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Das jüdische Echo · 1915-12-24 · 51 (24.12.1915) · p. Seite 428

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
51 (24.12.1915)
Date
1915-12-24
Page
Seite 428 (sequence 4)
Language
German
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428 Das Jüdische Echo sie gar nicht vermutet hatte: in der türkischen Kammer, gelegentlich der „Zionistendebatte". . . Nach den Mitteilungen des türkischen Ministers hatte sich damals der „Abgesandte des Zionisten- "kongresses" (lies: der Vertreter der A. J. K. O.) än zwei Minister gewandt. Der eine weigerte sich überhaupt, ihn zu empfangen; er selbst gewährte ihm zwar eine Unterredung, lehnte seine Vorschläge jedoch kategorisch ab!... Aber die Herren von der A. J. K. 0. ließen auch nach der Enthüllung in der türkischen Kammer den Mut nicht sinken, und die „Tatkraft", mit der sie es so prächtig verstehen, die große Glocke zu schwingen, hat sich durchaus nicht verringert. Dazu kommt, daß die Vorsehung ihnen diesmal, ohne daß sie sich besondere Mühe gegeben hätten, einen fetten Bissen beschert hat". (Hier kritisiert Achad-Haam eine seltsame Einmischung; der A. J. K. O. in die Bodenkaufangelegenheit einer Anzahl Privatpersonen, welche diese Einmischung in keiner Weise gewünscht haben. Die A. J. K. O. verkündete damals laut, sie „wolle an der Sache einen gewissen Anteil nehmen"). „Sie will, sagt Achad-Haam, „einen gewissen Anteil nehmen", — und aus diesem Willen leiten die Herren von der A. J. K. 0. das Recht für sich ab, nach London zu gehen, um die große Werbetrommel zu rühren! Zu diesem Zwecke veröffentlichen sie Spezialartikel nicht nur im „Jewish Chronicle", sondern auch in allgemeinen Tageszeitungen (wie der „Daily Mail" u. a.), die in den Ländern englischer Zunge Hunderttausende Leser zählen und auch in Ägypten viel gelesen werden, — Artikel, in denen sie die neugegründete jüdische Siedlung bei Rafie marktschreierisch anpreisen und insbesondere hervorheben, daß dieser Ort, obwohl er einen Teil des alten Palästina bildet, zu Ägypten gehört und unter britischer Oberhoheit steht. Dabei schreiben sie ohne alle Scham das Verdienst an diesem Werke der Arbeit der A. J. K. O. zu. Diese sei es gewesen, die den Ort im Laufe der letzten 18 Monate allseitig erforschte und die Überzeugung: gewann, daß er sich zur Kolonisation vorzüglich eignet. Ihr Begründer (Dr. Nossig) habe die Angelegenheit vermöge seiner überaus großen Energie so weit gefördert; seinen unablässigen Bemühungen sei es gelungen, eine Gesellschaft zur Durchführung des großartigen Kolonisationsprojekts ins Leben zu rufen usw. usw., wobei sie zum Schlüsse (zur Beschwichtigung der Leute, die wirklich von allem Anfang an im Interesse der Sache tätig waren) hinzufügen: „mit Hilfe zweier Vereine in Bialystok und Jaffa." *) Es ist eine höchst unwahrscheinliche Annahme, daß diese etwa nicht einsehen, welchen gewaltigen Schaden diese lärmenden Anpreisungen der künftigen Entwicklung des Kolonisationswerkes an dem betreffenden Orte zufügen können, falls es wirklich Aussicht *) In dem Artikel, den die Herren von der A. J. K. 0. im „Daily Mail" vom 7. April veröffentlichten, weisen sie auf den Nutzen hin. den diese neue Kolonie England bringen wird: einerseits werde durch sie der Einfluß Englands in Ägypten erstarken, anderseits aber werde England von der peinlichen Frage der Einwanderung russischer Juden ins Inselreich befreit werden, ohne gezwungen zu sein, seine Tore vor ihnen zu schließen. Denn diese jüdischen