bauziegel (aus Marseille); Holz (aus Rußland und Rumänien); Eisenwaren (aus Deutschland); Kohle (aus England); Petroleum (aus Rumänien und Amerika). Darunter befinden sich Wären, z. B. Textilwaren und Zucker, zu denen die Rohprodukte im Lande selbst vorhanden sind, von hier aus ins Ausland gehen und dann im verarbeiteten Zustande, mit Zöllen belegt, zu teueren Preisen zurückkehren. Die industriellen Unternehmungen, die es in Palästina gab, konnte man an den Fingern abzählen: einige Maschinenfabriken, die hauptsächlich Pumpen zur Bewässerung des Bodens herstellten; mehrere Mühlen mit Motor - betrieb; eine (jüdische) Fabrik zur Verarbeitung von Olivenrückständen und eine Reihe von kleinen (arabischen) Seifenfabriken; ferner ein paar kleine Ziegel- und Zementfabriken. In Jaffa sollten gerade bei Kriegsbeginn außerdem zwei Eukalyptusholz-Schneidemühlen und eine Kalk- und Sandziegel-Brennerei errichtet werden. Damit sind — abgesehen von einigen noch wenig ausgebildeten Hausindustrien, wie Spitzennäherei, Holzschnitzerei, Korbflechterei usw. — die bisherigen industriellen Leistungen Palästinas erschöpft. Dabei war das Land bereits durchaus reif für die Aufnahme weiterer industrieller Betriebe. So erkannte man z. B. die Notwendigkeit und andererseits die vorzüglichen Aussichten für die Schaffung von Gemüse- und Fruchtkonserven-Fabriken. Tomaten, Eierfrüchte, Bohnen, ferner Orangen, Pfirsiche, Aprikosen — dies alles sind Gewächse, die dem schnellen Verfaulen ausgesetzt sind und, wenigstens zum Teil, im rohen Zustande für längere Transporte nicht verwendbar sind. In konserviertem Zustande dagegen .kann man diesen Früchten, die im Lande vorzüglich gedeihen, in Europa einen bedeutenden Markt gewinnen und der agrarischen Produktion eine neue, bedeutende Einnahmequelle schaffen. Hätten derartige Fabriken bei Kriegsausbruch schon bestanden, so hätte man die im Kriege unverkäufliche Obsternte zu Konservenzwecken benutzen und als Kapital für künftige Tage aufspeichern können. Als weiteres Industriegebiet kommt für Palästina die Herstellung von Zucker aus Heitunterriclit gründlich und zweckgemäss erhalten Sie im Universitäts-T attersall Amalienstr. 27 Trambahnlinie 2, 3, 10, 26 Prospekte auf Wunsch Zuckerrüben und Zuckerrohr in Betracht. Auch hier hätte das Vorhandensein entsprechender Fabriken sich während des Krieges als Segen erwiesen: erstens für die Konservierung der Früchte und weiter zur Vermeidung des bestehenden, empfindlichen Zuckermangels. Ferner bestanden zur Zeit des Kriegsausbruchs in Palästina die Notwendigkeit und die besten Chancen für die Schaffung folgender industrieller Unternehmungen: Wollspinnereien und Webereien, in denen die Wolle der zahlreichen Schafherden im Lande selbst verarbeitet werden kann; Textil- und Schuhfabriken, die gleichfalls ihren Bedarf an Rohmaterialien aus den Erzeugnissen des Landes selbst decken könnten; Zementfabriken zur Bereitung des für palästinensische Bauverhältnisse ganz unentbehrlichen Materials. Ferner war man überzeugt, daß eine Druckanstalt für jüdische Gebetbücher und Kalender, die mit einer Fabrik jüdisch-ritueller Gebrauchsgegenstände verbunden sein könnte, die besten Aussichten haben müßte, da die Herkunft solcher Gegenstände aus dem heiligen Lande in der Auffassung vieler Käufer zu ihrem realen einen hohen ideellen Wert hinzugesellt. Auch der handwerklichen und kunstgewerblichen Tätigkeit, wie sie bisher nur in der Kunstgewerbeschule Bezalel in Jerusalem gepflegt worden ist, sollte ein weiteres Feld erblühen. (Bei der sehr aussichtsreichen Schmucksachen-Industrie ist übrigens der nach dem neuen Tarif geringe Zollsatz für Edelsteine von besonderem Vorteil.) Es ist nun durchaus zu hoffen, daß, sobald nach dem Kriege eine frische Tätigkeit auf allen Gebieten der Kolonisation des Landes einsetzt, der neue Zolltarif sich als förderlich für alle diese industriellen Unternehmungen erweisen wird. Am unmittelbarsten freilich werden die Folgen der neuen Zollgesetzgebung sich in der agrarischen Erschließung des Landes bemerkbar machen, indem nun nicht mehr, wie bisher, die unentbehrlichen landwirtschaftlichen Geräte durch einen viel zu hohen Zoll dem Landwirt unerreichbar sein werden. — Helene Hanna Cohn. Jüdische Eindrücke im Felde. Von einem Krankenpfleger. In aller Kürze will ich einiges von den jüdischen Eindrücken berichten, die ich als Krankenpfleger während eines nunmehr 18-monatigen Aufenthaltes auf dem lothringischen, nordfranzösischen, ungarischen und serbischen Kriegsschauplatz sammeln konnte. Ich habe in jüdischer Beziehung deshalb vielleicht etwas mehr gesehen und erlebt als mancher weiter herumgekommene Kamerad, weil ich neben meiner Pflegetätigkeit — nicht nur meinem eigenen Herzensbedürfnis, sondern auch einem seihr dankenswerten Auftrag von hoher amtlicher Stelle folgend — mich nach Kräften der Fürsorge für die religiösen Interessen der jüdischen Kameraden widmete, in erster Linie natürlich der in unserem Lazarett liegenden jüdischen Patienten. Deren Zahl ist in der Regel ziemlich beträchtlich, entsprechend der außerordentlichen Größe unseres Lazaretts, das denn auch am jeweiligen Aufenthaltsort eine große Anzahl der geräumigsten Baulichkeiten in Anspruch nimmt und mit, Lagerstätten belegt. Die jüdischen Verwundeten und Kranken besuche ich während ihres Verweilens bei uns regelmäßig, je nach Schwere des Falles und subjek-

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