Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 11 (17.3.1916)
- Date
- 1916-03-17
- Page
- Seite 97 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 97 gleichmäßig von sämtlichen vier Kriegsanleihen, die sich überhaupt hinsichtlich der Sicherheit und des inneren Wertes in jeder Beziehung gleichstehen. Welt-Echo Ein „Purimtag“ für jüdische Kriegsopfer in England. Wie die Londoner „Welt“ mitteilt, hat das „Zentralkomitee für die kriegsnotleidenden Juden“ beschlossen, zum kommenden Purimfest u ganz England und in den englischen Kolonien ^men besonderen „P u r i m t a g“ zugunsten der jüdischen Kriegsopfer zu veranstalten. In allen Städten sollen an diesem Tage Sammlungen stattfinden. Die Organisierung des „Purimtages“ in der englischen Provinz wird den lokalen Organisationen und Komitees überlassen. In London selbst wurde bereits für diesen Tag ein besonderes Komitee mit Nahum Sokolow als Vorsitzenden gewählt. Die Sammlungen sollen in der Weise durchgeführt werden, daß die Sammler paarweise alle jüdischen Häuser und Läden besuchen und Geld oder Zeichnungen entgegennehmen. Für diese Sammelarbeit werden 400 Personen nötig sein. In Kurzem wird in allen Zeitungen ein Appell erscheinen, in welchem auf die Bedeutung des Unternehmens hingewiesen wird. Zum gleichen Zwecke wird an alle Schulen, Vereine und Gesellschaften ein Zirkular versandt, in welchem zur Propaganda für den „Purimtag“ aufgefordert wird. Acht Tage vor dem „Purimtag“ wird eine Konferenz einberufen, zu der diese Schulen, Vereine und Gesellschaften ihre Vertreter senden werden. Es wurde auch beschlossen, die Veitreter aller irischen Zeitungen zu einer Beratung einzuladen, um bei der Organisierung ihre Hilfe und moralische Unterstützung zu erhalten. Eine amerikanische Anklage. Der Frankf. Ztg. wird aus New York berichtet: In einem 40 000 Wjorte umfassenden Bericht hat das American Jewish Committee das Ergebnis seiner Untersuchungen über die entsetzlichen Greuel, die von den Russen bei ihrem Einfall in Galizien und auch im eigenen Lande — in Polen — verübt wurden, und auch über den Notstand der Juden in Rumänien und Palästina niedergelegt. Die Hälfte der Juden der ganzen Welt, sieben Millionen ist durch den Krieg in Mitleidenschaft gezogen worden. Niemals wurde eine gräßlichere Anklage gegen ein Volk und eine Regierung erhoben, wie es hier gegen die Russen geschieht: „Hunderte von jüdischen Orten sind von russischen Soldaten geplündert und in mutwilliger Weise niedergebrannt worden,“ sagt der Bericht. „Tausende von Juden wurden als Geiseln weggeschleppt, ins Gefängnis geworfen oder auf die fadenscheinigsten Anschuldigungen hin getötet. Am hellen lichten Tag wurden Orgien vertierter Lust und entsetzlicher Martern gefeiert. Alte und junge Frauen wurden auf öffentlichen Plätzen nackt ausgezogen und mit der Knute gepeitscht.“ Der Bericht weist besonders auf die Loyalität der jüdischen Soldaten im russischen Heere hin, Tausende junger Juden, die sich im Ausland die Kenntnisse anzuügnen versuchten, deren Erlangung ihnen in Rußland verwehrt war, seien beim Kriegsausbruch als Freiwillige in das russische Heer eingetreten, aber es habe sich bald gezeigt, daß die Kelten, die die Juden in Rußland niederdrückten, keineswegs gebrochen seien. Im Gegenteil, die Reaktionäre, die in Rußland die Herrschaft führten, hätten offen erklärt, jetzt sei die Zeit gekommen, die Judenfrage nach der berüchtigten Formel Pobiedonoszews auf immer zu lösen. Unter der militärischen Verwaltung habe man es in der Gewalt, mindestens ein Drittel der Juden zum Übertritt zum orthodoxen Glauben zu zwingen, ein weiteres Drittel werde auswandern, und der Rest müsse vernichtet werden. Der Bericht sagt auch, die Politik der Heerführer gegenüber den Polen habe in ungiinstigter Weise auf die Juden zurückgewirkt. Die Polen seien die enfants gdtes der Offiziere geworden, und nicht wenige von ihnen hätten die Gelegenheit wahrgenommen, aus persönlichen oder allgemein antisemitischen Gründen Juden als Verräter oder Spione zu denunzieren. Man muß nicht denken, daß dieser Bericht nur die Unterschriften deutschfreundlicher Juden trägt. Oskar S. Straus, der sich unter den -Unterzeichnern befindet, hat mehrfach erklärt, England kämpfe für die Sache der Zivilisation . Außer ihm sind unter den bekannten Namen unter dem Dokument die der Herren Jakob H. Schiff, Julius Rosenwald, Cyrus Adler, Jakob H. Holländer und Cyrus L. Sulzberger zu finden. Eine Spende von Nathan Strauß. Der bekannte jüdische Philanthrop Nathan Strauß hat, wie die Newyorker „Times“ telegraphisch mitteilen, 350 000 Dollar von Longwich aus, wo er sich zurzeit aufhält, an das jüdische Hilfskomitee mit der Bestimmung gesandt, daß diese Summe an die armen jüdischen Kinder in Polen verteilt werde. Das ist bis jetzt die größte Spende, die für die kriegsnotleidenden Juden von einer Einzelperson gegeben wurde. Die jüdisch national-kulturelle Autonomie. Am 11. II. veranstaltete in Wien der deutsch-freiheitliche Verein eine Versammlnug, in welcher Reichstagsabgeordneter Freiherr v. Hock über das Thema „Länderautonomie oder Völkerautonomie“ referiert hat. Der Referent nahm gegen die Länderautonomie und für die kulturelle Autonomie der Völker Stellung. In der Diskussion wies Herr Moses Rath auf die Lage der Juden in Böhmen hin, die eine problematische ist, da die Juden von beiden dort rivalisierenden Nationalitäten für sich in Anspruch genommen würden.. In markantester Weise aber tritt dieses Problem in Galizien hervor, wo die zirka 900 000 Juden unter unbestritten gesonderte^ Verhältnissen leben und sich von der dort ansässigen polnischen und ruthenischen Bevölkerung in allen kulturellen Äußerungen, in Sprache, Sitten und Gebräuchen, in religiösen und sittlichen Traditionen fundamental unterscheiden. Die Juden Galiziens und der Bukowina dürfen daher nicht der einen oder anderen Nationalität gewaltsam angegliedert werden. Der Interpellant fragt daher den Referenten, ob er und seine politischen Freunde für die Zuerkennung der jüdisch-kulturellen Autonomie eintreten würden. Abg. Baron Hock erwiderte, daß, wiewohl ihm persönlich die Assimilation der Juden erwünscht erscheine, er die Tatsache nicht verkennen kann, daß die Juden in Galizien sich nicht assimilieren wollen und können und tatsächlich sich eigenartig ausleben. Im Sinne der Gerechtigkeit und des Nationalitätenfriedens müßte man also den Juden die national-kulturelle Autonomie gleich anderen Völkern zuerkennen, wenn auch die jüdische Bevölkerung kein nationales Gebiet darstellt, da sie mit Ausnahme mancher Städte überall in der