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Das jüdische Echo · 1916-01-07 · 1 (7.1.1916) · p. Seite 7

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
3 (1916)
Issue
1 (7.1.1916)
Date
1916-01-07
Page
Seite 7 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 1 Das Jüdische Echo 7 sehen!' Noch in jener Nacht reiste ich mit meiner Frau zum heiligen Rebbe — sein Andeken bringt Segen. »Lieber, teurer Rebbe,' rief ich, ,ich habe Eliahu gesehen! Er war unser Gast!' Ich erzählte ihm alles, was sich ereignet hatte. Der Rebbe lachte — sicherlich, weil er diese Geschichte von selbst kannte. ,Rebb Mosche!' sagte er . . ." Mit Stolz bemerkt Etel: „Der Rebbe, der jeden mit Du angesprochen, nannte meinen Mann ,Rebb'. Ja! Ja! ,Rebb Mosche' hat er gesagt." — „Eliahu heilt die Kranken, speist die Armen, bringt Trost den Trauernden und verbreitet den Frieden. Tue auch du Gutes, hilf den Unglücklichen, damit sie in dir einen Propheten Eliahu erblicken." Der junge Chassid. der während der ganzen Zeit oft zu Sima blickte, spricht: „Sehr gut hat der heilige Rebbe erklärt." Rebb Mosche wendet sich seiner Tochter zu und sagt: „Simale! weil ich dem Rebbe den Aphikomon zurückgegeben, hat er meinen Gedanken erraten und mich mit dem Propheten Eliahu zusammengebracht. Weil du mir den Aphikomon gegeben, soll dieser Bocher, der ein Jluj'4) und ,Mijuches'5) ist" — er war ein wenig von der „Haskala"6) „angebrannt", aber meine Geschichte hat ihn gerettet — „er soll dein Chossen7) sein," „Teurer, lieber Vater," ruft Sima. „Eigentlich habe ich den Schidduch8) durchgeführt," bemerkt der anwesende Heiratsvermittler — „Masel Tow! Masel Tow9), Rebb Mosche Aphikomon!" schreien im Chor alle Chassidim. Literarisches Echo Das Volk des Ghetto. Unter Mitwirkung von H. Blumenthal und J. E. Poritzky herausgegeben von Dr. Artur Landsberger. Georg Müller Verlag, München, 1916. Oktav. 503 Seiten. Broschiert M. 5.—, geb. M. 6.—. — Das weitere Publikum, insbesondere das nichtiüdische. wird in den letzten Jahren häufiger mit den Erzeugnissen jüdischer Schriftsteller bekannt gemacht. Diese äußerst dankenswerte Aufgabe wird aber selten mit dem Verständnis und dem Verantwortlichkeitsgefühl zu lösen versucht, die aufzuwenden unbedingt erforderlich ist. Diese Eigenschaften ließ der Sammelband „Das Ghettobuch", den Landsberger vor mehr als einem Jahr im Verlage Georg Müller herausgab, in starkem Maße vermissen. Leider verrät die zweite Sammlung, die der genannte Schriftsteller im gleichen Verlage soeben erscheinen läßt, nicht, daß eine stärkere Vertrautheit mit dem Stoffe und seinem Problem sich gebildet hätte. Wahllos sind Geschichten, die irgendwie jüdisches Leben veranschaulichen, zusammengetragen. Daß darunter auch wirkliche Prachtstücke sich befinden, scheint weniger an der Auswahl als am Material zu liegen. Immerhin ist erfreulich, daß neben Kompert und Mosenthal auch Autoren wie Gorki, Wengeroff und Eliaschoff vertreten sind. Der Mitherausgeber Poritzky hat leider nicht seine bedeutsamsten Novellen beigesteuert. Die Beiträge aus dem jüdischen Sagenkreis, soweit er uns im Talmud, bei der Glückel 4) „Iluj" — genial. 5) „Mijuches" — adelig. •) „Haskala" — Aufklärung. 7) Chossen — Bräutigam. 8) Schidduch — Eheschließung. 