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Das jüdische Echo · 1915-12-03 · 48 (3.12.1915) · p. Seite 402

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
48 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
Seite 402 (sequence 6)
Language
German
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402 Das Jüdische Echo Nr. 48 gemeinen Erlaubnis des Ministerrats niederlassen, besitzen natürlich keine besondere Wohnrechtsbescheinigung und daher wird ihnen auch die Ausstellung einer Bescheinigung, daß sie Handel treiben dürfen, verweigert. Der Vorsitzende des Börsenkomitees in Nikolajew intervenierte in dieser Angelegenheit beim Finanzminister, der sie dem Ministerium des Innern zur Erledigung übergab. Dieses beschloß nun die Aufhebung des Gesetzes von 1898, so daß von den neueingewanderten Juden keine besondere Wohnrechtsbescheinigung verlangt werden soll, wenn sie die Erlaubnis, Handel zu treiben, fordern. Trotzdem ist eine ausdrückliche Erklärung des Ministeriums, die den Juden die Handelsberechtigung in den ihnen neu eröffneten Städten gewähren soll, trotz aller Versprechungen bisher nicht erschienen. Die französische Zensur und die russischen Judenverfolgungen. Aus einer Notiz des in Paris erscheinenden „Univers Israelite" vom 29. Okt. geht hervor, daß die französische Zensur jede Verbreitung der Nachrichten über die entsetzlichen Leiden der russischen Juden anläßlich ihrer Zwangsaustreibung aus den polnischen Gouvernements unterdrückt hat. Nicht weniger als vier Seiten der genannten Wochenschrift sind aus diesem Grunde der Zensur zum Opfer gefallen. Wilson für die Gleichberechtigung der Juden in Rußland und Rumänien. Wie den „Jüdischen Nachrichten" mitgeteilt wird, fand in Baltimore anläßlich der Gründungsfeier des großen jüdischen Ordens Bne-Berith eine Massenversammlung statt, in der der jüdische Politiker Simon Wulf aus Washington einen Brief des Präsidenten Wilson zur Kenntnis brachte, in dem dieser versichert, er werde in der Stunde des Friedens seinen ganzen Einfluß als Haupt der Vereinigten Staaten dafür einsetzen, daß die Juden Rußlands und Rumäniens Gleichberechtigung bekommen. In einem zweiten, ebenfalls von Herrn Wulf mitgeteilten Schreiben des Präsidenten gab dieser die Erklärung ab, er werde keinem neuen Handelsvertrag mit Rußland seine Zustimmung geben, bevor die Gleichberechtigung der Juden in diesem Lande durchgeführt ist. Die hebräische Sprache in Persien. Die hebräische Sprachbewegung gewinut nach einer Meldung der „Jüdischen Nachrichten" auch in Persien trotz der Ungunst der Umstände immer mehr Boden. Die in Teheran in persischer Sprache erscheinende jüdische Zeitschrift „Schalom" hat eine Serie von Artikeln veröffentlicht, in denen zur Gründung von hebräischen Sprachkursen aufgefordert wird. Die Anregung hatte einen bemerkenswerten Erfolg. Es sind bereits verschiedene Klubs gegründet worden, die es sich zur Aufgabe machen, ihre Mitglieder zum Gebrauche des Hebräischen als Umgangssprache zu erziehen. Es fehlt in Persien allerdings sehr an klassischer hebräischer Literatur. Feuilleton Mattathias Von Flavius Josephus. Um diese Zeit wohnte in Modiim, einem Dorfe Judaeas, ein Mann mit Namen Mattathias, ein Sohn des Joannes, des Sohnes Simeons, des Sohnes des Asamonaeus. Er war Priester nach der Ordnung des Joarib, stammte aus Jerusalem und hatte fünf Söhne, Joannes mit dem Beinamen Gaddes, Simon