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Das jüdische Echo · 1916-03-10 · 10 (10.3.1916) · p. Seite 81

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
Seite 81 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 81 Kurie zu errichten. Als Hauptaufgabe dieser Kurie betrachtet Bodmer die H i n 1 e i - tun ff der Juden zur Landwirtschaft innerhalb des zwischenstaatlichen Gebietes, was als eine Lösung der brennendsten wirtschaftlichen Fragen angesehen werden darf. (Wir bringen die wichtigsten Stellen der Bodmerschen Broschüre in einer unserer nächsten Nummern). Im Gegensatz zu Franz Oppenheimer scheint Bodmer diese Kurie eher auf der nationalen als auf der religiösen Zusammengehörigkeit der Juden aufbauen zu wollen. Mit diesem Vorschlag ist, wie gesagt, vielleicht die Lösung des Problems gegeben. Noch ein wichtiger Punkt ist hier zu streifen: Wie stellen sich die Juden des Ostens selbst zu diesem Vorschlag? In einer Zeit, da das Schwert noch nicht die letzte Entscheidung gefällt hat, wagen sie es kaum, ihre Meinungen und Wünsche laut zu äußern, sondern verfolgen nur mit tiefer Besorgnis, wie sie zum Spielball der Pläne ihrer Freunde wie ihrer Feinde und eines noch unvollendeten Schicksals gemacht werden. Über einen Punkt freilich kann kein Zweifel bestehen: außer einer dünnen Oberschicht polnischer Assimilanten wünscht die Masse des jüdischen Volkes seine kulturelle Eigenart zu wahren. Ob diese Eigenart nun auf der religiösen, der sprachlichen oder der nationalen Zusammengehörigkeit beruht, darauf haben die Ostjuden selbst bisher keine direkte Antwort gegeben. Eine indirekte, aber deshalb nicht minder eindeutige Antwort ist freilich schon auf diese Frage erteilt worden, indem nämlich bei einer Volkszählung in Lodz von 156 000 jüdischen Einwohnern 154 000 als Nationalität: „jüdisch" angaben — eine Antwort, die typisch für alle östlichen Gebiete sein dürfte und die Herrn Dr. Öppenheimer und andren Vertretern der nur-religiösen Gemeinschaft zu denken geben sollte. Diese Antwort sollte auch einer andren Gruppe von Menschen zu denken geben: denen nämlich, die meinen, daß nun, da das bisherige Programm des Zionismus sich nicht als augenblickliche Lösung der Judenfrage erweist, die Bewegung im Osten vor dem völligen Bankerott steht. Ihnen sei gesagt: Solange die Juden von ihrer nationalen Zusammengehörigkeit überzeugt sind, solange sie imstande sein werden, ihre nationale Eigenart in dem — hoffentlich bevorstehenden — Zwischenreich zu betätigen, solange wird auch das tief in der Volkstradition begründete zionistische Ideal in ihnen nicht sterben, und wenn sie auch nicht von heute auf morgen nach dem Orient auswandern können, so wird — falls nur die äußeren Möglichkeiten dafür entstehen — in immer weiter werdenden Kreisen die Sehnsucht und der Wille lebendig sein, in Palästina ein neues jüdisches Zentrum zu errichten. Helene Hanna Cohn. Abgeordneter Friedmann in der Duma. Von der Rede, die der Abgeordnete neulich in der Duma hielt, ist ein großer Teil von der Zensur gestrichen worden. Aber das was übrig blieb, genügt, um ein erschreckendes Bild der zur Zeit herrschenden Verhältnisse zu geben. Friedmann erklärte: „Nach der Einnahme des größten Teils der AnSiedlungsgebiete durch die Deutschen begann die Regierung den Juden kleine Erleichterungen zu bewilligen. Dieser scheinbare Frühling hat nicht lange gedauert; daß der ehemalige Führer der äußersten Rechten Minister des Innern wurde, hatte für die Juden symptomatische Bedeutung. Die Administration schritt zu neuen Verfolgungen und nahm ihre früheren Versprechungen zurück. Auf Grund einer Vereinbarung zwischen den Zivil- und Militärbehörden wurden ganze Gouvernements, wie Pleskau, Petersburg und das Küstengebiet, den Juden verschlossen. Aus Archangelsk, Astrachan und vielen anderen Städten werden die Juden entfernt, auch Verwundete und Angehörige von Kriegern nicht ausgenommen, sowie Gymnasiasten und Gymnasiastinnen, die aus Mitteln der Flüchtlingshilfe erzogen werden. Auch das vom Ministerrat den Juden gewährte Recht, an ihren Wohnstätten Immobilien anzukaufen, hat durch Vereinbarung zwischen dem Minister des Innern und dem Justizminister eine gegenteilige Auslegung gefunden." Der Redner bespricht sodann die berüchtigte Treibjagd in der Umgebung der Börse von Moskau, wo Hunderte angesehener Persönlichkeiten von der Straße weg verhaftet und ausgewiesen wurden, wenn sie nur wie Juden aussahen. Dank gebühre dagegen dem Verhalten der russischen Bevölkerung der inneren Gouvernements, die trotz der Eingriffe der Gendarmen den Flüchtlingsscharen Gastfreundschaft gewährten. Hinter der Front blieb indessen alles unverändert. Rücksichtslos wurde bei dem Rückzug des Heeres die Ansiedelung von Dutzenden von Städten fortgesetzt und nur eine Frist von zwei bis zwölf Stunden gegeben., im Dorfe Telechany nur zehn Minuten. Als die Häuser der Juden in Repelowka durch Granaten in Brand gerieten, beschuldigte man sie, den Deutschen damit Signale gegeben zu haben. Dieselben Juden, die dann als Bettler von der Mildtätigkeit leben müssen, werden jetzt beschuldigt, heimlich Gold zu sammeln und nach Deutschland zu schicken....." „Von dieser Tribüne herab sage ich, da die Regierung angesichts der ständig wachsenden Schwierigkeiten im Wirtschaftsleben die Möglichkeit der Volkswallung voraussieht, greift sie jetzt zu folgendem Mittel: Durch ein amtliches Rundschreiben vom 9. Januar 1916, das im führenden Verwaltungsorgan veröffentlicht und vom Polizeidepartement allen örtlichen Behörden zugesandt wurde, wird gesagt, daß die Juden als die Hauptschuldigen an der über Rußland hereingebrochenen Prüfung zu betrachten seien. Eine derartige verbrecherische Agitation des Regierungsorganes muß unbedingt zu Ausschreitungen des losgelassenen, von oben begünstigten Pöbels gegen die schutzlose jüdische Bevölkerung führen. Ich wende mich hiermit an die ganze 170 Millionen zählende Bevölkerung Rußlands: Wisset, daß man Euch durch Betrug auf den Weg des Blutvergießens t r e i b e n will, daß aber das unschuldig vergossene Blut auf das Haupt der Regierung z u r ü c k f ä 111." — — — — — — — — Werden den Optimisten, die noch immer glauben, daß es in Rußland nun endlich besser wird, die Augen erst aufgehen, wenn in neuen Pogromen Ströme jüdischen Blutes geflossen sind? Welt-Echo Die Leute mit „J". Gibt es eigentlich noch einen Burgfrieden? In der letzten Zeit werden Dinge gesagt und geschrieben, aus denen man schließen könnte, daß er gewissen Kreisen gegenüber

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