Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 3 (1916)
- Issue
- 4 (28.1.1916)
- Date
- 1916-01-28
- Page
- Seite 28 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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28 Das Jüdische Echo Die dort gesammelten Mk. 233.283.— machen 46% der Gesamtsumme aus. Dann folgen Österreich mit Mk. 85.730.—, Deutschland mit Mk. 61.013.—, Rußland mit Mk. 24.097.—, Rumänien mit Mk. 19.199.—, Kanada mit Mk. 18.504.—. Südafrika mit Mk. 17.525.—, Holland mit Mk. 11,179.—, England mit Mk. 9.700.—, Ungarn mit Mk. 6.044.—, Griechenland mit Mk. 3.637—, Argentinien mit Mk. 3.468.—, Südslavische Länder mit Mk. 3.367.—, Schweiz mit Mk. 2.999.—. Italien mit Mk. 2.113.—, Bulgarien mit Mk. 1.490.—, Frankreich mit Mk. 1.490.—, Brasilien mit Mk. 866.—, Australien mit Mk. 864.—, Dänemark mit Mk. 701.—, Schweden mit Mk. 671.—, Ägypten mit Mk. 667.—, Türkei mit Mk. 417.—, Ostasien mit Mk. 224.— und Portugal mit Mk. 224—. Die Betrachung der einzelnen Zahlen ergibt mit in die Augen springender Deutlichkeit, daß nicht nur die Anteilnahme der amerikanischen Juden eine erfreuliche Steigerung erfahren hat, sondern leider auch, daß die Betätigung der in Deutschland lebenden Juden in bedenklicher Weise zurückgegangen ist. Gegenüber dem letzten Friedensjahre hat die deutsche Landessammelstelle um 40% weniger abliefern können. Dagegen haben Westösterreich mit Galizien und der Bukowina trotz der dort fühlbareren Kriegsnöte fast die Höhe der normalen Beiträge erreicht und selbst Rußland, wo doch den Juden nahezu Ihr ganzer Besitz in Frage gestellt wurde und immer noch wird, hat ein nennenswertes Sammelergebnis aufzuweisen. Mit anderen Worten, in Deutschland sind sich die Juden der Bedeutung des Augenblicks keineswegs bewußt. Statt unter Berücksichtigung der gerade im nahen Orient sich vorbereitenden, für das deutsche und das jüdische Interesse gleich wichtigen wirtschaftlichen Umwälzungen die Sicherung dieser Interessen im Auge zu haben, ziehen es die deutschen Juden vor, tatenlos der Zukunft entgegenzuharren. Sie lassen sich dabei beschämen von Kriegsopfern im wahren Sinne des Wortes, von den vor Rußlands Kosaken geflohenen Juden Galiziens, von den „Evakuierten", d. h. ihrer Habe Beraubten im russischen Ansiedlungsgebiet. In wahrer Erkenntnis ihrer Lage streben die Flüchtlinge des österreichischen Grenzlandes eine dauernde Festigung der wirtschaftlichen Grundlagen unseres Volkes an. indem sie die Hälfte ihrer Sammlung der „Kriegslandspende" überweisen, die die Ansiedlung von Juden in Palästina bezweckt und damit in praktischer Weise die ökonomische Hebung der Türkei und die wahre Befreiung des Judenvolkes verbindet. Z'bi. Der Untergang der deutschen Juden! Die Statistik hat uns in den letzten Jahren, ganz besonders in den Kriegsiahren, gar mannigfache Belehrungen zuteil werden lassen, gar manche überraschende Momente gezeigt. Doch noch selten hat eine statistische Enthüllung so tief erschütternd auf unsere jüdische Seele gewirkt, wie die jüngst bekannt gewordene Tatsache, daß die Zahl der Mischehen zwischen Juden und Nichtjuden in Deutschland von 17% im Jahre 1911 auf 31 % im J a h r e 1 9 1 3 gestiegen ist: Solche Zahlen sprechen eigentlich für sich selbst; ein jedes erläuternde Wort sollte überflüssig erscheinen. Dennoch halten wir es für angebracht, dieser Mitteilung einige Worte der Begleitung anzufügen. 