Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 50 (17.12.1915)
- Date
- 1915-12-17
- Page
- Seite 423 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 423 Armen umfassen wollte, wie er sich an die Wand warf, hineinbiß, mit den Nägeln krallte, — und wußte nicht warum. * * * Bleiernschwer und grabstill war diese Nacht Draußen weinte der Wind. Es war ein Gewitter niedergegangen, doch im Turme hats keiner bemerkt. Von weitem verhallten ohnmächtige Donner, der Morgenwind fegte das Dach rein und fiedelte an den Gitterstäben. Bei ihr wars finster und still. Sie hatte versucht bei ihm anzuklopfen, doch er antwortete nicht, als wäre er böse geworden. Da schmollte sie und ging zu Bette. Sie war traurig und krämte sich — so konnte sie nicht einschlafen. Ein paarmal wollte sie aufstehen und klopfen, doch sie wartete, bis er sie anrief. Es blieb totenstill und die hallenden Schritte des Wächters verklangen weitab. Da faßte sie ein Schreck, sie sprang vom Bett, lief zur Wand, schlug an — keine Antwort. Sie lief zur anderen Wand — alles stumm. Sie legte das Ohr an die Mauer und horchte mit verhaltenem Atem, horchte auf — eisernes Schweigen. Ihr wurde so bange und mit tränender Stimme bat sie: „Gib Antwort! wer bist du? Was ist mit dir geschehen? Warum schweigst du? Antworte! ach antworte mir doch! . . . ." Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mittellungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Personalien: Dem k. bayer. Leutnant der Feldartillerie Hugo Gutmann aus Nürnberg, zurzeit Adjutant im bayr. Res.-Inf.-Regt. Nr. 16 wurde das Eiserne Kreuz 1. Klasse verliehen. Leutnant Gutmann (Mitinhaber der Firma S. Gutmann) wurde bereits früher mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse und dem bayer. Militärverdienstorden 4. Klasse ausgezeichnet. Zum kgl. bayer. Oberstleutnant der aktiven Armee wurde befördert der kgl. Major und Bataillonskommandeur Wilhelm Friedmann im 13. Inf.- Regt. Oberstleutnant Friedmann ist ein Sohn des auf dem israelitischen Friedhof zu München ruhenden -kgl. niederländischen Regimentsarzteis Dr. Sigwart Friedmann. Zu kgl. bayer. Leutnants der Reserve wurden ernannt die Vizefeldwebel Rudolf Lang im 22. Inf.- Reg., Hermann Vogel im Res.-Inf.-Regt. Nr. 5, Otto Böhm im Res.-Inf.-Regt. Nr. 12 und Max Wolf im Res.-Inf.-Regt. Nr. 21. Zu kgl. bayer. Feldwebelleutnanten wurden ernannt die Ofiziersstellvertreter Leopold Frank der 15. Garnisons-Komp, und Julius Wiesenfahrt der 2. bayer. Landwehr-Eskadron. Zum kgl bayer. Veterinär der Reserve wurde befördert der Unterveterinär Albert Löffler in München II. Der kgl. bayer. Militärverdienstorden 4. Klasse mit Schwertern wurde verliehen: dem kgl. Oberstabsarzt der Landwehr Dr. Max Flesch den kgl. Hauptleuten der Reserve Hermann Mahler der 2. bayer. Train-Abt. und Albert Kahn der Landwehr, dem kgl. Oberleutnant der Reserve Robert Marx im 7. Chev.-Regt., den kgl. Leutnants der Reserve Hans Pick im 7. Feldart.-Regt. und Karl Jacob im 3. Pionierbataill., ferner den kgl. bayer. Stabsärzten der Reserve Dr. Ludwig Obermeyer (Nürnberg), Dr. Siegfried Marcus (Hof), Dr. Harry Gans (Hof), Dr. Robert Goldschmidt, dem Assistenzarzt der Reserve Hermann Mayer und dem Mitglied des kgl. bayer. Automobilkorps Eduard Forchheimer. Rabbiner Dr. S. Klein wurde zum Hilfsfeldgeistlichen für zwei Armeekorps der Armee-Abteilung von Strantz ernannt. München. Die hiesige zionistische Ortsgruppe hat zu der Liebesgaben-Aktion der Zionistischen Vereinigung beigetragen. Über 90 Mark in bar und verschiedene Genußmittel wurden gesammelt und 20 sehr reichhaltige schöne Pakete konnten jüdischen Soldaten zu Chanukkah ins Feld gesandt werden. Die Durchführung der Aktion hatte in liebenswürdiger Weise Frl. Gusta Strumpf übernommen. München. Am Samstag, 11. Dezember veranstaltete der Jüdische Turn - und Sportverein eine einfache Feier in Form einer zwanglosen Kneipe. Unter fröhlichen Liedern waren die Mitglieder des Vereins, der auch die B'n e J e h u d a als Gäste bei sich sah, gemütlich beisammen. Rezitationen aus dem jüdischen Ideenkreise verschönten die Zusammenkunft. Den Gipfelpunkt der Veranstaltung bildete die künstlerische Darbietung des Herrn Marie, der mit dem Faust-Monolog ein Prachtstück seines Faches bot. Der Abend war zweifellos gerade in seiner zeitgemäßen Einfachheit von nachhaltiger Wirkung. Zbi. Nürnberg-Fürth. Die zionistische Ortsgruppe hielt am Sonntag, den 5. d. M. im Cafe Central ihre diesjährige Chanukkah-Feier ab. Dem Ernste der Zeit entsprechend wurde von einer größeren Feier Abstand genommen. Der Dipl. Handelslehrer J. L i p p e r hielt die gehaltvolle Festrede und die Damen Frl. Karpf, Raffalowitz, Fried mann und Herr Ordenstein suchten durch musikalische und deklamatorische Vorträge den Abend zu verschönern. Die Veranstaltung war gut besucht und verlief in gemütlicher Stimmung. Würzburg. Der Rechenschaftsbericht der „I s - raeliti sehen Lehrerbildungsanstalt in Würzburg" für das 51. Jahr ihres Bestehens (1914/15) steht, wie die Berichte aller anderen Institute, unter dem Zeichen des Krieges. Vier Lehrer der Anstalt wurden zu den Fahnen einberufen; von 30 Schülern wurden 18 als militärtauglich ausgehoben, 12 stehen bereits im Felde, 4 haben sich freiwillig gemeldet und ein Schüler steht im österreichischen Heeresdienst. Lehrer der Anstalt betätigen sich durch Abhaltung von Vorträgen in den Lazaretten. Von früheren Schülern erhielten 6 das Eiserne Kreuz, einer (Herr Lehrer Krämer in Rockenhausen) wurde zum Leutnant befördert; nach dem Tode Senders wohl der einzige jüdische Lehrer Deutschlands im Offiziersrange. Auch eine Anzahl ehemaliger Schüler starben den Tod fürs Vaterland; eine abschließende Statistik bleibt für später vorbehalten. Der Mangel an Lehrkräften machte sich auch im Internatsleben fühlbar und so wurde die Neuerung getroffen, Schüler durch Aufsichtsführung zur Aufrechterhaltung der äußeren Ordnung heranzu-