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Das jüdische Echo · 1916-02-11 · 6 (11.2.1916) · p. Seite 47

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
6 (11.2.1916)
Date
1916-02-11
Page
Seite 47 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 6 Das Jüdische Echo 47 Abgeschiedenen an, die doch dem Herrn der Welt nahestehen, da oben ein Wörtchen einzulegen. Und da sie schon dabei ist, erzählt sie. was sie sonst auf dem Herzen hat; sie spricht laut zu den Toten, klagt ihnen ihr schweres Herz, daß ihr Mann ein „Garnichts" ist und nicht eine Kopeke verdient, und daß sie selbst das Reißen hat; erzählt auch, was sonst inzwischen Schweres passiert ist. Und hat das Kindchen ausgelitten und liegt es da wie ein erlegtes Opfertier, so schreit sie und weint, sie reißt die Kleider, zerschlägt sich die Brust, das Jammern hat kein Ende, sie zieht Gott zur Rechenschaft; sie ist die Bibel. Und kommen die Boten der „Heiligen Gesellschaft", das noch warme Tote zu verscharren, wirft sie sich weinend über das Kind und läßt es nicht fortschaffen. Und eine mitweinende Nachbarin schleicht sich heran und steckt dem Toten ein Briefchen zu: bittet es. ihrem Manne da oben, der Friede über ihn, zu übergeben. Und ins offene Grab ruft man: Sei uns ein gerechter Fürsprecher. Dann sitzt man sieben Tage lang ohne Schuhe auf niedrigen Bänkchen oder zwei Ziegelsteinen, bewegt sorgenvoll den Oberkörper hin und her, Ebbe im Herzen und wieder Gott ergeben. Nachbarinnen kommen, die „Trauernden trösten", grußlos und wortlos, setzen sich hin. Und unter zustimmenden Seufzern der Nachbarinnen wird die Mutter nicht müde, alles Lob und alle Wunder Gottes auf das Andenken des Verlorenen zu häufen. Bis neue Not und die anderen Kinder das Klaffen im Herzen Übernarben. Wie schwer reißen sich diese Leute vom Leben, dessen Elend zu ermessen ihnen, so anders als dem russischen Bauer, die Intelligenz gegeben! Wie stemmen sie sich gegen den Tod, als wäre ihr Leben eitel Lust und Freude, als lebten sie in einem Lande, da Milch und Honig fließt! Als seien sie die Verwöhntesten. Aber gerade dies! Etwas von Verwöhntheit steckt in jedem Hartgeprüften und Genügsamen. Ein Abglanz..... „Atha baharthanu" — „Du hast uns auserwählt." Gott der Herr Israels ist diesem Volke der Proletarier keine Feiertagsangelegenheit, keine Redensart für Prediger. Er ist werktätig, wirklich, buchstäblich; und dicht auf den Fersen ist er, man spürt seinen Atem, und hart, wie ein Familienhaupt. Er gibt Lebensunterhalt, straft, wenn man den Sabbat übertritt, wenn man am Versöhnungstage ißt, er freut sich, wenn man Gutes tut. an den Mitmenschen Gutes, einander hilft. Und man hält den Sabbat, man ißt nicht am Jom-Kipur, man tut an den Mitmenschen Gutes und man erinnert ihn .ehentlich tagaus tagein, er möge doch ja nicht vergessen, Lebensunterhalt zu geben. Und wenn er dies dennoch nicht tut, sondern Elend und Not und Krankheit und Verfolgungen schickt, dann sei Gott Dank dafür für alles. Dazu ist man ja in der Verbannung. Aber er schreibt das alles gut. 0 ja, das tut er, und darauf kann man sich verlassen. Und yvenn einer der Jungen berichtet, der und der hätte am Versöhnungstage gegessen, dann schüttelt der Alte mit einem besserwissenden, entschuldigenden Lächeln den Kopf: „Das prahlt er nur. Das kann man ja gar nicht." Aber wenn jemand den Sabbat übertritt, und Gott