Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 7 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- Seite 53 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 53 Zur Schulsprache in Polen. Der deutschen Verwaltungsbehörde in Lodz sind kürzlich zwei Petitionen zugegangen, von denen die eine die jidische und die andere die polnische Sprache als Unterrichtssprache für die jüdischen Schulen fordert. Die Petition zugunsten des Jidischen trug 20 000, diejenige zugunsten des Polnischen 2000 Unterschriften. Wie das „Lodzer Volksblatt" berichtet, haben sich bei der propolnischen Petition Unrichtigkeiten bezüglich der Unterschriften herausgestellt. Beide Petitionen sollen von den Behörden geprüft werden. Der Präsident der Wiener Israelitisch-Türkischen Gemeinde. Licco L. Adutt ist am 9. Februar im 77. Lebensjahr gestorben. Der Verstorbene erfreute sich allseitig der höchsten Wertschätzung. Jüdische Vermittlungs - Büros Polen - Amerika. In Skierniewice, Sochaczew, Lowicz. Lodz und Kaiisch sind Büros zur Vermittlung zwischen den Juden dieser Städte und ihren Verwandten in. Amerika nach Muster des in Warschau existieren- ' den Büros gegründet worden. 350.000 russisch-iüdische Flüchtlinge. Die jüdischen Hilfsausschüsse in Rußland geben die Zahl der geflüchteten Juden auf 350.000 an. Hierbei sind die zahlreichen auf der Flucht Verstorbenen, deren Zahl sich niemals wird feststellen lassen, nicht mitgerechnet. Die Flüchtlinge im Minsker Rayon. Eine in Minsk zusammengetretene Konferenz der jüdischen Kriegshilfskomitees des Minsker und Wilnaer Gouvernements brachte die Feststellung, daß sich in Minsk allein gegenwärtig 15 000 jüdische Flüchtlinge, in Rakow. einem Städtchen von nur 300 Häusern, einige Tausend, in Woloschin 1800, in Sluzk mehrere Tausend, darunter allein im Gefängnis (anscheinend aus Mangel an Unterkunftsräumen!) 100 Flüchtlinge, aufhalten. Ein russischer antisemitischer Polizeichef. Der „Rjetsch" meldet, daß der russische Antisemitenführer Zamislowsky, dessen Name vom Beilisprozeß her peinlich bekannt ist. demnächst zum Chef der russischen Polizei ernannt werden wird. In der kürzlich erfolgten Judendebatte in der Duma war Zamislowsky derjenige, der den Kadettenführer Miljakow beschuldigte, von den Juden bestochen zu sein. Der Board of Deputies als Denunziant. Der englische „Board of Deputies", der angeblich die Rechte der englischen Judenheit vertritt, hat schon vor mehreren Monaten in englisch-jüdischen Kreisen eine tiefe Verstimmung hervorgerufen, durch die Erklärung, das Schicksal der jüdischen Internierten gehe ihn nichts an. da es sich hier um „Deutsche und Österreicher", also „feindliche Ausländer" handle. Nunmehr ist diese Kör- Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 (HotelKönigshof) perschaft dazu übergegangen, sich in einer Sitzung über die Juden des Londoner Ostens zu beklagen, weil diese sich in zu starkem Maße dem Heeresdienst entzögen. Ob es den Stützen der englisch-jüdischen Gesellschaft wirklich unbekannt ist. daß die Mehrzahl der Ostend-Juden russischer Herkunft sind und als Ausländer nicht in die englische Armee eintreten dürfen? Eine hebräische Zeitung in England? Im vergangenen Monat fand in London eine große Versammlung statt, bei der von mehreren zionistischen und hebräischen Sprachvereinen der Plan erörtert wurde, in London eine hebräische Zeitung herauszugeben. Der Vorschlag wurde mit Enthusiasmus aufgenommen. Zeitungs-Echo Die Enthüllungen des ..Hammer". Die Zentralkommission der Bukarester jüdischen Gemeinde beschloß, 30 Waggons Mazzoth nach Österreich zu senden. Hierzu schreibt ..Der Hammer", das antisemitische Organ des Herrn Theodor Fritsch: „Welche Bewandtnis es um die Herstellung des rituellen Osterbrotes hat. darüber gibt die Schrift „Die Wahrheit über den Beilis-Prozeß". erschienen im Hammer-Verlag, Aufschluß." Die Ritualmordlüge verbreitet in Deutschland inmitten des Weltkrieges! Und wenn der Burgfriede aufgehoben sein wird? Die Unterrichtssprache in den Schulen Litauens. In einem Aufsatz über die deutsche Verwaltung in Litauen in der „Frankfurter Zeitung" schreibt Dr. Fritz Wertheimer: ..Der Unterricht erfolgt in den litauischen Schulen in litauischer, in den jüdischen in iidischer Sprache, wobei das Deutsche selbstverständlich überall Lehrfach werden wird. Auf dem Gebiete der Schulen gibt es aber allerdings vor der Hand mehr Wünsche als Tatsachen, denn es ist ohne Zweifel das schwierigste Gebiet der ganzen Verwaltung. Am leichtesten werden Schulen noch für die Juden zu organisieren sein, deren Kultusgemeinden in den Ortschaften ungestört bestehen. Die von den Russen erhobene Korb- und Lichtsteuer der Juden, die zum Unterhalt der Rabbiner diente, wird auf alter Grundlage weiter erhoben und nun im vollen Umfange — die Russen hatten natürlich den weitaus größten Teil für sich eingesteckt — den Kultur-Interessen der Juden zugewandt werden." Die Not der serbischen Juden. Im Rahmen eines größeren Aufsatzes über die Juden in Serbien bringt das „Israelitische Wochenblatt für die Schweiz" eine erschütternde Schilderung von den Wirkungen des Krieges: „Solange die serbischen Waffen dem Feinde Halt gebieten konnten, mochte von einer Hilfe noch die Rede sein. Sie war auf allen Seiten nötig. Ganze Familien der Glaubensgenossen fielen den Gemeinden zur Last und beide, die askenasische wie auch die sephardische suchten durch eigene und durch Mittel der einzelnen Mitglieder das Elend zu lindern. Zu der Zahl der in Serbien lebenden unglücklichen Glaubensgenossen kamen noch 1500—2000 kriegsgefangene feindliche Juden, welche sich unter den dem Feinde abgenommenen 68 000 Kriegsgefangenen befanden. Diese armen Leute befanden sich in größtem Elend, zerrissen und zerlumpt, barfuß und vom Hunger und den Strapazen ganz erschöpft. Mit dem Siege kam aber eine andere