Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 7 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- Seite 55 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/9072829-9102942-9117836--00708-9073534- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
- Emden 1× ep/1044505
OCR text
Nr. 7 Das Jüdische Echo 55 nisch-jüdischen Geisteslebens nahm, steht Schechters wissenschaftliche Bedeutung. Sein zweibändiges theologisches Werk „Studien über das Judentum" sowie seine „Seminarreden" atmen die Glut seiner Persönlichkeit wider. Die abstraktesten Stoffe sind hier mit unvergleichlicher Lebendigkeit behandelt. Die Schaffung eines jüdischen Lehrerseminars, das der vielfach des Religionsunterrichts beraubten amerikanisch-jüdischen Jugend zu großem Segen gereichen wird und einer jüdischen Bibliothek für das Seminar sind gleichfalls Schechters Werk. Bedeutsames hat er auch durch seine Mitarbeit an der englischen Bibelübersetzung geleistet. Vor kurzem noch hatte er die Herausgabe einer Serie von Bibelkommentaren und einer Sammlung jüdischer Klassiker beschlossen. Der Tod hat den Starken mitten in seiner rastlosen Tätigkeit überwältigt. Nichts charakterisiert Schechters ganze, allen Kompromissen abholde Persönlichkeit, seine Stellung zum Judentum besser als iene Worte, die sich in einer seiner Seminarreden finden: „Präsident Abraham Lincoln wendete sich einmal mit den Worten an den Kongreß: .Mitbürger, wir können uns unserer Geschichte nicht entziehen!' Auch wir können das nicht, meine Freunde. Die Vergangenheit mit ihrer langen Kette von Ereignissen, mit ihren Leiden und Freuden, ihren Tragödien und Romanzen, ihren Sitten und Gebräuchen und vor allem mit ihrem Geschenk der Thora. sind ein wesentlicher und unaustilgbarer Bestandteil unserer selbst geworden, Fleisch von unsrem Fleisch und Blut von unsrem Blut. Wenn wir nicht mitansehen wollen, wie sich der Leib „Israel" vor unsren Augen verblutet, müssen v/ir aufhören, fortwährend Amputationen vorzunehmen. Wir müssen aufhören, von einer „Verwestlichung" unsrer Religion zu reden — als ob der Westen jemals Verständnis für Religion bewiesen hätte! — von einer Befreiung der Geister durch Abschaffung gewisser Gesetze. Jeder Versuch, den Schwerpunkt des Judentums an eine andere Stelle als in die Thora zu verlegen, muß schließlich scheitern." Mögen die zahlreichen Schüler, die zu Solomons Schechters Füßen gesessen, den Geist dieses Starken in alle Staaten Amerikas hinaustragen. Priester. ||||^Ma^^^^iai^^a^^^ Erst wenige Monate sind vergangen, seit die jüdische Gemeinde München einen höheren, aktiven Offizier, den kgl. Major Max Hollerbaum zur letzten Ruhe bestattete. Und schon wieder mußte sie einen solchen zum Grab geleiten. Es war der kgl. bayerische Major a. D. Maximilian Marx, der am 12. Februar verschied. — Der Lebenslauf des Verstorbenen, eines schlichten Menschen, ist bald erzählt! — Im Jahre 1842 wurde Max Marx als Sohn des kgl. Majors Isidor Marx zu München geboren und widmete sich nach Absolvierung der höheren Schule dem Studium des Berg- und Hüttenwesens. Da kamen kriegerische Zeiten, er änderte seine Absichten und trat 1864 als Freiwilliger in das kgl. Genie- Regiment ein. Dort wurde er Juni 1866 Unterleutnant im Geniestab und später zur Artillerie- und Ingenieurschule kommandiert. Januar 1868 kam er zur Stadt- und Festungskommandantur nach Ingolstadt. Bei Kriegsausbruch 1870/71 gehörte er dem Festungsgouvernement Germersheim an, das ihn einige Zeit zum Einschließungskorps nach Bitsch beorderte. Bei Kriegsende wurde er Adjutant beim Etappenkommando Würzburg, dann Platz-Genieoffizier in Nürnberg. Im April 1872 kam er zum 2. Pionier-Bataillon, woselbst er 1876 Oberleutnant wurde und 1880 zur 1. Ingenieur-Direktion kam. Hier wurde er 1882 k. Hauptmann und ließ sich im Februar 1886 als solcher Densionieren. Er ließ sich in München nieder, wo auch sein Bruder, der bekannte Jurist. Justizrat Siegfried Marx, wohnte und wurde hiernach im März 1911 zum k. Major befördert. Der Verstorbene war eine stille, vornehme, allem Hervortreten abgeneigte Natur, die sich trotz aller Widerstände immer als aufrechter, stolzer Jude gab. Die Beerdigung, die Montag. 14. Februar auf dem neuen israelitischen Friedhof stattfand, gab Zeugnis von dem Ansehen des Verstorbenen. Eine zahlreiche Trauerversammlung, darunter viele Offiziere und Beamte, gab ihm das letzte Geleite. Nach der Rede des Herrn Rabbiner Dr. Werner legten Chargierte des Corps „Vitruvia", dessen Gründungsphilister Marx war und der Pionierverein München Kränze am Grabe nieder. Ludwig L. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mittellungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Personalien. Zu kgl. bayer. Feldwebelleutnanten wurden befördert die Offizierstellvertreter Louis Schloßhahn im 8. Inf.-Regt. und Leo Blüthe im Landst.-Inf.- Bat. Germersheim. Zu kgl. bayer. Leutnanten der Reserve wurden ernannt die Vizefeldwebel Max Brand im 1. Inf.- Reg., Ludwig Bier im 23. Inf.-Regt.. Kurt Königsberger im 6. Res.-Inf.-Regt., Gustav Spiegel im 10. Res.-Inf.-Regt., Richard Altvater im 4. Ers.- Reg., Karl Wallach im 3. Res.-Fuß-Art.-Regt., Rudolf Engel in der 1. Train-Abt.. Martin Kauffmann (Nürnberg) im Schneeschuh-Ers.-Bat.. Jakob Emden bei d. 7. Art.-Mun.-Kol. und Karl Schohl (Zweibrücken) im 5. Res.-Inf.-Regt. Der kgl. bayer. Militärverdienstorden 4. Klasse mit Schwertern wurde verliehen dem Rittmeister der Reserve Theodor Hirschler der 1. Trainabt., den k. Leutnants der Reserve Adolf Löffler der Infanterie und Karl Sahlmann (Nürnberg) der Fuß- Artillerie und dem kgl. Oberarzt der Landwehr Dr. Adolf Grünspecht (Nürnberg). München. Der Jüdische Nationalfonds München erzielte in den Monaten Dezember/Januar die folgenden Einnahmen: Spendenbuch: Dr. Elias Straus und Frau Dr. Rahel Straus, anläßl. der Geburt ihres Töchterchens Gabriele 20.— M.; Dr. Raphael Straus und Frau Erna Straus, anläßl. der Geburt ihres Sohnes 20— M.; Johanna Feuchtwanger, anläßlich des Todes ihres Mannes, Sigmund Feuchtwanger 25.— M.