nicht sogleich mit Strafe heimsucht — vergessen wird nichts; es kommt alles ins Buch. Er tut nui so, als ob er nicht sieht. Aber! Aber!! Man hüte sich. Und man hütet sich. Und wenn die „furchtbaren Tage" kommen, wo selbst „der Fisch im Wasser zittert", und die Bethäuser angefüllt sind mit Flehenden, wo die Luft stickig und süß ist und nach Kerzen, Männern, Bücherstaub und Pergamentrollen riecht und mit Seufzern und Schreien geschwängert ist — da hat er alle Hände voll zu tun. Da wird geschrieben und gesiegelt. Da unten schreit und jammert und preßt die Seele sich heraus das ganze Volk, und rechts von seinem Throne „zerreißt sich" der Verteidiger und links schreit der Ankläger und eines jeden Tatenregister wird aus den Büchern vorgelesen und die Engel blasen die Posaunen; und er gedenkt der leidensvollen Märtyrer um seinen heiligen Namen, und der Opferbringung Isaak des zarten, dunklen Knaben, an dessen Qual er sich einst gelabt; und die Erzmutter Rahel, die liebe, ist aus ihrem Grabhäuschen gestiegen, steht am Wege mit seitwärts gesenktem Kopfe und herabhängenden Armen, in ihrer ganzen Güte und Süße wie einst, da Jakob, der Tor, um sie Knechtschaft trug, und sie bittet trauernd für ihre Kinder. Und er hört alle und schreibt und siegelt und schreibt und siegelt. Und im Jenseits werden, die Gutes getan und die er also geprüft, wenn ihnen die Mühlsteine vom schweren Herzen gesunken, um seinen Tisch herumsitzen. Und man wird das schöne Stück Leviathanfisch essen und das herrliche Stück Braten vom Barochsen, so herrlich, wie nicht Rothschild, noch der Kaiser es sich träumen lassen. Und, wer weiß, vielleicht auch noch ein Gläschen süßen Tee, goldigen, klaren, starken Tee und eine Semmel, eine schwere, ausgebackene, geflochtene Dreiersemmel dazu. Und die Sündiger und Peiniger werden da unten in Pechkesseln braten, und nur bei Sabbateintritt werden sie freigegeben, doch beim Austritt des Sabbats wird eine mächtige Stimme erschallen und sie werden alle zurück in die Hölle getrieben um wieder in Pechkesseln zu schmoren. So und nicht anders. Und der also zürnt, das ist der Gott der Judäer. Er ist der Gott des jüdischen Proletariers. Dieser Proletarier kennt keine Religion, er kennt Gott! Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personainaohrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Personalien. Das Eiserne Kreuz 2. Klasse wurde verliehen dem k. Feldrabbiner der 6. Armee Dr. Leo Baerwald aus München und dem k. baver. Kriegsgerichtsrat der aktiven Armee der 5. Division Dr. Martin Angerer, Sohn des Herrn Salomon Angerer in Nürnberg, dem kriegsfreiwilligen Gefreiten Menki Zimmer im baver. 8. Reserve-Feld- Art.-Regt. Der k. bayer. Militärverdienstorden 4. Klasse mit Schwertern wurde verliehen dem k. Rittmeister der Reserve Willy Gotthelf von der 1. Train-Abt., den k. Oberleutnanten der Reserve Ludwig Weiß vom 11. Inf.-Regt, und Anton Zimlich vom 21. Inf.-Regt. Ferner den k. Leutnanten der Reserve Otto Böhm der Inf.. Franz Eßlinger der Landw.-Feldartill.. Benno Mever. Jakob Engel, Gustav Mayer, Fritz Röder der Infanterie, Emil Friedmann der Landw.-Inf. 2. Aufgebots und Siegfried Binswanger der Feld-Artillerie. Dann den k. Assistenzärzten der Reserve Dr. Fritz Binswanger und Dr. Julius Löber. dem k. Oberarzt der Landwehr 1. Aufgebots Dr. Adolf Wolff

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