mit dem Beinamen Matthes, Judas mit dem Beinamen Makkabaeus, Eleazar mit dem Beinamen Auran, und Jonathas mit dem Beinamen Apphus. Dieser Mattathias bejammerte vor seinen Söhnen das Elend des Volkes, die Plünderung der Stadt, die Beraubung des Tempels und die Änderung der Verfassung und erklärte ihnen, es sei besser, für die Gesetze der Väter den Tod zu erleiden, als ein so schmähliches Leben zu führen. Als nun die Beamten, die vom Könige angestellt waren, um die Juden zur Befolgung seiner Befehle zu zwingen, auch nach Modiim kamen, um die Bewohner des Dorfes zur Darbringung der vom Könige angeordneten Opfer anhalten zu wollen, verlangten sie von Mattathias, der seiner Gelehrsamkeit wegen in hohem Ansehen stand, er solle mit den Opfern beginnen; seine Mitbürger würden sich dann nach ihm richten und er dem Könige besonders wohlgefällig werden. Mattathias aber weigerte sich dessen und erklärte, wenn auch andere Familien, sei es aus Furcht, sei es aus Kriecherei den Befehlen des Antiochus folgten, so werde er doch mit seinen Söhnen nie dahin zu bringen sein, daß sie dem Gotte ihrer Väter untreu würden. Kaum hatte er dies gesprochen, da trat ein Jude hervor und brachte das Opfer nach des Königs Vorschrift dar. Als Mattathias das sah, griff er mit seinen Söhnen zum Schwerte, tötete den Juden am Altar, machte den königlichen Beamten Apelles, der ihn dazu gezwungen, nebst einigen Soldaten nieder, stürzte den Altar um und rief aus: „Jeder, der noch für die Gebräuche unserer Väter und die Verehrung Gottes eifert, folge mir nach!" Darauf zog er mit seinen Söhnen unter Zurücklassung seiner ganzen Habe in die Wüste, wohin gleich ihm noch viele andere flohen und in Höhlen sich ansiedelten. Als dies die Heerführer des Königs vernahmen, riefen sie die ganze Besatzung der Burg zu Jerusalem unter die Waffen und setzten den Juden in die Wüste nach. Nachdem sie dieselben eingeholt hatten, versuchten sie zunächst ihnen zuzureden, sie sollten zur Einsicht kommen, auf ihren Vorteil bedacht sein und die Gegner nicht in die Notwendigkeit versetzen, nach Kriegsrecht mit ihnen zu verfahren. Die Juden aber achteten nicht auf ihre Vorstellungen, sondern beharrten bei ihrer Meinung. Hierüber erbittert griffen die Soldaten sie an einem Sabbat an und verbrannten sie in ihren Höhlen, ohne daß sie Widerstand geleistet oder auch nur die Eingänge versperrt hätten. Sie enthielten sich nämlich wegen des Feiertages jeder körperlichen Tätigkeit und wollten den Sabbat selbst in ihrer gefahrvollen Lage nicht entheiligen, da uns an diesem Tage die strengste Ruhe geboten ist. So wurden sie also samt Weib und Kind in den Höhlen erstickt, im ganzen gegen tausend Menschen. Doch gelang es auch vielen, zu entkommen; diese schlössen sich an Mattathias an und erwählten ihn zu ihrem Anführer. Mattathias belehrte sie nun zunächst, daß sie auch am Sabbat kämpfen müßten. Denn wenn sie auch in diesem Punkte so streng am Gesetz festhalten wollten, würden sie •sich selbst den größten Schaden zufügen, weil die reinde sie nun stets an dem Tage angreifen würden, an dem sie sich nicht wehren könnten, und aann müßten sie-alle samt und sonders ohne Verteidigung ihr Leben lassen. Das leuchtete ihnen ein, und so kommt es, daß noch bis heute bei uns die Sitte besteht, auch am Sabbat zu kämpfen, falls dies erforderlich ist. Mattathias sammelte

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