3 1 % Mischehen in jüdischen Kreisen! Ist sich wohl jeder Leser klar, was dies bedeutet? Um es klipp und klar zu sagen, das bedeutet nicht mehr und nicht weniger als den Anfang des Endes des jüdisch'ien Volkes im Deutschen Reiche. Keine Schönfärberei; weder Proteste noch Warnungen in Gotteshäusern und Vortragssälen vermögen dieser traurigen Kunde eine lichte Seite abzugewinnen. Liberale und Konservative. Gemeinde- und Trennungsorthodoxe — alle haben die Verpflichtung dieser betrübenden Erscheinung ihr besonderes Augenmerk zuzuwenden und vereint zu handeln. Wie kleinlich erscheinen so viele Streitobjekte innerhalb der verschiedenen Richtungen im Judentum angesichts dieser erschreckenden Zahlen! Sage ja niemand, die Folgen des Liberalismus oder der Orthodoxie zeigen hier ihr wahres Gesicht — klopfe vielmehr jeder Jude, gleichviel welcher Richtung, dem sein GPaube und Volk am Herzen liegt, an seine Brust und bekenne offen und ehrlich, daß Viele gefehlt und gar Mancher achtlos bisher an dieser Frage vorüberging. Man hört vielfach, daß Seelsorger und Gemeindevorstände von der Schuld an diesem Volksunglück nicht freigesprochen seien; es mag ja sein, daß diese ihr Anteil daran haben, allein die Hauptschuld trifft die Familien reso. ihre Häupter selbst. Wie viel Zeit bleibt den geistigen Führern in Schule und Gotteshaus — welches ja von den Wenigsten besucht wird — für Belehrung und Geltendmachung ihres Einflusses übrig? Das Haus, der heimische Herd ist und bleibt die Grundlage, von wo aus Hilfe kommen muß. Im 4. Buche Moses wird uns erzählt, wie Bileam vom Könige Balak von Moab berufen wurde, um das Volk Israel zu verfluchen. Da ihm dies nicht gelang, suchten die Moabiter die Kinder Israels durch die Kunst der Verführung schadlos zu machen. „Assimilation" war damals die Losungswort von Israels Feinden, „Assimilation" ist heute das Losungswort bei Vielen von uns. Noch ist es Zeit dem Unheil zu steuern, noch ist Zeit zur Einkehr! Mögen die berufenen Kreise, Gemeinde- und Familienleiter sich aufraffen und vereint handeln, ehe es zu spät ist. Mögen sie alle die Prophezeiung vom „Untergang der deutschen Juden" zu Schanden machen. Ivri. Welt-Echo Aus Palästina. Herr Dr. Thon hat anstelle von Herrn Dr. Ruppin die Leitung des Palästina-Amts sowie den Vorsitz im amerikanischen Hilfsfonds für Palästina übernommen, da die türkischen Behörden verlangten, daß diese Institutionen von ottomanischen Untertanen geleitet werden. Verschiedene Kolonien konnten Eukalyptusbäume verkaufen, so daß sie wenigstens einige Einnahmen hatten. Die Kolonie Petach Tikwah verkaufte eine beträchtliche Anzahl dieser Bäume für 12.000 Frs., die Gesellschaft ..Pardess' verkaufte 7000 Bäume, die einen Wert von 40.000 Frs. darstellen, an die Eisenbahnverwaltung. Am 19. und 20. Dezember wurden in Jerusalem wieder große Schwärme einer neuen Heuschreckenart gesichtet. Die Heuschrecken übertrafen die früheren an Körpergröße und wiesen eine mattrote, fast schwärzliche Färbung auf. Es wurden zahlreiche Einwohner in die Umgebung der Stadt geschickt, um die neuen Schädlinge zu vernichten. Warschau. Einer öffentlichen Verlautbarung des kuiserl. deutschen Polizeipräsidenten in War-