Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 7 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- Seite 52 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Nr. 7 wirtschaftlichen Aussichten sehr gute, da nach zuverlässigen Schätzungen mindestens eine Fläche von 1.800.000 ha in derselben Weise wie Ägypten bewässer- und kultivierbar ist und somit vor allem für die Baumwollkultur von höchster Bedeutung werden könnte. Doch auch in Nordmesopotamien dürften sich erhebliche Strecken sogar ohne Bewässerungsanlagen für die Kultivierung und damit Aussiedlung eignen. Das wirtschaftlich infolge seiner geographischen Lage und den schon vorhandenen Eisenbahnen aber vorläufig zukunftsreichste Gebiet dürfte wohl Syrien sein. Auch die nördlich angrenzende Cilizische Ebene, in der bereits von deutscher Seite eine erfolgreiche Baumwollkultur durchgeführt worden ist, die aber hauptsächlich infolge Mangels an Arbeitskräften keine weitere Ausdehnung fand, hat für die Zukunft größere wirtschaftliche Bedeutung, allerdings aber müßte dieses Gebiet, da es sehr versumpft ist, erst saniert werden. Dagegen sind die Verhältnisse in Syrien für eine sofortige Ansiedlung einer größeren Anzahl von Menschen insofern günstig, als ein Eisenbahnnetz schon vorhanden ist und nicht erst neugeschaffen zu werden braucht; ebenso fallen die kostspieligen Bewässerungsanlagen zum erheblichsten Teile fort. Das Land ist nämlich im westlichen Küstenrande in ähnlicher Weise wie Italien kultivierbar und für Baumkulturen und Weinbau geeignet. Das östliche Syrien ist dagegen ein hervorragendes Getreideland. Die Haupthindernisse, die der Ausnutzung der von Natur gegebenen günstigen Bedingungen bisher entgegenstehen, sind dieselben wie in Mesopotamien, nämlich die viel zu geringe Bevölkerung und für das östliche Gebiet hier und dort die Beduinengefahr. Jedenfalls dürfen wir im großen und ganzen folgendes feststellen: Das innere Kleinasien und Armenien-Kurdistan, wie das überhaupt nicht in Frage kommende Hedschas sind aus den verschiedensten Gründen für eine Kolonisation nicht geeignet; wogegen besonders Syrien und Nord- und Südmesopotamien landwirtschaftlich gute Zukunftsaussichten bieten, falls sie eine größere Anzahl von Menschen erhalten, denn eine Steigerung der landwirtschaftlichen Produktion oder des Konsums ist hier nicht nur durch den Bau von Bahnen zu erwarten, sondern vor allen Dingen, was erst den Bau von Bahnen rechtfertigen würde, von der Schaffung einer boden beständigen Bevölkerung, die durch eine vernünftige Steuerpolitik zur Arbeit herangezogen wird und auch den überaus nötigen Schutz gegen Übergriffe der Beduinen findet. Denn ohne das letztere ist an eine weitergehende Kultivierung besonders der Gebiete, die an die heutige Steppe angrenzen, nicht zu denken. Nur durch die gleichzeitige Ansiedlung einer verhältnismäßig großen Zahl von Menschen, die durch ihre Zahl schon eine gewisse Sicherheit gewähren, kann das alte Kulturland den Steppenbeduinen wieder abgenommen werden. Mit der Hebung der Landwirtschaft dürfte wohl auch in diesen Ländern eine stärkere gewerbliche Produktion zu erwarten sein, vor allen Dingen auf dem Gebiete der die vorhandenen Rohprodukte verarbeitenden Industrie und später auch für manche Industrien, die ihren Absatz im Lande finden. Doch ist diese besonders in den für eine Kolonisation geeigneten Gebieten vor allem an eine Steigerung der Rohproduktion, d. h. auch wieder der Bevölkerung gebunden. Zusammenfassend können wir also sagen, daß die Türkei, falls sie sich wirtschaftlich selbständig entwickeln will, abgesehen von den nötigen inneren Reformen, besonders auf dem Gebiete der Verwaltungs- und Steuerpolitik, vor allem einer dichteren Besiedlung bedarf, da die vorhandene völlig unzureichend ist, die gegebenen natürlichen Bedingungen richtig auszunutzen. Wer, wie Verfasser, Gelegenheit hatte, bereits vor dem Krieg eine Reihe ernsthafter Wirtschaftsprojekte kennen zu lernen, muß immer wieder dieselbe Erfahrung machen, daß die Rentabilität der in Aussicht genommenen Unternehmungen durch die Zahl der räumlich vorhandenen zu geringen Arbeitskräfte in Frage gestellt wurde. Gewiß darf nicht übersehen werden, daß gerade für die Türkei eine Siedlungspolitik außerordentlich schwer war, da durch die Massenansiedlung von fremden Untertanen bei den vor dem Kriege vorhandenen politischen VerhäJtnissen der Türkei große Schwierigkeiten dadurch hätten entstehen können. Nur bei einem Bevölkerungselement konnte dieses Moment in Fortfall kommen und dürfte es auch in besonderem Maße in Zukunft, nämlich den Juden, die gerade, weil sie keine staatliche Autorität hinter sich hatten, der Türkei als Einwanderer politisch am ungefährlichsten sein mußten. Falls die türkische Regierung erkennt, daß hier beiden Interessen, sowohl denen der Juden, wie denen der Türken gedient werden könnte, falls man großzügig zusammenzuarbeiten gewillt ist, so könnte die Türkei in ihnen die so nötigen Menschen und Kapital erhalten, die Juden dagegen bei einer richtig durchgeführten Kolonisationsarbeit eine neue und hoffentlich dauernde Heimat. Dr. Curt Nawratzki. Welt-Echo Freispruch angeklagter Palästinenser. In den letzten Monaten sind in Palästina vor den Kriegsgerichten zwei Prozesse gegen Zionisten anhängig gemacht worden. In dem einen waren die Herren Dr. Be h a m und andere wegen Herausgabe des Sammelbuches „Ben-Hamzarim" unter Anklage gestellt. Der andere Prozeß richtete sich gegen die Herren Dr. R u p p i n , Dr. T h o n und einige andere Beamte des Palästinaamtes wegen Verkaufs von Nationalfonds-Marken. Beide Prozesse haben mit der Freisprechung sämtlicher Angeklagten geendet. In dem zuletzt genannten Prozeß hat der Staatsanwalt selbst die Freisprechung beantragt. Die Haifaer hebräische Realschule setzt ihre Tätigkeit trotz des Krieges ohne Unterbrechung fort, obgleich der Leiter, Dr. Biram und der Lehrer für Mathematik und Physik. Dr. Tachauer bei Kriegsausbruch nach Deutschland zurückkehren mußten. Die Zahl der Schüler beträgt zurzeit 104, wovon 97 Aschkenasim und 7 Sefardim sind. Die Schule hat vorläufig 3 Elementarklassen und 4 weitere Klassen. Sie ist während des letzten Schuljahres als ottomanische Mittelschule anerkannt worden.