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Das jüdische Echo · 1916-03-03 · 9 (3.3.1916) · p. Seite 72

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
9 (3.3.1916)
Date
1916-03-03
Page
Seite 72 (sequence 8)
Language
German
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72 Das Jüdische Echo Nr. 9 des Königs der Schlachten. Den äußeren Beziehungen Mendelssohns zum Kriege, die in gewisser Hinsicht eine Parallele zum heutigen Kriege bilden, stellte Dr. Traub die viel wichtigeren inneren Beziehungen des Berliner Philosophen gegenüber, die für uns Menschen von heute noch volle Lebenskraft haben könnten. So erinnerte er daran, daß Mendelssohn zwei Kriegspredigten geschrieben habe, eine nach der Schlacht bei Roßbach und eine nach dem Abschlüsse des Hubertusburger Friedens, der den siebenjährigen Krieg beendete. Diese letztere Predigt werde man mit Gewinn wieder lesen, wenn auch uns einmal die Friedensglocken läuten. Aber wesentlich bedeutungsvoller ist die Stellung von Mendelssohns Ethik zum Krieg überhaupt. Dr. Traub wies da auf einen kleinen, aber vielsagenden Punkt hin; in Mendelssohns Bibelübersetzung heißt das fünfte Gebot nicht „du sollst nicht töte n". sondern du sollst nicht morde n". Mit diesem feinen Unterschiede wollte Mendelssohn nach der Ansicht des Vortragenden zum Ausdruck bringen, daß der Krieg als eine nationale Notwendigkeit nicht unter das göttliche Tötungsverbot falle. Auf ähnlichem Boden bewege sich Mendelssohn Stellung zur göttlichen Vorsehung, die in der Ethik des Krieges ebenfalls eine wichtige Rolle spielt. Gegenüber Friedrich dem Großen, der der Vorsehung den Vorwurf machte, daß sie sich um den Einzelmenschen nicht kümmere, hielt Mendelssohn daran fest, daß der eingeschränkte Mensch nur den geringsten Teil von dem Ganzen des ewigen Geschehens überblicken könne. Demgemäß sei das Unheil, das den Einzelnen treffe, doch von Segen für die Allgemeinheit. Mit anderen Worten: die Vorsehung lasse den Einzelmenschen leiden, damit der Gesamtheit genützt werde. Im schroffen Gegensatz zu dieser ethischen Auffassung stand für Mendelssohn die englische MoralphjilosophSie eines Shaftesburv. weil diese von der Glückseligkeit des Einzelnen ausgehe und die Glückseligkeit des Einzelmenschen zur Grundlage der Gesamtheit machen wolle. Diesen Gegensatz so überaus tiefer Art zwischen deutscher und englischer Ethik, erblickt Dr. Traub auch in dem gegenwärtigen Kriege, in dem geistige Prinzipien miteinander um die Vorherrschaft ringen. Eingelaufene Literatur: Das Bücherverzeichnis der Buchhandlung der Deutschen Friedensgesellschaft, Stuttgart, Werfmershalde 18. enthält u. a. eine Zusammenfassung der wichtigsten, während des Krieges im Sinne des Pazifismus erfolgten Publikationen und wird auf Verlangen kostenlos zugestellt. „Allah il Allah". Mit den Siegesfahnen an den Dardanellen und auf Gallip o 1 i. Von E. Bleek-Schlombach. Mit Bildern von Werner Godow. Geheftet Mk. 1.—, in Leinen Mk. 2.