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Das jüdische Echo · 1915-12-17 · 50 (17.12.1915) · p. Seite 420

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
50 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
Seite 420 (sequence 8)
Language
German
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420 Das Jüdische Echo Nr. 50 ging. (Daß sie halb als Farc«, halb als Tragödie endete, war die Schuld der beteiligten Diplomaten, wie immer, die nur an ihre eigenen Ansprüche, aber nicht an Kultur und Bedürfnisse des Landes, das sie verhandelten, dachten.) In der Gestalt des Oberhauptes einigen und vereinigen sich die verschiedenen Elemente. Es ist es, das dem Volke das Selbstbewußtsein gibt, nicht die einheitliche Sprache. Sich auf die letztere als den Angriffswinkel einzustellen, retardiert die Lösung, und beruht ebenso auf einem Irrtum, wie die Anschauung, wirtschaftliche und Rassenfrage lösten allein oder hauptsächlich den Antisemitismus?us. Es ist die Zeit der Neuorientierungen. Jeder weiß, daß unter ungeheuren Wehen eine neue Zeit geboren wird. Was diese neue Zeit uns bringen wird, wir müssen bereit sein, es zu empfangen. Es kommt immer nur darauf an, daß man bereit sei, also fähig ist, Gelegenheit und Augenblick zu nützen. Man muß wissen, was man braucht, was man will, wie man es sich verschafft und — daß Gelegenheiten selten wiederkehren. Man sage nicht: jetzt oder nie, denn die Geschichte wiederholt sich, aber es kann unmenschlich lange dauern, bis sie sich wiederholt. So lange, daß ganze Bewegungen bis dahin müde, gestorben sind. Fraglos muß bei den Friedensverhandlungen Rußland gegenüber die Judenfrage angeschnitten werden. Tun es die hohen Herren am grünen Tisch nicht, so werden hoffentlich die wenigen einflußreichen Juden diesen ihren Einfluß zugunsten (ihrer Stammesgenossen geltend machen. Ebenso fraglos wird sich ein Teil der öffentlichen Meinung dafür einsetzen, daß den Juden Zugeständnisse gemacht werden für die glänzend bestandene Prüfung: dieses Krieges. (In Österreich sind die jüdischen Reserveoffiziere der Stolz des Feldzuges.) Mit Zugeständnissen ist uns nicht gedient. Auch nicht mehr mit Kolonien für die Ausgestoßenen. Das war eine Methode, aber nicht das Ziel. Jede Zeit verlangt ihre Methoden, nnd man muß die geistige Beweglichkeit haoen, sich der Zeit nicht nur in ihren Notwendigkeiten, sondern auch in ihren Gelegenheiten anzupassen. Und wer von Utopie spricht, — schien 1848 nicht das 24 Jahre später strählend geeinte Deutschland auch Utopie? Was wir erreichen müssen, können wir nur im Anschluß an die Türkei und im Ausbau des schon Erreichten erlangen. Man lerne aus den Einrichtungen Ägyptens. Es war eine türkische Provinz, aber es hatte eine eigene Dynastie mit linearer Thronfolge, völlige Unabhängigkeit der Verwaltung, der Justiz, das Recht, Verträge mit andern Staaten abzuschließien, Anleihen aufzunehmen, die Stärke des Heeres zu bestimmen usw. Wir müssen mit voller und bewußter Organisation unsere Kolonien einer ähnlichen Staatsform entgegenführen*) und zu dem Zwecke wirtschaftliche Perspektiven schaffen, die uns das Interesse und die Förderung des wirtschaftlich expansionsbedürftigen Europa siehern. Das heißt: wir müssen von vornherein diese Ägypten ähnliche Organisation embckennen und kolonisatorisch und wirt- *) Es bedarf wohl keines Hinweises, daß die Redaktion des „Jüd. Echo" sich in keiner Weise mit diesen an sich