9) Masel Tow — ein guter Stern! viel Glück! von Hameln, in der chassidischen Legende und in der Prager Überlieferung entgegentritt, sind ebenso wie die Schilderungen aus der jüdischen Geschichte die besten Stücke der Sammlung, die am ehesten das Lokalkolorit zu übermitteln vermögen. — Da der Herausgeber eine ausführliche Einführung vorauszuschicken für richtig fand, dürfen wir an dieser nicht ganz achtlos vorübergehen. Wenn er glaubt, mit dem Ausdruck „Das Volk des Ghetto" die umfassendste Kennzeichnung unseres Volkes geben zu können, so enthüllt das den Geist des Autors vollständig. Die Lust an der Sensation drückt sich in diesem Vorgehen am besten aus (die Lüsternheit des Titelblattes ist das beste Abbild dieser Richtung!). Daneben verrät Landsberger in der Hartnäckigkeit, wie er für sich (und die Westjuden) eine Art höheres Menschentum, für die Ostjuden aber das „Ghetto" reserviert, eine vollkommene Unwissenheit in den primitivsten Fragen jüdischer Gegenwartsgeschichte. Seine „Darstellung" der Begriffe: Lamdan, Bai - Bajit, Parusch, Chasid. Posche - Israel (diese Reihenfolge!), Epikores, der „Deutsche" (von dem L. meint, daß ihn „seine Geschäfte aus der westeuropäischen Heimat nach Polen verweht haben") , der Raf, fordert den schärfsten Widerspruch heraus. Auch seine, Ausführungen über die Sprache dieser „Menschen des Ghetto" zeigen ähnliche Beschlagenheit. Nur nebenbei sei bemerkt, daß die „Sprüche der Väter" weder im Jargon geschrieben noch zeitlich mit „Maßebüchern" und dem Zeena Urena irgend etwas zu tun haben. Immerhin wird er in diesem Abschnitt dem Jidischen gerechter als im ersten Teil der Einleitung der Geschichtsschreibung. Nicht ganz unerwähnt darf bleiben, daß Landsberger in durchaus ungenügender, stellenweise geradezu fehlerhafter Weise hebräische und iidische Worte sowie jüdische Gebräuche erklärt. Wenn er zum Worte „Szeder" die Bemerkung setzt: „Feierlichkeit, womit man im Ghetto den Auszug aus Ägypten begeht", so wird hiegegen wohl von jedem religiös- und national-gesinnten Juden Widerspruch eingelegt werden. Im Ganzen trifft auf Landsberger Anteil an der Herausgabe der Sammelschrift zu, was er selbst an den herkömmlichen Schilderungen des „Ghettojuden" auszusetzen findet: „Mit der Phantasie eines Kolportageschriftstellers sehen ihn die einen . . . ." Trotz dieser bedeutenden Mängel ist wegen der Wirkungsmöglichkeit auf breitere Schichten die Veröffentlichung anzuerkennen, umsomehr. als ihr der Verlag (mit Ausnahme des schon gekennzeichneten Titelblattes) eine angenehme Druckausstattung mitgegeben hat. Theo Harburger. Ein jüdisches Rotbuch. In diesen Tagen wurde dem Internationalen Sozialistischen Bureau im Haag eine Schrift mit dem Titel „Die Juden im Kriege" überreicht, die die größte Beachtung verdient. Das Bureau des Jüdischen Sozialistischen Arbeiterverbandes Poale-Zion hat der proletarischen Internationale eine Sammlung von Dokumenten über die Lage der Juden in den kriegführenden Ländern mit einer begleitenden Denkschrift überreicht. (Den Haag, 1915. Oktav. 94 S. M. 1.—) Es ist die erste Sammlung dieser Art, wenn auch die Herausgeber im Vorwort bemerken, daß sie nicht lückenlos ist. Sie enthält wertvolle Dokumente und Kundgebungren, die in dieser Vollständigkeit und Übersichtlichkeit noch nicht vorliegen. Der erste Teil der Sammlung ist „Rußland und die Juden" betittelt. Er enthält eine Reihe von Verfügungen des großfürstlichen Generalissimus und seiner Unter-

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