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Das jüdische Echo · 1916-03-17 · 11 (17.3.1916) · p. Seite 98

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
11 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
Seite 98 (sequence 6)
Language
German
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98 Das Jüdische Echo Nr. 11 Minorität ist. Dies würde Schwierigkeiten technischer Art bereiten, was aber die Zuerkennung eigener kultureller Institutionen für die Juden nicht unmöglich macht und dies sogar im Interesse beider dort ansässigen Völker liegt. Gleichberechtigung in Griechenland. Griechenland hat 'jetzt, einer Havas-Nachricht zufolge, den Juden in Neu-Griechenland Gleichberechtigung verliehen und sie gleichzeitig der Dienstpflicht unterworfen. Feuilleton Heuschrecken.*) Von S. Hoofien-Jaffa. (Schluß statt Fortsetzung.) III. Im Laufe der folgenden Wochen wird der Kampf täglich, ja stündlich wütender und nervenaufpeitschender. Hätte nicht die gütige Natur es wenigstens so eingerichtet, daß die Larven, wie die Menschen, nach Eintritt der Dunkelheit ruhen und an ihrer Stelle verharren und erst bei Sonnenaufgang sich wieder in Bewegung setzen — unsere Bauern müßten zusammenbrechen. Die Larven werden älter und größer. Man vernichtet Millionen von ihnen, aber immer wieder kriechen junge aus dem Boden. Das Mittel der Gräben und Gruben verfängt nicht mehr, da die älteren Larven sich nicht einfach mehr treiben lassen, wohin man sie haben will. Jeden Tag wächst die Sturmflut. Man fängt an, Gräben um jeden Orangengarten zu legen. Als man sieht, daß dies wenig nützt, da die Larven einfach die Gräben besetzen und dann doch in die Gärten dringen, verfällt man darauf, die Gräben mit Wasser zu füllen. Aber auch das nützt nichts: Der Larvenstrom stürzt sich ins Wasser, und über die Leichen der Ertrunkenen hinweg erreichen die Überlebenden das andere Ufer. (Soll doch, wie man erzählt, ein Larvenzug einmal die Wolga überquert haben!) Bis man endlich das Kolumbus-Ei findet! Man baut statt der gewöhnlichen Kaktus- oder Mimosenhecken Holzzäune um die Gärten, hicht höher als 20 bis 30 Zentimeter. Auf diese Bretter wird ein Streifen Blech genagelt, der nach außen umgebogen wird und eine Art Abdach bildet. Diese Maßregel führt endlich zum Ziele. Ein belagerter und verteidigter Garten bietet einen einzigartigen Anblick! Von allen Seiten kommen die Larven angekrochen und gesprungen. Aber an dem einen Brettchen des Zaunes zerschlagen sie sich den Kopf. Tagelang wiederholt sich tausendmal an einem Tage dieselbe Bewegung, sie springen gegen den Zaun, stoßen sich den Kopf, fallen zurück, springen wieder, stoßen sich wieder, fallen wieder — ein höllischer Rhythmus. Die Larve ist zum Fressen da; ihre ganzes Leben kennt keinen anderen Zweck, ihr Instinkt ist nur darauf gerichtet. Das tagelange Unbe- *) Palästina wurde bekanntlich vor Jahresfrist von Heuschreckenschwärmen in solcher Stärke heimgesucht, wie das Land sie seit Jahrzehnten nicht erlebt hatte. friedigtbleiben, das ewige Angreifen und Zurückprallen hat in den Millionen von Tieren offenbar eine Art Psychose erzeugt, eine Tollheit, die sie wütend über alles herfallen läßt, das ihnen unter die Fänge kommt. Das harte weiße Holz wird angefressen, die Erde umgewühlt und gefressen, Wehe der Heuschrecke, die sich im wütenden Gefechte auch nur die kleinste Verletzung zuzog; bald erkennen die Genossen ihre Schwäche, fallen über sie her, zerbeißen, zerfetzen und verschlingen die Unglückliche. Bei dem ewigen Angreifen und Suchen nach einer verwundbaren Stelle im Festungsgürtel bewegt sich die ganze ungeheuere Belagerungsarmee im Kreise um die viele hundert Meter lange Umzäunung. Diese Zirkulation muß ausgenutzt werden. Man gräbt also hart am Zaune geräumige, ein bis zwei Meter tiefe Gruben, deren Rand man sorgfältig mit nach unten umgeschlagenen Blechtreifen einsäumt. Da springen nun die im Rundgange begriffenen Larven von selbst hinein und können nicht mehr heraus. Bald bedeckt den Boden eine Heuschreckenschicht, die von Stunde zu Stunde wächst. Abends werden ganze Wagenfrachten aus dem Boden geschöpft. Jede Grube eine Hölle! Jedes Tier kämpft einen äußersten Kampf, um an der Oberfläche der Masse zu bleiben. Jede Sekunde stürzen Dutzende neuer Larven in die Gruben. Jede einzelne Larve kämpft, beißt, greift, faucht, frißt, verzweifelt gegen tausend Genossen-Köpfe, Beine, Flügel. Eingeweide fliegen umher. Die zähe Lebenskraft einer Heuschrecke spottet jeder Beschreibung. Daß ein Körper auch ohne Kopf weiterspringt, oder daß die Beine mit einem Kopf wegspringen und den von einem gierigen Genossen abgebissenen Bauch im Stiche lassen, läßt sich am Ende noch vorstellen. Aber gibt es ein zweites Tier, dessen vom Körper getrennter Kopf nach mehr als zwei Tagen noch beißt und frißt? — Und am Ende ist doch alles vergebens! Monatelang dauert der Kampf, erst gegen die ersten Schwärme, dann gegen die Eier, dann gegen die Larven! Die Weinberge hat man schweren Herzens geopfert; sie sind zu ausgedehnt, um sich wie die Orangengärten verteidigen zu lassen. Im Laufe einiger Wochen sind alle Blätter und jungen (Trauben verschwunden. Aber die Orangengärten! Sie will man trotz unsagbarer Opfer verteidigen. Es kommt der Tag, da die Larven das Fliegen lernen. Und wieviele Milliarden man auch in monatelanger Arbeit vernichtet hat, — es bleiben doch Milliarden übrig. Gräben und Zäune nützen nicht mehr. Die ausgehungerten Schwärme stürzen sich wie ein verzehrender Brand auf die Gärten und nehmen in einem furchtbaren Vernichtungskrieg die langersehnte Rache. Den Pflanzern bleibt nichts übrig, als händeringend zuzuschauen. Der Eindruck eines Gartens, in den die fliegenden Heuschrecken eingebrochen sind, ist nicht zu schildern. Die junge fliegende Heuschrecke ist nicht wie die ältere vollbraun oder hartgelb, sondern von einer unendlich abstoßenden, unbestimmten rosigen Färbung. Der Baum, auf den sich die Heuschrecken niedergelassen haben, verliert sofort seine Farbe, da die Tiere die ganze Blätterkrone über und über bedecken! Nach wenigen Stunden, höchstens ein bis zwei Tagen, ist im ganzen Garten kein einziges grünes Blättchen übrig. Der Garten steht vollkommen nackt da. «

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