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Das jüdische Echo · 1916-02-04 · 5 (4.2.1916) · p. Seite 38

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
5 (4.2.1916)
Date
1916-02-04
Page
Seite 38 (sequence 6)
Language
German
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38 Das Jüdische Echo sie erst gemerkt, wie sie mit ihm in Schul war. Da hätte er sich mit einem Male gereckt und seine Hand hochgehoben, a soi hoch 13) nach der Deck, bis ganz oben an die Deck. Da fragt der Mann: „A sooi hoch, die Hand?" und reckt dabei seine Hand hoch und reckt sie immer höher rauf bis zum Himmel, so eine große Hand. Da kriegt sie von neuem Schreck und rennt, was sie laufen kann, nach Hause. Dann hat sie sich wieder schlafen gelegt und ist eingeschlafen und ist wieder aufgewacht, wie der Schammes in Schul gekloppt hat. Und dann ist sie zu Szeliches gegangen. Es ist Zeit gewesen. Das ist gewesen in Sgersh. Das ist Klein-Polen. Das ist eine andere Gegend. Ich habe da auch einen Vetter gehabt. Es ist bei Jonnowitz. Lubrö'entz ist in Groß-Polen. Literarisches Echo Heinrich Haunsberg: „Die Tochter Jepht h a s", Trauerspiel in fünf Akten. Verlag von Dr. F. P. Datterer & Co. (Artur Sellier). Freising-München, 1914. Mk. 1.50. Im alten Testament, Buch der „Richter", Kap. 11, Vers 30 u. 31 lesen wir: „Und Jiftach tat ein Gelübde dem Ewigen und sprach: Wenn Du die Söhne Ammons in meine Hand gibst, so soll dasjenige, was herauskommt aus den Türen meines Hauses mir entgegen, wenn ich zurückkehre in Frieden von den Söhnen Ammons. dem Ewigen gehören und ich will es darbringen als Brandopfer". Man kann es wohl verstehen, wenn einem poetisch veranlagten Verehrer der Schriften des alten Testaments gerade diese Stelle den Impuls zur Geltendmachung seines Talents gibt. Aus solchen Gründen heraus hat gar Mancher Stoffe aus der Bibel zu dramatischen Arbeiten benützt und der Verfasser des vorstehenden Trauerspiels hat den seinigen trefflich zu nützen verstanden. Wenn der Verfasser auch die Geschichte, wie sie uns in der Bibel von „Jephtha" (Jiftach) erzählt wird, in freierer Auffassung behandelt, so hat er doch den Kern der Erzählung nicht außer Acht gelassen und ihn in recht packender Weise zur Geltung gebracht. Das Buch der „Richter" berichtet uns zwar vvom Gelübde Jiftachs, aber nirgends findet sich dort ein Beweis dafür, daß derselbe die Tochter dem Opfertode weihte. Allein gerade die Auffassung des Verfassers gibt ihm Gelegenheit, den Schmerz des Vaters und die freudige Zustimmung der Tochter zu ihrer Opferung in einer dichterischen Weise vorzutragen, wie man sie sich nicht schöner denken kann. Es würde zu weit führen, wollten wir hier Auszüge aus dem fünf aktigen Werke bringen; die Darstellung des Ganzen ist so kraftvoll und le,- bendig, der dichterische Hauch, der das Trauerspiel durchweht, so prächtig, daß man demselben nur recht viele Leser wünschen kann. Möchte es dem Verfasser, hinter dessen Pseudonym sich ein hoher ehemaliger bayerischer Regierungsbeamter verbirgt, vergönnt sein, uns noch manche Probe seines Könnens zu liefern. J. F. Dr. F. Siebert: Der völkische Gedanke und die Verwirklichung des Zionismus. München 1916, J. F. Lehmanns Verlag. 32 Seiten. Oktav. M. —.80. Der als Volkshygieniker und alldeutsch-antisemitischer Politiker bekannte Verfasser erachtete 13) so. die Kriegszeit für geeignet, „eine Betrachtung zur Versöhnung und zur Scheidung der Völker" zu veröffentlichen. Ohne aber den Grundlagen der „völkischen Idee" gerecht zu werden und wahrhaft an der Versöhnung der Völker mitwirken zu wollen, versucht S i e b e r t * lediglich den Nachweis zu erbringen, daß die „Deutschen" einen völkisch reinen Staat zu bilden vermögen und fordert die daraus falsch gefolgerte Ausschließlichkeit und Unduldsamkeit gegen Halbschlächtige und Volksfremde. Obschon er in den völkisch gemischten Staatsgebilden für eine „schiedlich friedliche" Auseinandersetzung der Nationalitäten eintritt, zieht er nirgends die richtige Konsequenz aus dem „völkischen Gedanken", die Anerkennung des naturalisierten Volksfremden als vollgültiges Mitglied des Volksganzen ohne Zwang zur Aufgabe seiner Eigenart. Etwas unmotiviert — wohl nur aus einer antisemitischen „Angst" heraus — beschäftigt er sich mit der Judenfrage und konzediert dem Zionismus einen Nationalstaat — in Galizien. Die an vielen Stellen den volkswirtschaftlichen Dilettanten verratende Schrift ist kaum geeignet, des Verfassers „Richtung" in der Politik des deutschen Volkes als zukunftstragend erkennen zu lassen. Th. H. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) | Sigmund Feuehtwanger | Im Alter von 62 Jahren entschlief in München am 28. Januar Herr Sigmund Feuehtwanger, ein allgemein hochgeachteter, in jüdischen, speziell in konservativen Kreisen besonders geschätzter Mitbürger. In der Kultusverwaltung sowohl wie in der Vorstandschaft der orthodoxen Religionsgemeinschaft war der Verblichene ob seiner Mitarbeit ein sehr verehrtes Mitglied. Obwohl selbst mit einer sehr zahlreichen Familie gesegnet, hat er stets Fürsorge für andere gepflegt; Wohltun war ihm eine Herzenssache, und die Art und Weise wie er diese Tugend übte, zeigte den edlen Charakter. Wie sehr dies anerkannt wurde, konnte man aus der zahlreichen Beteiligung bei der Beerdigung ersehen. | Leopold Siegel | Mit Justizrat Leopold Siegel, der am 31. Januar im 66. Lebensjahre verschied, verlor die Stadt München eine Persönlichkeit, die sich bei allen Schichten der Bevölkerung größter Hochachtung erfreute. Im politischen Leben war er ein hervorragender Vertreter der linksliberalen Partei, welche in ihm einen wirksamen Vertreter im städtischen Kollegium hatte. Von 1890 bis 1902 war der Verlebte Mitglied der israelitischen Kultusverwaltung, wo seine Tatkraft sich in schätzenswertester Weise bewährte. Seine Bedeutung wurde anerkannt durch die starke Beteiligung bei seinem Begräbnis und durch Abordnungen der verschiedenen Körperschaften, denen er angehörte. Personalien. Der kgl. Oberlandesgerichtsrat Dr. Wilh. Silberschmidt in Zweibrücken wurde in gleicher Diensteigenschaft nach München berufen.

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