Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 7 (18.2.1916)
- Date
- 1916-02-18
- Page
- Seite 51 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 7 Das Jüdische Echo 51 An Kleinasien schließt sich nach Nordosten das Hochland Armenien-Kurdistan an. in einer Größe von ungefähr 186.000 akm. und 2V2 Millionen Menschen. Ein typisches Hochgebirgsland mit 3 bis 5000 m hohen Berggipfeln und über 1500 m hohen, zwischen den einzelnen Bergketten eingelagerten Hochebenen. Dieses schwer zugängliche und nach dem Kaukasus und Persien in derselben Weise sich fortsetzende Gebiet wird hauptsächlich von Armeniern und Kurden bewohnt. Während die Armenier das seßhafte ackerbau- und in den Städten das handeltreibende Element darstellen, sind die Kurden nur zum Teil seßhaft und teils Nomadenstämme. Besonders das von den Kurden bewohnte Gebiet ist infolge seiner dem Forscher drohenden Gefahren bisher sehr wenig bekannt und daher erst teilweise erforscht. An Armenien-Kurdistan und Kleinasien schließen sich nach Süden und Südosten zwei weitere große Gebiete an, Syrien und Mesopotamien. Im Gegensatz zu dem zuerst genannten Kleinasien, wo die türkische Sprache vorherrscht, beginnt hier der fast ausschließliche Herrschbereich der arabischen Sprache. Mesopotamien, das wir zuerst betrachten wollen, zerfällt wieder in zwei verschiedene Teile, den nördlichen Abschnitt, das eigentliche Mesopotamien und den Irak — Südmesoootamien —. Das nördliche Gebiet, vom Oberlauf des Euphrat und Tigris begrenzt, beginnt an den Vorgebirgen des armenisch-kurdischen Berglandes und des Taurus, der dieses Gebiet gegen Kleinasien durch natürliche Grenzen abschließt. Erst durch den Durchbruch des Taurus- und Bagtsche-Tunnels durch die Bagdadbahn wird hier eine direkte Verbindung Mesopotamiens mit Kleinasien in Zukunft geschaffen. Wirtschaftlich dürfte es allerdings dann, falls dieses bisher sehr dünn besiedelte Gebiet durch die Bagdadbahn mehr erschlossen wird, nach AIcppo resp. Alerandrette gravitieren, also nach Nordsvrien. Die Regenverhältnisse sind in Nordmesopotamien, besonders in seinem oberen Teile, nicht ungünstig, so daß in Zukunft, nach Aufschließung des Landes durch die Bahn, eine Kultivierung und Besiedlung eines größeren Gebietes wohl in Frage kommt. Da aber in dieser Beziehung noch keine gründlichen Untersuchunsren vorliegen, so läßt sich etwas Abschließendes auch über Nordmesopotamien und seine Besiedlungsmöglichkeiten noch nicht sagen, wenn man auch annehmen kann, daß wieder wie im alten Assyrien der Boden mehrere Millionen wird ernähren können. Das heute mit am meisten genannte Land und dem Laien daher am bekanntesten, ist der Irak, die Gegend zwischen Euphrat und Tigris, ungefähr von Bagdad bis Basra. Hier im Gebiet des alten Babylon soll, falls die großzügigen und kostspieligen Bewässerungsarbeiten durchgeführt sind, und gleichzeitig die nötige Zahl von Menschen angesiedelt wird, ein Kulturgebiet gleich dem Ägyptens entstehen, allerdings darf nicht verschwiegen werden, daß gerade für die Kultivierung dieses Gebietes kostspielige und nur in längerer Zeit durchzuführende Bewässerungsarbeiten erforderlich sind, bevor es für eine Besiedlung in Frage kommt: und auch für dieses ergeben sich Schwierigkeiten, da die. Durchschnittstemperatur im Sommer höher als die von Kairo, ia sogar von Assuan ist. Die bewässerbare