Emigranten werden sich nunmehr der neugeöffneten Tür zuwenden und nicht mehr die britischen Häfen massenhaft überschwemmen! . . So in dem genannten Artikel zu lesen! . . . hat, sich weiter zu entwickeln. Aber was verschlägt's? Dafür werden sie möglicherweise in London noch einige „Notable" finden, die der A. J. K. O. beitreten, d. h. gütigst gestatten werden, daß auch ihr Name unter den Vorstandsmitgliedern genannt wird. Ich werfe also nochmals die Frage auf: Wie lange wollen wir es noch ruhig mitansehen, daß sich in unserer Mitte eine Organisation befindet, die von Anbeginn ihrer Grüdung bis auf den heutigen Tag, von dem hochtrabenden Namen angefangen, den sie sich beilegt, bis zu ihrer neuesten Leistung in London ihre Kraft und Befähigung lediglich in marktschreierischer Reklame bekundet hat, — in einer Reklame, die zu keinerlei ernster Tätigkeit führt, noch führen kann, wohl aber geeignet ist, die Bemühungen anderer ernstlich zu gefährden? Hat man schon jemals eine praktische, „kolonisatorische" Organisation gesehen, die jahrelang besteht und geräuschvoll ihre Existenz kundgibt, ohne in allen diesen Jahren auch nur eine Handbreit Boden erworben oder auch nur eine lebende Seele irgendwo angesiedelt zu haben?" Soweit Achad-Haam über die A. J. K. 0, Nun würde die Betonung des unpolitischen Charakters dieser von Nossig gegründeten Organisation gar nicht so seltsam erscheinen, wenn nicht ebenderselbe leidenschaftliche Vertreter einer „unpolitischen" Kolonisationstätigkeit noch auf dem 8. Zionistenkongreß 1907 im Haag als Wortführer einer Anzahl Kongreßdelegierter folgendes politisches Programm der zionistischen Leitung wärmstens empfahl.*) „Programm der zionistischen Aktion für die nächste Verwaltungsperiode. I. Politische Tätigkeit. Wiedereröffnung einer zielbewußten, politischen Tätigkeit in der Türkei und in den politischen Hauptzentren. Diese Tätigkeit soll aktiv und kontinuierlich7 sein, nicht nur das Endziel, sondern alle gangbaren Wege ins Auge fassen, die durch Erlangung immer höherer rechtlicher Garantien und politischer Konzessionen zur Schaffung einer öffentlich-rechtlich gesicherten Heimstätte in Palästina führen. Insbesondere sollen unsere politischen Unterhandlungen in der nächsten Zeit folgenden Zwecken gelten: 1. Offizielle Aufhebung des Einwandererverbots für Juden in Palästina; 2. Erlangung einer Konzession für eine geschlossene, größere Ansiedelung von wirtschaftlich selbständigen Juden in Palästina, eventuell in den Nachbargebieten, auf Ländereien, die von Juden zu erwerben sind; 3. Überlassung von Staatsdomänen in Palästina (Vakuf- und Diiflik-Ländereien) in ewige Pacht an Juden; 4. Erleichterung des Grunderwerbs und des Häuserbaues für Juden in Palästina und den Nachbargebieten; 5. Regelung des Systems der landwirtschaftlichen Steuern (Oscher) durch Verringerung (Zurückführung auf die gesetzliche Norm) oder Generalpacht; 6. Konzession für Organisierung des Hypothekarkredits für Häuser- und Landkauf; 7. Ausbau der Autonomie der jüdischen Gemeinden; 8. Verleihung des Rechtes von juristischen Personen an die zionistischen Institutionen. Organirung des politischen Dienstes durch: 1. Schaffung satorische Durchführungmaßregeln: Organisieeines politischen Ressorts innerhalb der E. A. C; 2. Bestellung von diplomatischen Agenten der zio- *) Protokoll des 8. Zionisten-Kongresses, S. 85. Nossig war ein tatkräftiger Zionist und hat sich um die zionistische Sache große Verdienste erworben.

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