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Das jüdische Echo · 1915-12-17 · 50 (17.12.1915) · p. Seite 416

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
50 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
Seite 416 (sequence 4)
Language
German
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416 Das Jüdische Echo Nr. 50 wenden, um seine Mitwirkung für die Beibehaltung der Militärpflichtigkeit der Juden zu erbitten. Der preußische König ließ ihnen sagen, daß es dem Wesen des christlichen Staates widerspräche, wenn den Juden irgendwie obrigkeitliche Gewalt über Christen eingeräumt würde. Damals sei zur rechten Stunde Abraham Geiger, der Vater des Verfassers, mit einem rabbinischen Gutachten auf den Plan getreten. Darin wird dargelegt, daß den Juden Verteidigungskriege bedingungslos erlaubt seien, und da die preußischen Regenten ferner nur Kriege zur Verteidigung führten, seien also die Juden verpflichtet, sich daran zu beteiligen. Auf dieses Gutachten habe sich später Gabriel Rießer in seiner Flugschrift: „Besorgnisse und Hoffnungen für die künftige Stellung der Juden in Preußen" berufen. Erst 1845 sei die Militärfrage einheitlich gelöst und geregelt worden. An den Revolutionskämpfen und im Kriege in Schleswig-Holstein (1848/9) seien 67, im Kriege gegen Dänemark 194, im Jahre 1866 preußischerseits 1025 jüdische Soldaten beteiligt gewesen. In den Jahren 1848/9 und 1864 habe es nur ein Jude zum Vizefeldwebel gebracht. 1866 seien viele Gefreite, Unteroffiziere, Sergeanten geworden, manche auch Vizefeldwebel, aber nur einer Leutnant. Theodor Fontane erzähle von zwei tüchtigen jüdischen Grenadieren. Die Literatur, soweit sie von jüdischen Schriftstellern herrühre, habe für die drei Kriegszüge kaum eine Spur hinterlassen. A. Bernstein habe für die Berliner Volkszeitung patriotische Leitartikel geschrieben. Die Mitarbeiter der deutschen Witzblätter, besonders die „Gelehrten des Kladderadatsch" entstammten vielfach dem Judentum. Besonders habe David Kaiisch mit seinen christlichen Kollegen in Verherrlichung der preußischen Kriegstaten gewetteifert. Auch der Humorist Julius Stettenheim habe die Kriegstaten in sehr witziger Weise glossiert. IV. 1870/71. Drei Prozent der jüdischen Bevölkerung Deutschlands habe an dem französischen Feldzug teilgenommen. Demnach hätten 3000 jüdische Soldaten mitgefochten und ca. 100 seien mit dem Eisernen Kreuz dekoriert worden. Andere Zusammenstellungen zählen 4492 bezw. 7000 jüdische Kriegsteilnehmer. Das Eiserne Kreuz 1. Klasse erhielten 2, das 2. Klasse 95; zu Gefreiten wurden 249i zu Unteroffizieren 348, zu Obergefreiten 6, zu Sergeanten 25, zu Feldwebeln 26, Vizefeldwebeln 28, Vizewachtmeistern 8 usw. Einer verschwindend kleinen Anzahl wurden auch andere Orden außer dem Eisernen Kreuz verliehen, z. B. das militärische Verdienstkreuz (2), bayerische Militärverdienstorden (3) usw. Über Feigheit der Juden sei damals keine Klage geführt worden; wohl aber über Betrügereien jüdischer Militärlieferanten. Aber diese Vorwürfe seien sehr übertrieben. In Frankreich, Italien und Rußland seien die n i c h t i ü d i s c h e n Militärlieferungsschwindler in viel größerer Anzahl. Das Jahr 1870 habe eine große Reihe patriotischer Dichtungen hervorgerufen. Jüdischerseits seien zu nennen: Julius Rodenberg, Heinrich Schwarzschild und Berthold Auerbach („Wieder unser"). Der Letztere versichere in einem Brief von 1871, daß ein elsäßer Jude zu ihm gesagt habe: „Bisher waren wir Franzosen, und jetzt werden wir deutsche Juden". Auch Auerbachs Roman „Waldfried" enthalte einige episodische Figuren, welche die durch den Krieg hervorgerufene Stimmung der deutschen