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Das jüdische Echo · 1916-03-17 · 11 (17.3.1916) · p. Seite 99

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
11 (17.3.1916)
Date
1916-03-17
Page
Seite 99 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 11 Das Jüdische Echo 99 Die noch steinharten grünen Orangen, welche schon etwa die Größe einer Pflaume erreicht haben, werden nicht gefressen, aber der gänzlich entblätterte Baum hat nicht die Kraft, die junge Frucht zu tragen. Sie fällt nach wenigen Tagen zu Boden und verfault. Meilenweit dehnen sich die Orangengärten, die Weinberge, die Mandelpflanzungen. Und wo man hinblickt, ragen nur nackte Zweige in den blauen Sonnenhimmel. Die grelle Sonne hat das schutzlose Holz unbarmherzig angetrocknet, die kostbaren dünnen Fruchtzweige sind weiß, der ganze Baum ist gelb geworden. Wie ein in Folterqualen erstarrter hautloser Mensch steht er da! Der Tragödie letzter Teil ist vorbei und allmählich ziehen die Heuschrecken sang- und klanglos ab. Und dann wird doch alles wieder grün! Noch ist das Heilige Land das Land der Wunder und der Auferstehung vom Tode! Auferstehung! Wahrlich, Zeichen und Wunder haben wir vor unseren Augen gesehen! Vom Tode ist alles wieder zum Leben, zur Jugend erwacht! Ganz schüchtern legt sich, wie im nordischen Frühling, schon nach wenigen Wochen der erste grüne Schimmer wieder über die trostlosen Gefilde. Und als einmal die Bäume die alte Kraft zurückzugewinnen anfangen, da stürmen sie wie erwachende Kinder ins Leben zurück. Da sprießt es, treibt und duftet es! Vom Morgen bis zum Abend eines Tages sieht man die jungen Blätter wachsen, abends ganz kleine Sprößlein dort, wo morgens noch eine Wunde gewesen, und am nächsten Morgen ist das Sprößlein offen, entfalten sich die Blättchen. Ein Zauber in unserem immergrünen Lande. Die Ernte ist zwar verloren! Die jungen Trauben sind weggefressen, die jungen Orangen auf dem Boden verfault! Aber die Pflanzungen leben und haben die Probe ihrer unverwüstlichen Lebenskraft bestanden! Die Agronomen sagen, daß die Orangen schon im kommenden Winter, anstatt im Frühling blühen und daß die erste Frucht anstatt im Oktober schon im August reif sein wird und reichlicher als je zuvor! Wie dem auch sei — die machtvolle Mahnung, daß wir mit all unserem Treiben und Wirken in der Hand der gewaltigen, ewigen Naturmächte sind — sie bleibt und wirkt! Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Personalien. Der kgl. bayer. Militärverdienstorden 4. Klasse wurde verliehen: Den kgl. bayer. Leutnants der Reserve Erich E i s w a 1 d t vom 7. Feld-Art.-Regt., Naphtali Ehren reich und Hermann W ein g a r th in der Infanterie, Eduard Böhm und Julius Heß von der Feld-Artillerie, A. Haas im 5. Inf.-Regt., Hugo Maier in der 3. Train-Abteil., Heinrich Wolf im 14. Inf.-Regt., Ludwig Goldschmidt in der Infanterie und Max Gablonsky bei den Pionieren. Ferner den kgl. bayer. Stabsärzten der Reserve Dr. Max Simon (Aschaffenburg), Dr. Richard Fried (Ludwigshafen), Der. Heinr. Sandner, Dr. Hugo Eckstein (Hof), Dr. Julius Hechinger (Nürnberg), dann den Oberärzten der Reserve Felix Caro (Hof) und Dr. Heinrich W a r b u r g (Nürnberg), den Zivilärzten Dr. A. Alexander und Dr. Louis Lindenstein, ferner dem Mitglied des kgl. bayer. Frei, will. Automobilkorps Robert Hirsch. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde dem Sanitätsunteroffizier Arno Lauer in München verliehen. Die kgl. preuß. Rote Kreuzmedaille 2. Klasse wurde verliehen der Kommerzienratswitwe Emma Heim in Würzburg und Fräulein Rosa Bauer in Augsburg. Die kgl. Rote Kreuzmedaille 3. Klasse erhielten Dr. Josef Türk in Würzburg, Kaufmann Otto Strauß in Nürnberg, Dr. Max Arnschink in Pasing, k. Hofrat Dr. Ferdinand Gold schmitt in Nürnberg, Kaufmann Hugo Sichel in Würzburg, Großkaufmann Bernhard Held in Würzburg, Dr. Ludwig Schild in Speyer, Fabrikbesitzer Julius Pabst in Nürnberg, Kaufmann Fritz Obermeyer in Augsburg, Frau Sabine Weyermann in Bamberg, Oberschwester Melitta Feuchtwang in München, Frau Louise Mohr in Freimann, Laura Kugler in Nürnberg, Frl. Lina J a c o b i in München, Frl. Emma Vogel in München, Frau Leonore F1 a t a u in Nürnberg, prakt. Arzt Dr. Mizislaw Epstein in München, k. Hofrat Dr. Alexander Frankenburger in Nürnberg, Bankier Karl Wurzing e r in München und die Großhändlersgattin Lili Hopf in Nürnberg. Nürnberg. Die goldene Hochzeit feierte am 11. März Geheimer Kommerzienrat Ludw. v. Ger ng r o s , Ehrenbürger von Nürnberg und Baiersdorf, mit seiner Gattin Julie, geborene Tuchmann aus Dessau. Die im 77. und 71. Lebensjahre stehenden Ehegatten sind durch viele Beweise ihres Wohltätigkeitssinnes und ihrer Kunstliebe — es sei nur an die Stiftung des Neptunbrunnens erinnert — in weitesten Kreisen bekannt und hochgeschätzt. Um die Erweiterungsbauten des Germanischen Nationalmuseums in Nürnberg, die Gründung der Bayerischen Sektion des Deutschen Schulschiffvereins sowie des Bayerischen Vereins für Kanalschiffahrt hat Geheimrat v. Gerngros, der auch lebenslängliches Ausschußmitglied des Deutschen Museums in München ist, sich große Verdienste erworben, die durch mehrfache hohe Auszeichnungen anerkannt wurden. A am (In dieser Abteilung finden Voranzeigen derVereine auch ausserhalb Münchens kostenlose Aufnahme.) München. Jüdischer Wanderbund „B 1 ai u - W e i ß“. In der Generalversammlung des Vereins am 9. März wurde die Tagesordnung in glatter Weise erledigt. Aus dem Kassabericht war zu ersehen, daß die Einnahmen dank der Zunahme an Mitgliedern und angemessener Spenden ein befriedigendes Resultat zeitigten. Da die Ausgaben auf das Nötigste beschränkt, wurden, war es möglich, einen entsprechenden Überschuß auf das neue Jahr vorzutragen. Die Wanderungen fanden auch im letzten Berichtsjahr regelmäßig jeden Sonntag in Tages- und Halbtagszügen (letztere für solche Teilnehmer, welche vormittags durch Religionsunterricht und Hausarbeiten verhindert waren) statt, mehrfach wurden auch zur Ferienzeit größere Touren ins Gebirge unternommen; sämtliche Fahrten hatten sich guter Beteiligung zu erfreuen. Von den Führern sind mehrere zum Heeresdienst eingezogen, einige haben sich bereits Auszeichnungen erworben. Sehr wünschenswert wäre es, wenn die Eltern aller

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