sehr interessanten Ausführungen unseres geschätzten Mitarbeiters identifiziert. Auch muß festgestellt werden, daß die zionistische Organisation nie zu diesem in der Zukunft liegenden Problem Stellung genommen hat. schaftlich so viel zu bieten haben, daß man unsere v Ziele bei der Neuorientierung nicht nur ernst nimmt, sondern unterstützt. Und wenn die ewige Gerechtigkeit die Stunde für gekommen halten wird, die Juden zu befreien, so wird auch der Mann bereit sein, den Kolonien von Palästina die geschlossene Form zu geben, sie nach außen zu repräsentieren und seine Ratgeber unter den Juden der Nationen zu wählen, die für die einzelnen Verwaltungszweige vorbildlich sind. Möge man es auf die Probe auf dieses Exempel ankommen lassen. Daß die wenigen Juden, die sich bis jetzt für die Befreiung des Judentums eingesetzt haben, die Aufgabe nicht allein bewältigen können, ist klar. Man verurteile aber die andern, die sich noch nicht angeschlossen haben, nicht zu hart. In der Politik gibt es nur Realitäten, keine Gefühle. Ihnen waren die. Kolonien in Palästina eine Wohltätigkeitssache wie eine andere, die sie außerdem in den Geruch bringen konnte, unpatriotisch zu sein. Sehen sie aber, daß es sich um den Weg zur politischen Gleichstellung handelt, so wird es eine Angelegenheit, die sie selbst berührt. Man wird uns übrigens diesen Knüppel, schlechte Patrioten zu sein, weiter zwischen die Füße werfen. Als ob die deutschen Katholiken weniger patriotisch gewesen wären, solange es einen Kirchenstaat gab! Überdies ist ein Abbau wirtschaftlich gefestigter Existenzen, und auf die kommt es dem Staat allein an. nicht zu befürchten. Es handelt sich im Gegenteil um Schaffung neuer wirtschaftlicher Zonen und Beziehungen, in die allerdings, wie in alle große Unternehmungen, erst Kapital investiert werden muß; es handelt sich darum, daß die Juden diese Aufgabe vom Standpunkt ihrer heiligsten Ideale — auf dem Kulturniveau der Gegenwart sind Ideale schon eine Realität — auf sich nehmen wollen, daß sie aber dafür diese Rechte verlangen, die ihnen im Rat der Völker die Stellung anweisen, die ihnen gebührt. Welt-Echo Der Amerikanisch-Jüdische Kongreß. Da die Diskussion über den Plan eines amerikanischjüdischen Kongresses in letzter Zeit auch in der europäischen Presse lebhaft geführt wird, wobei das Tatsachenmaterial nicht immer korrekt wiedergegeben wird, dürfte es zweckmäßig sein, sich die folgenden Gesichtspunkte, die sich aus den Veröffentlichungen des Amerikanisch-Jüd. Kongreß-Organisierungs-Komitees" ergeben, vor Augen zu halten: Ein Amerikanisch-Jüdischer Kongreß wird abgehalten und seine demokratische Basis wird die Verantwortlichkeit für seine Entscheidungen gewährleisten. Der Zeitpunkt für die Abhaltung des Kongresses ist bisher noch nicht festgesetzt worden. Bevor der Kongreß zusammengetreten ist, ist keine Organisation und kein Komitee bevollmächtigt, für oder im Namen der amerikanischen Juden zu sprechen. Das „Jüdische Kongreß-Organisations-Komitee" ist gebildet worden und repräsentiert 14 national-iüdische Organisationen mit einer Mitgliederzahl von insgesamt 650.000 Juden. Darunter befinden sich: der unabhängige Orden „B'rith Abraham", der unabhängige Orden „B'rith Sholem", die Föderation der Amerikanischen Zionisten. die Union der orthodoxen Kongregationen, die Föderation der Russisch-Polnischen Juden in Amerika, die Föde-

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