— (Verlag von Otto Gustav Zehrfeld in Leipzig). Der Verfaser. der als Kriegsberichterstatter an der Front war. entwirft lebensvolle und fesselnde Schilderungen von den Kämpfen auf und um Gallipoli. zur See und zu Lande. | Dr. Heinrich Harburger | Arn 28. Februar 1916 verschied plötzlich der kgl. bayer. Senatspräsident am Oberlandesgericht München und Universitätsprofessor Dr. Heinrich Harburger in München. Wenngleich der Verstorbene sich nach außen kaum jemals in jüdischem Sinne betätigt hat, so hat. die jüdische Presse gleichwohl die Aufgabe, sich mit der Persönlichkeit des Verstorbenen, infolge seiner hohen sozialen Stellung, zu beschäftigen. Präsident Harburger war gegenwärtig der höchste jüdische, nicht getaufte Beamte im Deutschen Reich und hatte nur noch ein Gegenstück in dem badischen Finanzminister Dr. Moriz Ellstädter und dem bayerischen Regierungsdirektor Jakob v. Henle. Am 2. Oktober 1951 in Bayreuth geboren, bestand er im Jahre 1879 den Staatskonkurs mit der ersten Note, wurde 1879 Amtsrichter in München, 1885 zweiter Staatsanwalt dortselbst. 1890 Landgerichtsrat, 1898 erster Staatsanwalt. 1899 Oberster Landesgerichtsrat und endlich März 1912 Senatspräsident am jkgl. Oberlandesgericht (München. Im Jahre 1878 habilitierte er sich an der Universität München und wurde hier 1896 zum kgl. Honorarprofessor ernannt. Dr. Harburger war einer der bedeutendsten Straf- und Völkerrechtslehrer Deutschlands. Schriftstellerisch war er sehr fruchtbar auf seinem Gebiet. Seine Tätigkeit und sein Können wurde von gelehrten Körperschaften und auch von höchster Stelle oftmals gewürdigt. Auch auf sozialem Gebiet, wie besonders im Kinderschutz betätigte sich Harburger. Den internationalen Friedensbestrebungen stand er ebenfalls sehr nahe. Ein Bruder des Verstorbenen iist das Vorstandsmitglied der Jüdischen Gemeinde München, Justizrat Dr. Isak Harburger. Lud™'0" L. ^To^e^hjJaeo^^J Kurz nacheinander sind in Amerika zwei Leuchten der jüdischen Wissenschaft gestorben: vor wenigen Wochen berichteten wir Solomon Schechters Ableben, nun ist ihm sein Freund Joseph Jacobs in den Tod gefolgt. Als Geschichtsforscher und Literaturhistoriker, als Dichter und Redakteur hat sich Joseph Jacobs nicht nur in der jüdischen, sondern in der gesamten gebildeten Welt einen Namen gemacht. Im Jahre 1854 in Australien geboren, besuchte Jacobs zuerst das Gymnasium in Sydney und studierte später Geschichte und Literatur an der englischen Universität Cambridge. Nach vielen Richtungen hervorragend begabt, erwählte eri sich frühzeitig zwei Studiengebiete, zu denen es ihn unwiderstehlich hinzog: das Gebiet der iüdischen Geschichte und Literatur und dasjenige der Volksdichtung. Mit einem umfassenden Wissen begabt, wurde er der Herausgeber der englischen Zeitschrift „Folklore", des „Literarischen Jahrbuches" und des „Jüdischen Jahrbuches". Daneben beschäftigte er sich eifrig mit statistischen Arbeiten und veröffentlichte 1890 seine „Studien über jüdische Statistik". Ein genauer Kenner von sieben Sprachen, die er musterhaft sprach und schrieb, widmete er sich auch der Übersetzung fremder Autoren. So hat er Gracean's „Kunst der »-weltlichen Weisheit" aus dem Spanischen und Boccaccio's „Decamerone" aus dem Italienischen übersetzt. In den Jahren 1890—95 gab er eine Sammlung englischer, indischer und keltischer Märchen heraus, die einen unschätzbaren Beitrag zur Kenntnis der Volkspsyche bilden. Gleichzeitig veröffentlichte er seine „Studien über biblische Archäologie, sowie eine Darstellung des Lebens Jesu in Form einer Idylle unter dem Titel: ..Wie andere ihn sahen". Im Jahre 1900 begab sich Jacobs

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