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Das jüdische Echo · 1916-03-10 · 10 (10.3.1916) · p. Seite 84

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
Seite 84 (sequence 8)
Language
German
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84 Das Jüdische Echo Nr. 10 einer Schonung der Bodenkräfte durch planmäßiges Ruhenlassen oder gar von einem systematischen Fruchtwechsel ist natürlich nirgends eine Rede. Dazu ist die Zeit auch längst noch nicht gekommen* da ja immer noch im Verhältnis zu den sonstigen Absatzmöglichkeiten Land in überreichlicher Fülle zur Verfügung steht. (Hier hat offenbar der Verfasser die Einwanderungsmöglichkeiten außer Acht gelassen. D. Red.) Aber nicht ohne weiteres als notwendig und vom Absatz her bestimmt erscheint die denkbar oberflächliche Art, wie man den Boden bearbeitet und die Frucht dann gewinnt. Da wird noch im allgemeinen, nicht nur im Innern der Landmasse, sondern sogar in den Küstenstrichen der einfache Hakenpflug benutzt, welcher den Boden eigentlich nur anritzt, nicht wirklich umgräbt und dazu so unregelmäßig über den Acker fährt, daß die gezogene Fläche nicht gleichmäßig besät werden kann; nur in den Ebenen von Adana und Konia steht schon der europäische Pflug allgemeiner in Anwendung. Eine weitere Bearbeitung des Bodens ist dann völlig unbekannt; hat der Bauer erst gesät, dann überläßt er alles weitere der Natur, und denkt nicht daran, die Schollen, die unter der Hitze rasch steinhart werden, etwa zu zerkleinern, oder während des Wachstums der Pflanzen für Sauberkeit des Ackers zu sorgen, und was der Arbeiten mehr sind, die bei intensiverem Betrieb den Menschen aus seinem Phlegma herausholen.. Die Ernte geschieht dann auch noch vielfach mit der Sichel oder allenfalls mit primitiven Sensen. Gedroschen wird auf dem Felde mit dem Dreschschlitten, der zwar das Stroh ganz gut für Futterzwecke vorbereitet, aber auch recht viel Korn vernichtet. Und das Sondern der Spreu vom Weizen kann man noch heute in der alttestamentarischen Form nicht selten beobachten, i Daß da nicht annähernd das als Ergebnis des Ackerbaues übrig bleibt, was bei besserer Bodenbearbeitung und Erntetechnik herausgeholt werden könnte, liegt auf der Hand. (Hiernach wird man unbedenklich schätzen können, daß die landwirtschaftliche Produktion sich auf ein Vielfaches der bisherigen steigern ließe. Das aber gerade ist es, was Prof. Philippson in seinem hier besprochenen Aufsatz aus Angst vor den jüdischen Kolonisationskonsequenzen zu bestreiten suchte. D. Red.) Dr. Alfons Paquet: Die jüdischen Kolonien in Palästina. Deutsche Orientbücherei (herausgeg. von Ernst J ä c k h), Heft 9, Weimar, 1915, Verlag Gustav Kiepenheuer. Oktav. 42 S. M. —.75. Unter dem grünen Banner des Dschihad hat die Türkei begonnen, den ihr zukommenden Platz in der Geltung der Völker mit dem Schwerte zu erringen. Diese Entscheidung ist von gewaltigster Tragweite auch für ein anderes Volk, das — in übertragenem Sinnne — eines „grünen Banners“ vor allem bedarf: das Volk der Juden. Den Boden, den ihm Europa nicht zu geben vermag, soll und kann es im engeren Verbände des osmanischen Reichs erwerben und dafür wirtschaftliche und industrielle Stärkung dem Türkenstaate zuführen. Diese Gesichtspunkte führt Paquet in der kleinen Schrift, die im Rahmen der „Deutschen Orientbücherei“ erschienen ist, aus. Sein im März vorigen Jahres zugunsten des Roten Halbmondes in Berlin gehaltener Vortrag bildet den ersten und hauptsächlichsten Teil der Darstellung. Darin gibt er seine Eindrücke und Erlebnisse in Palästina und schildert das Leben im „neuen Jischub“ und. dessen Wichtigkeit für das Kulturwerk im alten Lande der Väter. Die wirtschaftliche Bedeutung der kolonisatorischen Anfänge wird neben der geistigen geschichtlich und zahlenmäßig belegt. Durch den Weltkrieg ist nun das Interesse der Deutschen am Aufblühen der Türkei und an der Lösung der Ostjudenfrage klar zum Ausdruck gekommen; die Erfüllung beider Aufgaben durch Kombinierung weist der deutsche Politiker in seiner Schrift auf. Darum will er die Förderung der bereits bestehenden Kolonien und deren Ausbreitung. „Der türkische Baum muß mehr grünen und gar auswachsen. Wer in seinem Schatten wohnen will, muß aber zuvor sein Gärtner sein.“ Die Beherzigung dieser Schlußsätze Paquets möge zu den Kriegserfahrungen gehören, die einer jüdischen Politik im Frieden ihre Richtung geben. Theo Harburger. Der Glaube an das eigne Volk. Alfred Weber: „Gedanken zur deutschen Sendung“. (S. Fischer Verlag, Berlin). — Die vielen klugen Gedanken, die sich dem Heidelberger Nationalökonomen draußen im Felde geformt haben, hat Alfred Weber in einem Bändchen, das den obigen Namen trägt, gesammelt. Über vieles hat er nachgedacht und ist er zur Klarheit gelangt: über die Probleme von Deutschlands und Österreichs innerer und äußerer Politik, über das Wesen des deutschen Volkes und das der feindlichen Nationen, über Religion und Militarismus. Seine Gedanken, so lose sie aneinandergereiht sind, sind doch alle innerlich verbunden, und zwar durch den felsenfesten Glauben an die sittliche Überlegenheit des deutschen Volkes und seiner Kulturmission. Diese Mission wird sich in erster Linie dem Slawentum gegenüber geltend machen, auf dessen schlummernde Kräfte Weber vertraut. Deutschland muß den echten slawischen Geist entwickeln, um den Zarismus zu zerbrechen und sich, vereint mit den Slawen gegen die Tyrannei des englischen Geistes zu wenden. Daß einem, der so tief von der Größe des unberührten deutschen Wesens durchdrungen ist. ein Charakter wie Bethmann-Hollweg näher steht als ein solcher wie Ballin. ist nicht verwunderlich; ebensowenig, daß Weber, der dem Slawentum eine so gewaltige geistige Entwicklung zutraut, glaubt, daß die russische Art sich durch Abstoßung des jüdischen Elementes selbständiger entfalten werde. Es handelt sich hier — wohlgemerkt — nicht um einen politischen Standpunkt, sondern um einen Rasseninstinkt, um den Glauben, daß der Deutsche jene Kulturmission unbeeinflußt von irgendwelcher fremden Art erfüllen müsse. Daß selbst in Webers Ablehnung des jüdischen Einflusses kein Werturteil der jüdischen Wesensart liege, beweist ein Wort in seinem Buch: .... „Objektiv sein können auf dieser ganzen Welt wohl nur die Deutschen — und vielleicht die Juden. Sollte das aus einem ähnlichen Schicksale hervorgehen? Diese Parallele mit den Juden wird man jetzt gar nicht los. Ich habe sie meiner Mannschaft am Sonntag vorgebracht — sie haben nachher stundenlang darüber disputiert.“ Es gibt deutsche Juden, die heute wohl an die Mission des Deutschtums glauben, die Mission des Judentums aber als Überheblichkeit zurückweisen. Ihnen sei dieser Satz zur Lektüre empfohlen und

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