Kulturfläche wird mit 15 000 akm. und einer hierauf möglichen Besiedlungsschicht von 5—6 Millionen Menschen angegeben. In Bagdad sind noch Vi der 200 000 Einwohner Juden. Die Gesamtzahl der Menschen, die das bisher ca. 356.000 qkm. große West- und Süd-Mesopotamien bewohnen, dürfte IV2 höchstens 2 Millionen betragen. Das schon vorher genannte Syrien, im Norden an Kleinasien und Nordmesopotamien angrenzend, besitzt eine Größe von ungefähr 185.000 qkm. und ungefähr 3 Millionen Menschen, darunter ca. 170.000 Juden. Es erstreckt sich längs der ganzen Ostküste des Mittelmeeres und wird von langen, der Küste parllel laufenden und nach dem Meere zu abfallenden Gebirgsketten durchzogen. Infolge seiner Lage am Meere hat es gute Niederschlagsmengen aufzuweisen, die nach dem Innern zu allmählich abnehmen, wo dieses Gebiet in die regenlose arabische Steppe resp. Wüste übergeht. Durch die Hedschasbahn. die dieses Land von Norden nach Süden durchzieht, und mit der Bagdadbahn in Verbindung steht, wie vor allem durch die vier von dieser nach der Küste abzweigenden Bahnen wird Syrien verhältnißmäßig gut erschlossen, so daß ihm in dieser Beziehung in der Türkei nur noch das von Griechen bewohnte Gebiet der kleinasiatischen Westküste verglichen werden kann, mit der wohl auch Syrien infolge seiner Mittelmeerläge große Ähnlichkeit aufzuweisen hat. Die Bevölkerungsdichte ist zurzeit auch hier nur ca. 18 pro qkm. (in Deutschland 120 pro qkm.). obwohl statt 3 Millionen in Syrien über 20 Millionen Menschen wohnen könnten. Nur das in Mittelsyrien an der Küste gelegene kleine, nur 6000 qkm. umfassende Libanongebiet, das aber wirtschaftlich infolge c1er ihm vor 50 Jahren zugestandenen beschränkten Autonomie sich gut entwickeln konnte, hat eine dichtere Besiedlung, ungefähr 90 pro qkm. aufzuweisen. Der übrige westliche, dem Mittelmeer zugewandte Teil Syriens, sowohl Nordsyrien wie Palästinas, ist sonst nur, wie schon erwähnt, sehr dünn besiedelt. Noch ein Gebiet ist zu nennen, das dem türkischen Machtbereich wenigstens teilweise untersteht, nämlich Hedschas - Jemen, der sich am Roten Meere hinziehende über 2000 km lange aber nur ungefähr 150—200 km breite Landstreifen, der die riesige arabische Steppe auf dieser Seite abschließt. Dieses dem Nichtmoslim bisher verschlossene Gebiet soll ungefähr IV2 Millionen Araber zählen. Wie aus dem Gesagten hervorgeht, läßt sich etwas Allgemeines über die Türkei in Bezug auf ihre zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklungsmöglichkeiten infolge der gänzlichen Verschiedenheit ihrer einzelnen Teile nicht saeen. Kleinasien, im wesentlichen das Wohngebiet der Türken und Griechen wird bereits von diesen in verhältnismäßig starkem Umfange kultiviert. Weniger gilt das für Armenien-Kurdistan, das aber infolge des schlechen Verhältnisses zwischen Kurden und Armeniern und seiner Hochgebirgslage sich nur schwer entwickeln wird. Bedeutend besser dürften allerdings die Zukunftsaussichten für die übrigen Gebiete sein, nämlich Syrien, wie auch die kleine eigentlich noch zu Kleinasien gehörende, im Norden aber an Syrien angrenzende Cilizische Ebene und Nord- und Südmesopotamien. Besonders für Südmesopotamien sind, wie wir gesehen haben, falls die großen Bewässerungs- und Kultivierungsarbeiten durchgeführt sind und die für das heiße Klima geeignete Bevölkerung vorhanden ist, die