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Das jüdische Echo · 1916-01-21 · 3 (21.1.1916) · p. Seite 18

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
3 (21.1.1916)
Date
1916-01-21
Page
Seite 18 (sequence 2)
Language
German
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18 Das Jüdische Echo Nr. 3 rend die gesamte Bevölkerung in dieser Berufsgruppe lediglich mit 9,6% vertreten ist. In der Industrie sind die Juden mit lediglich 15%, die gesamte Bevölkerung mit 27,4% vertreten. Es wäre jedoch ein Trugschluß, wenn man glauben wollte, die Juden seien in der Industrie in den Hintergrund gedrängt. Zur Berufsgruppe der Industrie gehören ja auch die industriellen Beamten und vor allem das große Heer der Arbeiter. Ein Vergleich der jüdischen industriell selb st änd i g Tätigen mit den nichtjüdischen Selbständigen dieser Berufsgruppe würde zweifellos zu einem wesentlich anderen Ergebnis führen. An der Lohnarbeit wechselnder Art beteiligen sich in Bayern 1.1% der Erwerbstätigen, die Juden stellen nur 0,3% ihrer beruflich wirkenden Bevölkerung. In den öffentlichen Diensten und freien Berufen treffen wir 4,9% dei erwerbstätigen Bevölkerung, berufslose Selbständige (Rentner, Privatiers usw.) sind 11,4%, für die jüdische Bevölkerung ergeben sich 6% und 21,5%; ols Vergleichszahlen. Wenn man bedenkt, daß die Kategorie „öffentliche Dienste und freie Berufe" bei der Gesamtbevölkerung alle Beamten und Militärs einschließt, Berufskategorien, in denen sich die Juden sehr spärlich finden, so kann man bei der Vergleichung mit der jüdischen Prozentziffer auf eine außerordentlich , große Anzahl jüdischer Rechtsanwälte und Ärzte in Bayern schließen, während die hohe Ziffer der jüdischen beruflosen Selbständigen auf eine durchschnittlich hohe Wohlhabenheit der bayerischen Juden Rückschlüsse zuläßt. Zweifellos ist die bayerische jüdische Bevölkerung äußerst regsam und sparsam, wenn ein so hoher Prozentsatz aller Erwerbstätigen Gelegenheit findet, berufslos den Rest des Lebens zu verbringen. Eine solche fleißige und sparsame Bevölkerung ist — das sei nebenbei hervorgehoben — von Wichtigkeit für den staatlichen Finanzhaushalt und sicherlich würde eine konfessionelle Finanzstatistik deutlich zeigen, wie gerade die bayerischen Juden mit am intensivsten zur Aufbringung der öffentlichen Lasten beitragen. Bei der Tatsache der Wohlhabenheit der bayerischen Juden muß es Wunder nehmen, daß die jüdische Bevölkerung seltener Ehen schließt als die übrige Bevölkerung Bayerns. 1913 wurden in Bayern 48 438 Ehen geschlossen, davon 389 jüdische, 1914: 42 722, davon 224 jüdische. Im Jahre 1914 haben wir nur 0,52% jüdische Eheschließungen zu verzeichnen, während normal mindestens 0,8% aller Ehen jüdische sein müßten. Dies mag bis zu einem gewissen Grade auf die zahlreichen Mischehen zurückzuführen sein, die wir aus der Statistik allerdings nur indirekt ahnen können. Das statistische Jahrbuch verzeichnet nämlich nur Mischehen zwischen Katholiken, Protestanten und „Sonstigen". Dagegen bringt eine spätere Tabelle „der 1914 Geborenen nach dem Bekenntnis der Eltern" die Mitteilung, daß von 730 geborenen Israeliten nur 697 einen jüdischen Vater und eine jüdische Mutter hatten, also fast 5% nichtjüdischen Müttern entstammten, während in 27 Fällen (also 4%) der Vater Nichtjude war. Uneheliche Geborene sind ebenfalls 27 Kinder jüdischer Mütter zu verzeichnen. Hier zeigt sich aber die jüdische Bevölkerung in einem günstigeren Lichte als die nichtjüdische, bei der die Zahl der unehelichen Geburten fast 15% der ehelichen Geburten ausmacht, während die jüdischen unehelichen Geburten nur knappe 4% der ehelichen betragen. In interessanter Weise streift das Jahrbuch sodann die Verhältnisse der jüdischen Kultusgemeinden. Wir geben hier die für das Jahr 1911 in Betracht kommende Tabelle wieder: Regierungsbezirk, Oberbayern Niederbayern Pfalz Oberpfalz Oberfranken Mittelfranken Unterfranken Schwaben Juden in den Kultusgemeindebezirken 10529 379 9706 1438 3176 13675 12835 5752 <» S « S 2 2 13—1 111—1 — 89 84 20 57 40 4 8 6 5 7 2 2 24 22 15 15 13 3 46 45 43 19 26 4 124 120 111 39 85 6 17 15 13 16 7 3 Zusammen 57490 311 295 209 156 174 23 Gerade diese Tabelle, die auf das Vorhandensein vieler Zwerggemeinden hinweist, verrät deutlich, wie notwendig es ist, die kirchenpolitischen Verhältnisse der bayerischen Juden, die auf die Verhältnisse, wie sie vor hundert Jahren waren, zugeschnitten ..sind, zu revidieren, doch müssen wir uns im Rahmen dieses Aufsatzes versagen, hierauf näher einzugehen. Zum Schlüsse wenden wir uns einer Tabelle zu, welche sich mit dem Religionsbekenntnis der Studierenden der bayerischen Hochschulen befaßt. Sie stellt die akademischen Bürger der drei Landesuniversitäten, der Technischen, Tierärztlichen, Landwirtschaftlichen und Handelshochschule, der Lyzeen, der Akademie der bildenden Künste und der Tonkunst zusammen. An ihnen studierten: Im W.-S. 1912/13: 13 873 Studenten, davon 988 Juden. im S.-S. 1913: 13 683 Studenten, davon 1009 Juden, im W.-S, 1913/14: 14 255 Studenten, davon 1018 Juden, im S.-S. 1914: 13 962 Stud., davon 960 Juden, demnach ca. 7% Juden. Die Zahl der Studentinnen betrug: W.-.S. 1912/13: 310, davon 46 Jüdinnen, S.-S. 1913: 352, davon 59 Jüdinnen. W.-S. 1913/14: 525, davon 92 Jüdinnen, S.-S. 1914: 555, davon 60 Jüdinnen, demnach 10 bis 15% Jüdinnen. Diese Zahlen zeigen, daß die Juden in viel höhrem Maße den hochgebildeten Berufen zustreben als man bei ihrem Verhältnis zur Gesamtbevölkerung annehmen sollte, wenn man auch nicht vergessen darf, daß die Studierenden der Hochschulen vielfach nichtbayerischen Landesteilen Deutschlands entstammen. Immerhin bestätigen auch diese Ziffern den Wohlstand der bayerischen Judenheit. der zweifellos, von hoher Bedeutung ist für die wirtschaftliche Blüte unseres Vaterlandes._ Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 (Hotel Koni!

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