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Das jüdische Echo · 1916-03-10 · 10 (10.3.1916) · p. Seite 83

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
Seite 83 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 83 liehen Ordnung herbeigeführt hätten. General Rußki beteiligte sich persönlich an den Plünderungen. Ein russischer Passagierschein. Die „Birschewyja Wjedomosti" erzählen von einem sehr charakteristischen Vorfall, der die Wiedergabe wohl lohnt. Es heißt dort wörtlich: „Diese Juden sind ein schreckliches Volk! Sie widerstreben immer den Forderungen des Gesetzes. Hier ein Beispiel: Der Pristaw des zweiten Polizeireviers in Petersburg stellte folgenden Passierschein aus: „Nr. 73 017. Die Tochter des erblichen Ehrenbürgers Scheina-Eta-Abromowna Lurie erhält hiermit die Weisung, sich sofort, ohne unterwegs Nachtaufenthalt zu nehmen, nach Wilna zu begeben . . ." Wann wurde der Passierschein ausgestellt? Wann? Am 3. Dezember 1915. „. . .nach Wilna zu begeben und sich nach Ankunft am erwähnten Orte unter Vorzeigung dieser Urkunde bei der Poiizeiverwaltung zu melden." Bei welcher? Bei der deutschen? „. . . . Im Falle sich Scheina-Eta Abronowna Lurie nicht unverzüglich aus freien Stücken nach der gedachten Stadt Wilna begeben sollte, so wird die Ausweisung im Etappenwege erfolgen." Die „Birschewyja Wjedomosti" schließen den interessanten Bericht mit den Worten: Der Befehl ist klar und kategorisch. Da nun Scheina-Eta Lurie nicht nach Wilna gefahren ist, so wird es wohl nötig sein, daß die militärische Etappe die polizeiliche Verfügung unter Nr. 73 017 zur Ausführung bringt.--— Protest des Florenzer Oberrabbiners. Dr. Margulies, der Florenzer Oberrabbiner, hatte dem König von Italien die Bitte unterbreitet, sich für seinen Schwager verwenden zu wollen, der sich unter den Bürgern von Kaiisch befand, die beim Rückzug der Russen als Geiseln mitgeschleppt wurden. Der Hausminister des Königs hat Dr. Margulies nunmehr mitgeteilt, daß die italienische Botschaft in Petersburg bei der russischen Regierung vorstellig geworden sei und die Freilassung erlangt habe. Zur Geschichte der Juden in Fürth. Die Chronik der Stadt Fürth vom Jahre 1616 berichtet folgendes über die jüdische Gemeinde: Die Gemeinde hatte sich unter markgräflichem Schutze rasch vermehrt. Für diesen Schutz hatte jede Familie zehn Gulden 30 Kronen jährlich zu entrichten. Dafür durften sie unter sich eine eigene kirchlich-politische Korporation bilden, welche Verträge schließen und liegendes Gut erwerben konnte. Sie durften ihre Religion und ihre Zeremonien frei ausüben, ihre Rabbiner. Gemeindevorsteher und Judengerichte wählen und Gewerbe zum Gebrauche ihrer Gemeinde treiben, auch sich Gemeindeabgaben auferlegen. Dagegen konnten sie sich kein Bürgerrecht in der politischen Gemeinde erwerben und in keine Zunft aufgenommen werden. Zur Tragung der allgemeinen Lasten des Ortes wurden sie beigezogen. Den christlichen Gemeindemitgliedern gegenüber standen sie unter gleichem Rechte, ebenso in Zivilsachen. Auf öffentliche Ämter und Würden hatten sie keinen Anspruch, auch von der Waffenpflicht waren sie ausgeschlossen. Sie gründeten eine eigene Hochschule, auf welcher sich mitunter einige hundert fremder israelitischer Studenten befanden. Auch eine Buchdruckerei mit hebräischen Buchstaben wurde errichtet, und im gleichen Jahre die noch jetzt bestehende Hauptsynagoge erbaut. literarisches Echo Eine Stimme über Palästina und Syrien. In seiner neuen Arbeit: „Die deutsch-türkischen Wirtschaftsbeziehungen und ihre Entwicklungsmöglichkeiten" von Regierungsrat Prof. Dr. Kurt Wiedenfeld (Verlag von Duncker und Humblot, München und Leipzig 1915) verficht der Verfasser Anschauungen, die im stärksten Gegensatz zu Philippsons Ausführungen über die landwirtschaftlichen Möglichkeiten Palästinas und seiner Nachbargebiete usw. stehen. Es heißt in seiner Arbeit: „Syrien endlich — Ägypten muß seiner besonderen politischen Stellung wegen hier außer Betracht bleiben — darf wohl als das verhältnismäßig am weitesten entwickelte Gebiet der asiatischen Türkei bezeichnet werden. Nach Arabien zu ist es allerdings ebenfalls Wüste, und nur wenige Karawanenstraßen deuten auf das Vorhandensein einiger fruchtbaren Oasen hin. Aber die Namen von Städten wie Aleppo und Damaskus sind ein Zeichen dafür, daß auch abseits des Küstenstriches, im Inneren des Gebietes, sich Bezirke von beträchtlicher Fruchtbarkeit befinden.. Vollends ist die Küste, wenn gleich die Gebirge nur einen schmalen Anbauraum übrig lassen, als ein gesegnetes Land zu bezeichnen, in welchem das Klima zwar den Menschen nicht überall zuträglich ist, den,- Anbau subtropischer Früchte aber überall begünstigt; und der Nachteil, der den Menschen von der Schädlichkeit der Küste droht, wird auch hier wieder durch die Nähe des Gebirges etwas ausgeglichen. Eine so dichte Folge von immerhin wichtigen Städten, wie sie in Jaffa, Haifa, Beirut, Tripolis, an der syrischen Küste sich hinziehen, läßt allein schon die Gunst der Siedlungsmöglichkeiten des ganzen Landes erkennen. Die Wilajets Damaskus und Aleppo produzieren denn auch mehr Getreide, als sie selbst gebrauchen; Damaskus so viel, daß es fast die ganze Küste und auch Palästina mit Brotfrucht versorgt, und daß einige Bezirke für ihre getreidebauende Bevölkerung Militär- und Abgabenfreiheit genießen. Dazu tritt dann noch namentlich in der Provinz Aleppo der Anbau von Baumwolle in recht beträchtlichem Maße und hier, wie im ganzen Lande, die Pflege des Obstes und des Weines. Nächst Smyrna sind die syrischen Häfen für den Export der asiatischen Türkei die wichtigsten Stellen. Wie viel im ganzen oder auch nur in einigen Provinzen bereits dem Ackerbau unterworfen ist, entzieht sich jeder statistischen Feststellung oder auch nur Schätzung. Alle Berichte jedoch, die von wirtschaftlich geschulten Reisenden — deren Zahl ist bisher allerdings außerordentlich gering gewesen — und von den Konsularvertretern der europäischen Mächte erstattet worden sind, stimmen darin überein, daß die Landfläche, welche bisher in Ackerbaubenutzung genommen worden ist, nur einen kleinen Bruchteil der wirklich anbaufähigen Fläche ausmacht. Ob es sich dabei um ein Viertel oder gar nur um ein Fünftel handelt, macht keinen großen Unterschied. Soviel ist sicher: die natürlichen Verhältnisse erlauben noch eine ganz gewaltige Ausdehnung der bisherigen Ackerbautätigkeit. Dazu wird der Ertrag der schon benutzten Flächen durch die primitive Technik der Bearbeitung auf sehr niedrigem Umfang gehalten. Von

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