Juden trefflich charakterisiere. Darüber heißt es bei Geiger: „Eine wirkliche Prachtfigur ist Ossenheimers Schwester Annette, eine schöne Frau, die Gattin eines im Kriege von 1866 gefallenen Rittmeisters, die dem Gatten zuliebe ihren väterlichen Glauben verlassen hatte; sie wird durch die Größe der Zeit zu einer Heroine erhoben, und dann in zweiter Ehe eine würdige Gattin des Sohnes Waldfrieds, eines Professors". Auch Fanny Lewald, die freilich frühzeitig das Christentum annahm, verdiene als patriotische Schriftstellerin an dieser Stelle erwähnt zu werden. Viele Kriegerdenkmäler in deutschen Städten trügen auch Namen jüdischer Gefallener. Der Sergeant Max Lövysohn habe einen Offizier aus den Händen französischer Marodeurs befreit; die Füsiliere Idesheimer, Schapira, Emil Salomon hätten tapfere Taten verrichtet; Siegfried Karfunkelstein habe den Händen eines französischen Fahnenträgers die Fahne entrissen und als erster eine Barrikade erstürmt, wo ihn eine Kugel traf; der Gefreite Heinrich Harburger habe sich mannhaft bewährt, indem er sich stets als einer der ersten zu Patrouillen und gefährlichen Gängen meldete. Und Geiger schließt dieses „schöne" Kapitel mit folgenden Worten: „Als der Friede geschlossen war, hofften die Juden, nun sei jeder Unterschied verschwunden. Nun seien sie, was viele von ihnen seit Jahrzehnten erträumt hatten, voll und ganz Deutsche geworden. Sie sollten bald erfahren, wie sehr sie sich getäuscht hatten. V. 1871—1915. Das neuerliche Wiedererwachen des Antisemitismus nennt Geiger eine beklagenswerte Strömung. „Diese Gesinnung", sagt er, „verbunden mit einer Wiedererstarkung der Reaktion überhaupt, war nicht, wie 1815, eine Folge erhöhter Glaubensinnigkeit, obgleich bei manchen ein intensiveres christlicheres Bewußtsein zutage trat, sondern eine Wirkung des gesteigerten Nationalempfindens, des sogenannten alldeutschen Geistes". Hier stellt Geiger ein Sündenregister des deutschen Antisemitismus auf, beginnend mit dem Neid der nichtjüdischen Deutschen auf den jüdischen Reichtum bis zu den auch in Deutschland verbreiteten Ritualmordlegenden, die zu den bekannten Prozessen führten. Stöcker und der sentimentale Jakob Löwenberg werden einander gegenübergestellt. Dieser Antisemitismus habe gerade auf die Stellung der Juden im Heere die unheilvollste Wirkung ausgeübt. Bei einzelnen Regimentern sei es nämlich zur Praxis geworden, jüdische Freiwillige nicht anzunehmen und sie trotz ihres Wohlverhaltens nicht zu Reserveoffizieren zu befördern. Die Bemühungen der freisinnigen Parteien und des Zentralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens hätten in dieser Beziehung fast nichts erreicht. Alle Versuche würden an der Omnipotenz der antisemitischen Reserveoffizierkorps scheitern. Da sei der Weltkrieg von 1914 ausgebrochen. Die deutschen Juden hätten sofort alle Verärgerung und allen Hader vergessen und seien in Scharen begeistert zu den Warfen geeilt. Das kaiserliche Wort: „Ich kenne keine Parteien, ich kenne nur Deutsche!" betrachteten die Juden für sich gesprochen. Sogar die Zionisten, „denen man nicht mit Unrecht vorwarf, daß sie, zwar von einem jüdischen Staate nur für andere träumend, sich doch als Söhne eines anderen Volkes denn des deutschen betrachteten, schienen diese ihre Anschauung völlig vergessen zu haben. Auch sie drängten sich begeistert und todesmutig wie alle Nichtzionisten zu den Freiwilligen". Welche Wirkung, fragt Geiger, hat nun dieser jüdische Patriotismus bei den christlichen Deutschen gehabt? Und er kommt zu dem Schluß, daß außer der neuen Institution fefc"^ Hi^J MV V%N iiJffS $s V.:.^

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