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Das jüdische Echo · 1916-03-10 · 10 (10.3.1916) · p. Seite 79

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
10 (10.3.1916)
Date
1916-03-10
Page
Seite 79 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 10 Das Jüdische Echo 79 politischen Schicksal entgegen, von dem nur eines mit ziemlicher Sicherheit feststeht: daß die okkupierten Gebiete nie wieder unter russische Herrschaft gelangen werden, und daß bei der Schaffung einer Verfassung für diese Gebiete Deutschland das entscheidende Wort zu sprechen haben wird. Bis aber das Schicksal des Landes endgültig entschieden ist, gilt es vor allem, das Land und seine Bevölkerung vor dem Untergang zu bewahren, die moralischen Wunden zu heilen, die der Krieg ihnen geschlagen hat. Noch steht bei dieser Arbeit die deutsche Regierung vielfach dem Chaos gegenüber: noch irren Tausende heimats- und existenzlos durch das Land, noch sterben Hunderte vor Hunger oder am Hungertyphus, noch sind Ortschaften verödet und andere von Flüchtlingen überflutet, noch g,bt es Scharen von Menschen, deren Kinder keinen Unterricht genießen, die ohne Betstätten, ohne Bücher, ohne Ausweis-Papiere und bürgerliche Rechte ihr Dasein fristen. Noch bestehen zwischen der Verwaltung und Bevölkerung Mißverständnisse, die zu schweren Fehlern und manchmal anscheinend zu grausamen Härten führen. Noch tobt vernichtend der Kampf zwischen den einzelnen Elementen der Bevölkerung, besonders zwischen den Polen und den Juden. Inmitten der furchtbaren, noch ungestillten Gegenwartsleiden lebt eine einzige Frage in allen Herzen, die das ganze Land und alle an seinem Schicksal Interessierten — die deutsche Regierung, die russische Regierung, die Polen, die Juden — in nervöse Spannung versetzt, die Frage nämlich: was wird sich aus dem Chaos herauskristallisieren? welchem schließlichen Schicksal geht das Land entgegen? Es scheint, daß die Stimmen jener extremen Gruppe, die unbedingt eine Annektion und Germanisierung der besetzten Gebiete forderte, allmählich verstummen: selbst die größten Heißsporne haben offenbar eingesehen, daß es eine Unmöglichkeit ist, Millionen von Angehörigen fremdrassiger Völker zu Deutschen zu machen, daß ein solcher Versuch dem deutschen Reich in seinem vdmern einen bitteren Feind schaffen würde. Vorherrschend ist heute offenbar die Meinung, Deutschland müsse den Polen die von ihnen geforderte Autonomie gewähren. Da aber erhebt sich die schier unlösbare Frage: Was tut man mit der nicht-polnischen Bevölkerung? In welcher Weise wird man die Litauer, die Ruthenen und besonders die Juden dem neuen Staatskörper einordnen können? Besonders bezüglich der Juden liegen die Verhältnisse sehr verwickelt. Daß man es in ihrem Falle mit einer in ihrer Eigenart streng von den übrigen Völkern getrennten Gruppe zu tun hat, wurde deutlich erkannt, ebenso hat man die hohe Bedeutung eingesehen, die den Juden als Angehörigen des deut- Zeichnet die Kriegsanleihe! Fünfprozentige Deutsche Reichsanleihe zu 98,50 oder Viereinhalbprozentige auslosbare Deutsche Reichsschatzanweisungen zu 95. Die Kriegsanleihe ist das Wertpapier des Deutschen Volkes die beste Anlage für jeden Sparer. Sie ist zugleich die Waffe der Daheimgebliebenen gegen alle unsre Feinde, die jeder zu Hause führen kann und muß, ob Mann, ob Frau, ob Kind. Der Mindestbetrag von Hundert Mark, bis zum 20. Juli 1916 zahlbar ermöglicht Jedem die Beteiligung. Man zeichnet bei der Reichsbank, den Banken und Bankiers, den Sparkassen, den Lebensversicherungsgesellschaften, den Kreditgenossenschaften oder bei der Post in Stadt und Land. Letzter Zeichnungstag ist der 22. März. Man schiebe aber die Zeichnung nicht bis zum letzten Tage auf! Alles Nähere ergeben die öffentlich bekanntgemachten und auf jedem Zeichnungsschein abgedruckten Bedingungen.

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