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Das jüdische Echo · 1916-03-10 · 10 (10.3.1916) · p. Seite 82

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
Seite 82 (sequence 6)
Language
German
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82 Das Jüdische Echo Nr. 10 nicht mehr besteht. In der 329. Sitzung des bayerischen Landtags sagte bei einer Erörterung der Verordnungen zur Lebensmittelversorgung der Abgeordnete B e c k h (Fr. Vgg.): „Die Bundesratsverordnungen sind ohne jede agrarische Beeinflussung ergangen: wir lehnen jede Mitwisserschaft ab. Der Unterschied in den Bestandsaufnahmen des Getreides rührt daher, daß der Körnerertrag größer war, als er geschätzt wurde. Der Bundesrat ist auf dem besten Wege, das Vertrauen der Landwirtschaft zu untergraben; auch die ostelbischen Junker sind aufs peinlichste berührt von diesen Maßnahmen und rücken nun erst recht ab von dem verantwortlichen Reichskanzler wegen solcher Zwietracht fördernder Maßregeln. Der Bundesrat muß dafür sorgen, daß die infolge der jetzigen Höchstpreisfestsetzung geschädigten Landwirte entschädigt werden. An diesen Dingen sind nicht die Junker schuld, wie auch bayerische Beamte glauben; schuld sind andere Leute, die auch mit „J" anfangen. Unsere Landwirte als Wucherer hinzustellen, ist ungerecht." Das Wort „Jobber" ist zur Zeit nicht in Gebrauch; auch die Jesuiten sind schwerlich gemeint. Welche Bevölkerungsklasse mit J also bezichtigt Herr Beckh in kecker Verallgemeinerung des Wuchers? Deutsche Antisemitenblätter. In der „Kölnischen Volkszeitung", die durch ihren Berliner Berichterstatter Eisele zu einem antisemitischen Schimpfblatt niederen Grades umgestaltet worden ist, schreibt der genannte Herr, „es könnte in der deutschen Presse trotz Burgfrieden und Zensurzwang einmal eine Aussprache über die „Gesellschaft der Unabkömmlichen beginnen". Das „Berliner Tagebl." schreibt hierzu: „Eine solche Aussprache könnte in der Tat sehr interessant werden. Sie würde vielleicht' unschätzbares Material über die Leistung derjenigen erbringen, die jeden in irgendeiner Frage anders denkenden Staatsbürger so heldenstolz als „Flaumacher" und „Schwächling" zu behandeln pflegen." Nationalfondsspenden im Februar. Im Monat Februar hat der Nationalfonds Spenden im Gesamtbetrage von M. 34 378 vereinnahmt. Hierzu haben folgende Länder beigetragen: Nordamerika M. 13 906, Österreich M. 7070, Rußland M. 5332, Deutschland M. 2881, Südafrika M. 2319, Holland M. 1935, England M. 551, Dänemark M. 306; der Rest entfällt auf die Schweiz, Griechenland (Saloniki) und Belgien. Eine fahrbare Kriegsbücherei. Bei dem Oberkommando Ost ist, wie uns der Verband der Deutschen Juden mitteilt, ein Ausschuß für eine fahrbare Kriegsbücherei eingerichtet worden. Zum Mitglied dieses Ausschusses soll, wie wir hören, Herr Feldrabbiner Rosenak vorgeschlagen worden sein. Durch Stiftung von 2500 Mark wird das Anrecht darauf erworben, daß der betreffende Wagen den Namen des Stifters trägt. Es sollen nicht nur Bücher zum Verleihen, sondern auch zum Kauf ausgelegt werden. Durch diese Zeilen möchten auch wir zur Unterstützung dieser Bestrebungen anregen, die eine Heranführung geeigneten Lesestoffs an unsere Soldaten an der Front ermöglichen soll. Der jüdische Advokat Bonfil Effendi ist als Vorsteher der Stadt Tiberias in den Beiruther „Medschlis umumi" gewählt worden. Die Regierung bestätigte die Wahl. Rituelle Osterkost für jüdische Soldaten. Das österreichische Militärkommando hat angeordnet, daß den jüdischen Soldaten während der ganzen Dauer des Pessachfestes rituelle Kost zu. verabfolgen ist. Die „Ica" in Schwierigkeiten. Aus London wird berichtet, daß die „Jewish Colonisation Association" sich durch den Krieg in einer kritischen Lage befindet, die daraus entsteht, daß die Gelder der Gesellschaft in Papieren angelegt sind. Die Ica versuchte in Amerika einen Hilfsfonds aufzubringen, erhielt aber nur von Jacob M. Schiff 100.000 Dollar. Ein zweites amerikanisches Hilfsschiff für Palästina. Wie der New Yorker „Tag" meldet, hat Üie amerikanische Regierung beschlossen, e i n Schiff mit Heilmitteln nach Palästina zu senden. Das amerikanische Einwanderergesetz. Nach einer längeren Debatte über das „Bildungsexamen", das zufolge der Burnett-Dillinghamschen Gesetzesvorlage von den Einwanderern gefordert werden sollte, nahm das „Immigration Committee" eine Gesetzesformel an, für die das jüdische Kongreßmitglied Siegel seit Wochen energisch eingetreten war. Dieser Zusatzformel zufolge findet der Ausschluß von der Einwanderung bei nicht bestandenem Examen keine Anwendung auf solche Personen, die die Einwanderungsbeamten oder den „Secretary of Labour" davon zu überzeugen vermögen, daß sie infolge r eligiöser Verfolgungen, die auf Ausnahmegesetzen oder auf Maßnahmen gegen ihre Religion und Herkunft beruhen, ausgewandert sind. Im Prinzip ist damit eine besondere Härte gegen jüdische Einwanderer vermieden; in der Praxis freilich wird bei dieser Bestimmung vieles auf den Willen der Einwanderungskommissare ankommen. Der amerikanisch-russische Handelsvertrag. Es wird höchste Zeit, Rußland von den schweren Anklagen zu reinigen, die wegen der Behandlung seiner Juden erhoben worden sind, denn — es handelt sich um die Erneuerung des amerikanischrussischen Handelsvertrages. Russische Preßagenten bemühen .sich deshalb, Vlie öffentliche Meinung in den Vereinigten Staaten für Rußland und — natürlich — gegen die Juden zu stimmen. Die angesehene Zeitschrift „Harper's Weekly" veröffentlicht einen Aufsatz von Stanley Washburn, in dem er behauptet, daß ihm bei seinem Aufenthalt in Rußland nichts von den der russischen Regierung zur Last gelegten Dingen bekannt geworden sei. „Im Gegenteil, die Behandlung der Juden war durchaus human". Herr Washburn schließt seinen Aufsatz mit den heuchlerischen Worten: „Durch Bemühungen zur Verbesserung der Handelsbeziehungen zwischen Amerika und Rußland vermögen die amerikanischen Juden ihren russischen Brüdern mehr zu helfen, als wenn sie sich der Einzelpersonen annehmen, die in Rußland auf Paßschwierigkeiten stoßen". General Rußki als Pogromheld. In Kißlowads, wo er zur Kur weilt, veranstaltete der angeblich kranke General Rußki ein Judenpogrom. Den jüdischen Kurgästen wurden sämtliche Fensterscheiben eingeschlagen und alle Garderobengegenstände verbrannt. Die Stadtverwaltung wies am nächsten Tage auf Wunsch des Generals die jüdischen Gäste aus, weil sie eine Störung der öffent-

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