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Das jüdische Echo · 1915-12-31 · 52 (31.12.1915) · p. Seite 437

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
52 (31.12.1915)
Date
1915-12-31
Page
Seite 437 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 52 Das Jüdische Echo 437 Gustave Herve und die russischen Juden. Schon in früheren Berichten haben wir diarauf hingewiesen, wie wenig Frankreich den Grundsatz der „Fraternite" gegenüber dort ansässig gewordenen Juden zur Anwendung bringt. Das System des Heereszwanges in „Fremdenlegionen", der Ausweisungen und Konzentrationslager gegenüber jüdischen Untertanen des Bundesgenossen, ist jetzt wieder von G. Herve in seiner „La guerre sociale" an den Pranger gestellt worden. Einleitend erklärt er, wodurch das ablehnende Verhalten der Juden gegen Rußland entstanden ist. „Zunächst wollen sie sich nicht für Rußland schlagen, weil Rußland bis heute das Land des Antisemitismus war, wo die Juden auch nicht e i n Bürgerrecht besaßen, weil es das Land ist, wo man die Juden in gewissen Bezirken einsperrt, wie in einem großen Ghetto; weil es das Land der Pogrome ist, wo vor 25 Jahren eine von der Beamtenschaft fanatisierte Menge sich zu Massenmorden hinreißen ließ, von denen die Pariser Juden vielfach die traurigen Uberlebenden sind. Bedenken Sie, wenn Sie die Ihren vor Ihren eigenen Augen in Kischenew hätten hinschlachten sehen, wenn Sie wüßten, daß Ihre Glaubensgenossen in Rußland kein einziges öffentliches Recht besitzen, wenn Sie vor Verfolgungen und Pogromen hätten fliehen müssen, würden Sie dann freiwillig hingehen, um für Rußland zu kämpfen?" Nach dieser Apostrophierung des gesunden Gefühls legt er dar, wie auch französischerseits nichts geschah, um Hingabe an die Sache der Alliierten bei den russischen Juden hervorzurufen. Antisemitische Vorgesetzte, rüpelhafte Behandlung hätten den Freiwilligen ihre Liebe zu Frankreich entgolten. Schließlich verweist er auf den Eindruck, den die Nachricht von solchen Vorfällen bei den Juden Amerikas hervorrufen müsse und warnt davor, sie gegen Frankreich zu erregen. Taufschein-Bedingung. Ein österreichisches Provinzblatt brachte Anfang Oktober folgendes Kommunique: „Das Etappenkommando beabsichtigt zum Schulunterricht in den okkupierten Teilen von Russisch-Polen vom Herbste an als Lehrer invalide Offiziere (Subalternoffiziere, event. jüngere Hauptleute) heranzuziehen. Von einer Lehrbefähigungsprüfung würde abgesehen werden. Bedingung für die Aufnahme ist: Österreichische oder ungarische Staatsbürgerschaft, vollkommene Kenntnis der polnischen Sprache in Wort und Schrift, römisch-katholische oder griechisch-katholische Religion, im Kriege erworbene Invalidität, makelloses Vorleben". Offenbar erachtet das Etappenkommando Offiziere jüdischer Religion für die Stellen als ungeeignet. Opfer des unerbittlichen Krieges sind nach der Kopenhagener „Jüdisch. Volkszeitung" einige hun- Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich. Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 (Hotel dert Juden geworden, die sich während des letzten Bombardements auf Belgrad in eine Synagoge geflüchtet hatten und dort ums Leben kamen. Feuilleton Stimmungsbilder aus Palästina Von Dorothea A. G. Schumacher. I. Damaskus. Ein armseliger beduinischer Hirt ist mit seiner ganzen Herde am Ufer des Nahr et-Toraa, in der Mittagschwüle eingeschlafen. Seine Träume entführen ihn weit, weit hinab in die Vergangenheit seines Volkes. Aus den Träumen leuchten Namen auf, eine Kette klangvoller Namen, die alle mit der Geschichte von Damaskus verknüpft sind ... als letzter dieser Namen Abdel Kadir, des schwindenden Morgenlandes letzte Lichtgestalt. Alles zerfiel; alle starben. Die Tempel, die Türme, die Schlösser und ihre Erbauer. Ihr Staub nur blieb und heftet sich an die Sohlen des Hirten und ihre Geister umschweben ihn. Der Beduine träumt von der alten Herrlichkeit seines Stammes, von den verklungenen, sandverwesten, vergessenen Kulturen, die, aus der Wüste kommend, die Welt mit blendendem Glanz füllten, um dann wieder in den Fernen der Wüste zu schwinden. Im Traum sieht der Beduine seine Urahnen aus ihrer mächtigen, öden, glühenden Halbinsel voller Sehnsucht dem uralten, fruchtbaren Damaskus zustreben. Diesen ruhelosen Stämmen, diesen Kommenden und Gehenden, deren Los Darben und Sehnsucht war, galt Damaskus als Verwirklichung ihrer Träume vom Paradies. Seine Gärten, Wiesen, Bäche, Fruchtbäume und Vogellieder waren das Paradies für die. welche nur Öde, Sonnenbrand, Gestrüpp und Felsentäler kannten. Wer Damaskus je erreicht und gesehen hatte, erzählte Wunderdinge den Brüdern in der Öde. Die Sehnsucht nach Damaskus lebte in der ganzen damaligen Welt. Der Hirt erwachte und nahm, aufstehend, seinen Palmenstab über die Schulter, dieses Urbild aller späteren Hirtenstäbe. Er sammelte seine Herden um sich und wallte hinaus in das Abenddämmer am Barada. Jetzt wehten die Lüfte frischer und alles atmete auf. Der Barada lag wie ein blaues Band auf dem grünen Sammetgrunde der Wiesen. Jenseits des Barada lag ein ungewisses Flimmern . . . viele Kuppeln und Türme der Stadt in den goldenen Floren des Abends. Die Welt verging in Melancholie. Das Lied der Grillen hob sich stärker und heller in der Ferne. Rasch sank die Nacht über der uralten Stadt. Hinter Salachie hob sich ein seltsamer Lichtschein; stärker und stärker ... ein riesenhaftes rötliches Antlitz wurde sichtbar, wurde heller und heller, bis es uns blendet . . . Nun steht es mächtig und goldstrahlend über dem Grabe der sieben Schläfer. Ganz Damaskus schaut auf den Mond, wie ein Traum. Die Welt ist still und unirdisch geworden — eine Welt der Vergangenheit und des Schlafes. II. Tyrus und Sidon. Mit seiner ewiggleichen, schwermutsvollen Weise rauscht das Meer auf und ab an den Trüm-

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