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Das jüdische Echo · 1915-12-17 · 50 (17.12.1915) · p. Seite 415

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
50 (17.12.1915)
Date
1915-12-17
Page
Seite 415 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 50 Das Jüdische Echo 415 Manneskleidern in das Königsberger 2. Landwehr- Ulanen-Regiment eintrat und zuletzt als Wachtmeister das Eiserne Kreuz erhielt. „Mit ehrenvollen Wunden und Auszeichnungen bedeckt", sei sie später zu ihren Kindern zurückgekehrt, nachdem ihr Mann durch eine Kanonenkugel das Leben verloren hatte. Der mecklenburg. Regierungsrat v. Lützow schreibe am 7. VII. 1828: „Es hat sich nirgends ergeben, daß die Juden die vollen Rechte der Staatsbürger zu erfüllen nicht imstande wären, vielmehr haben sie in Zeiten der Gefahren unter Opfern für die Erhaltung des Vaterlandes mit den Christen geeifert." Ein schlesischer Jude, Siegmund Pleßner aus Pleß, müsse sich im Kriege ausgezeichnet haben, da er bei seinem Abschied in den Hauptmannsrang erhoben wurde. Der (Hofagent Simon Kremser, nicht Soldat, sondern Kommissar des Fürsten Blücher, habe den Orden pour le merite erhalten. Die Darmstädter Regierung habe ihren jüdischen Untertanen den Vorschlag gemacht, sich durch Geldablösung von dem Heeresdienst zu befreien. Dagegen richteten die Juden des Städtchen Geseke am 12. Mai 1814 einen flammenden Protest. Darinnen heißt es: „Wir müssen uns schämen, wenn wir als biedere Deutsche nunmehr zurücktreten und statt der Lanze, des Gewehres oder des Säbels das Hasenpanier wählen wollen. Wir sind nicht jene feigen Menschen, welche vielleicht der Vorsteher und andere sein mögen (der jüdische Bezirksvorsteher hatte sich nämlich zum Handlanger dieser erbärmlichen Maßregel hergegeben). In jener Zeit seien auch viele patriotische Reden von Juden gehalten worden. So habe der interimistische Rabbiner L. J. Saalschutz 1815 bei der Einweihung der Königsberger Gemeindesynagoge eine sehr patriotische Rede gehalten. Der Glogauer Oberrabbiner A. G. Tiktin habe anläßlich der Feier des Einzugs der Alliierten in Paris eine hebräische Ansprache gehalten. Körner habe, als er anfing, patriotisch zu dichten, in einem wesentlich jüdischen Kreise gelebt und verkehrt. Demselben Kreise gehöre der patriotische deutsche Dichter F. A. Stägemann an. Auch einzelne jüdische Schriftsteller und Dichter könnten aufgezählt werden, z. B. S. H. Friedländer in seinen „Volks- und Jägerliedern". Aber seine Zugehörigkeit zum Judentum sei nur durch seinen jüdisch klingenden Namen bekundet. Ludwig Börne, damals noch Louis Baruch geheißen, den man mit Unrecht einen Französling nenne, sei im Herzen stets ein Deutscher gewesen. Sein einziger Artikel in der Zeitung der Stadt Frankfurt, der sich bestimmt als von ihm stammend nachweisen lasse, sei ein Zeugnis hochgesteigerter nationaler Empfindung- In diesem Aitikel heißt es: „Wir wollen freie Deutsche sein urd damit wir es bleiben, über sklavische willenlose Völker auch nicht herrschen. Mögen jene Knaben sich mit den Scherben ihres zerbrochenen Ruhms ergötzen, wir wollen ihr Spiel nicht teilen und nicht stören, wir wollen es belächeln und verachten . . ." Heinrich Heine habe als Sechzehnjähriger ein Gedicht auf die Schlacht bei Bellealliance gemacht, das von wahrem Patriotismus erfüllt sei. Die Echtheit dieses Gedichtes sei aber vielfach angezweifelt worden, da es nur in einem Abdruck des berüchtigten Fälschers Steinmann vorliege. Ludwig Robert, der 1817 einen Gedichtzyklus „Kämpfe der Zeit" veröffentlichte, sei „allerdings" früh zum Christentum übergegangen. Michael Beer, der Dichter von „Des Kaisers Traum", komme für die Zeit der Befreiungskriege nicht mehr in Betracht. Seine Gedichte geben der Empfindung Ausdruck, „daß die Juden trotz aller Hingabe an das Vaterland, trotz des Verlangens Deutsche mit Deutschen zu sein, zurückgestoßen wurden." Eine besonders vaterländische Gesinnung atme folgendes Gedicht Beers: Keiner weiß hier, was mir fehlet. Keiner, was mich hoch entzückt. Wenn mich's still im Busen quälet, Wenn mein Auge fröhlich blickt. Keiner ahnt's mit Freundes Sinn, Weil ich hier ein Fremder bin. Wenn die Augen spät sich schließen In des Schlummers karger Ruh, Wenn die bittern Tränen fließen. Keiner fragt: Was weinest du? Gramvoll flieht mein Leben hin. Weil ich hier ein Fremder bin. Und die Holde, der dies Sehnen, All mein Leben zugehört. Spottet meiner stillen Tränen Und der Qual, die mich verzehrt. Kehrt sich ab mit fremden Sinn, Weil ich hier ein Fremder bin. Der Wunsch manches in dem Befreiungskriege avancierten jüdischen Freiwilligen, bei der militärischen Laufbahn zu bleiben, sei keinem in Erfüllung gegangen außer einem, dem Major Burg, aber auch ihm nur, weil er einen mächtigen fürstlichen Gönner besaß. III. 1815— 1870. Die den Befreiungskriegen folgenden Jahrzehnte seien den Juden infolge der Platz greifenden Deutschtümelei besonders verderblich gewesen. Das steigende nationale Selbstgefühl habe die Juden als Fremde verfolgt. Das Hep-Hep-Geschrei sei in immer schlimmere Verhöhnungen ausgeartet. Die deutschen Juden jener Zeit hätten ihre Sympathie für die belgische und französische Revolution erklärt. Heine und Börne seien geradezu als die Begründer des revolutionären Sinnes in Deutschland anzusehen. Vor allem schenkten die deutschen Juden auch ihre politischen Sympathien den Griechen, die für ihre Befreiung kämpften und besonders den Polen. Den letzteren mehr als den ersteren. „Denn", so sagt Geiger wörtlich, „Griechenland war ihnen fern und fremd, hatten doch die Juden darin kaum eine Stätte, jedenfalls keine gastliche gefunden . . . . Aber Polen lag ihnen nahe. Mit diesem Lande verband sie nicht bloß die sagenhafte Geschichte des jüdischen Königs Simon Wahl, der eine Nacht lang die Krone getragen haben soll, sondern der Umstand, daß Millionen ihrer Glaubensgenossen in jenem Lande lebten, und trotz mancher Wechselfälle ein nicht übles Dasein geführt hatten". Daher sei es nicht verwunderlich, daß manche Juden, wie Moritz Hartmann, Moritz Veit und andere, Polenlieder gedichtet haben. Mit der Judengesetzgebung von 1812 sei durchaus nicht die tatsächliche Gleichberechtigung der Juden eingetreten. Davon zeuge die 1833 für die preußische Provinz Posen erlassene Judenordnung, in der die Juden von der Heerespflicht ausgenommen und lediglich „den dazu moralisch und körperlich geeigneten Juden gestattet wurde, innerhalb ihres militärpflichtigen Alters freiwillig in den Militärdienst zu treten." 1842 mußten sich die Berliner Juden an den Kriegsminister von Boyen

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