Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 9 (3.3.1916)
- Date
- 1916-03-03
- Page
- Seite 69 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 9 Das Jüdische Echo 69 stattfand, wutide 'folgender Beschluß angenommen: „Der Kongreß wünscht seine Genugtuung über die Bestrebungen, die gesetzliche Gleichberechtigung der Juden in allen Ländern zu erlangen, auszudrücken. Er beauftragt die Arbeiterpartei, im Parlamente und im Lande nach Möglichkeit auf die öffentliche Meinung einzuwirken, damit den Verfolgungen der Juden sofort ein Ende gemacht wird, und damit bei den Friedensverhandlungen ein Regime erörtert und geschaffen wird, das den Juden gleich anderen Nationen in ähnlicher Lage ihre soziale, politische, wirtschaftliche und nationale Entwicklung sichert." Was wird der russische Bundesgenosse dazu sagen? Antisemitismus im französisch. Heere. Gustave Herve berichtet in der ..Victoire" von einem jüdischen Oberleutnant, der im Alter von 49 Jahren freiwillig in die Armee eingetreten ist und von seinem Vorgesetzten fortwährend schikaniert wird. Herves Glosse schließt: ..Darf man es sagen, daß, nachdem Oberleutnant Blum verwundet war und die Krankenträger den Schwerverletzten auf eine Bahre betteten, sein Vorgesetzter die Äußerung tat: „Laßt ihn doch: schlimmstenfalls gibt es einen Juden weniger." Die jüdische Nationalität. Bei einer Volkszählung in Lodz haben von etwa 156 000 jüdischen Einwohnern 154 000 als ihre Nationalität „jüdisch" angegeben, während etwa 2000 Juden sich als Angehörige der polnischen Nationalität eintrugen. Dieses Ergebnis nationaler Selbstbestimmung ist umso bedeutungsvoller als bisher die jüdische Nationalität weder von den Behörden noch von den Polen anerkannt ist. Das Warschauer Bürgerkomitee. Bei der Tätigkeit des Warschauer Bürgerkomitees haben sich bisher ziemlich viele Unzuträglichkeiten dadurch ergeben, daß das jüdische Element in diesem Komitee keineswegs in einer Stärke vertreten war, die der Zahl der jüdischen Bevölkerung entsprach. Aus den Kreisen der jüdischen Intelligenz ist man nunmehr an die Gemeindeverwaltung mit dem Ersuchen herangetreten, daß Vertreter der jüdischen Einwohnerschaft in entsprechender Zahl in das Bürgerkomitee aufgenommen werden. Die holländische Flüchtlingshilfe. Das „Haager Komitee für jüdische Flüchtlinge" warnt vor einer weiteren Einwanderung nach Holland, da die Flüchtlingshilfe nicht mehr zu bewältigen ist. Es gibt in Holland auch keine Arbeitsmöglichkeit für jüdische Flüchtlinge mehr. Russisches. Der russische Justizminister verweigerte die Bestätigung von 56 jüdischen Rechtsanwälten, die zur Aufnahme vorgeschlagen waren. J Irtj-io l'l -T^/V^tCAv Y , ■ Galizische Geiseln nach -S#i*b4e» verschickt. Die galizischen Geiseln, die in Kiew interniert waren, hatten beantragt, daß ihnen die Rückkehr nach Galizien gestattet würde. Hierauf hat der Oberbefehlshaber der Südwestfront die folgende Antwort erteilt: 1. Die iüdischen Geiseln werden nach Sibirien verbannt: 2. die christlichen Geiseln können sich außerhalb des Kriegsschauplatzes ihren Wohnsitz beliebig wählen. Jidisch an der Columbia-Universität. An der ,A größten New Yorker Hochschule wurde die jidi- - sehe Sprache als Lehrfach eingeführt. Als Dozent wurde der jüdische Gelehrte Dr. M a r g o 1 i s berufen. Judengemeinden ohne Bücher. In den jüdischen Städten Rußlands besteht großer Mangel an Bibeln, Gebet- und Lehrbüchern. Flüchtlingen, die sich in bisher von Juden nicht bewohnten Städten niedergelassen haben, stehen keinerlei Bücher zur Verfügung. Die jüdische Kriegshilfe will daher auch die Versorgung der Flüchtlinge mit Büchern in die Hand nehmen. Das Amerikanisch - Jüdische Hilfskomitee teilt mit, daß zugunsten der vom Kriege betroffenen Juden bis zum 23. Oktober 1915 die Summe von 1 184 746.18 Dollar bei ihm eingegangen ist. Folgende Beträge wurden bewilligt: 100 000 Dollar für die Juden der besetzten polnischen Gebiete; 75 000 Dollar für die Juden in Rußland: 50 000 Dollar für die Juden in Galizien; 1000 Dollar für die Juden in Kreta. Der kommende Judenkongreß» Am 25. Januar fand in New York eine Massenversammlung statt, bei der über die Einberufung des Kongresses zur Vertretung der jüdischen Interessen bei der künftigen Friedenskonferenz beraten wurde. Als Vorsitzender fungierte der amerikanische Staatsmann Herr Louis D. Brandeis. Am Schluß der Versammlung wurden die folgenden Beschlüsse gefaßt: Da die Juden seit Jahrhunderten in verschiedeinen Teilen Europas ungerechte Behandlung, religiöse Verfolgung, wirtschaftliche Unterdrückung und gelegentlich Verbannung haben erdulden müssen: da sie von einigen Regierungen noch immer politisch und bürgerlich beeinträchtigt werden und als Ausländer behandelt werden, ja, selbst in den Ländern, wo man ihnen politische und bürgerliche Rechte gewährt hat. soziale und ökonomische Verfolgungen ertragen müssen: da ferner der jetzige europäische Krieg gezeigt hat, wie abnorm ihre Lage ist. da sie inmitten der Zeit des Kampfes, zu dem sie ihr volles Maß an Kämpfern und mehr als den auf sie entfallenden Teil an Opfern für die nationale Sache beigesteuert und bei dem sie ihren Heldenmut, ihre Hingabe und Kraft bewiesen haben, in manchen Ländern noch immer bedrängt und als Fremdlinge behandelt werden, ohne daß /die Regierungen, deren treue und ergebene Untertanen sie sind, ihnen Schutz gewähren; deshalb wird beschlossen, daß diese Massenversammlung, bestehend aus amerikanischen Bürgern, die Nationen der Welt auffordern soll, sich der Sache des iüdischen Volkes anzunehmen und bei der internationalen Konferenz, bei der die Friedensbedingungen und internationalen Beziehungen geregelt werden, das iüdische Problem zu erörtern, damit die Juden diejenigen Rechte erhalten, die für ihre nationale, politische, religiöse und wirtschaftliche Entwicklung wesentlich sind. Ferner wird beschlossen, daß die amerikanische Regierung aufgefordert werden soll, im Einklang mit ihren Traditionen als Vertreterin des Rechts unterdrückter Völker zu handeln und ihren Einfluß zu verwenden, um den Juden ihre guten und vollen Rechte zu verschaffen. Beschlossen wird ferner, damit die berechtigten Forderungen der Juden mit größtmöglicher Au- " torität vertreten und die Juden zur Vertretung