Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 48 (3.12.1915)
- Date
- 1915-12-03
- Page
- Seite 403 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 403 nun allmählich eine große Schar um sich, zerstörte die Altäre und ließ die Abtrünnigen, deren er habhaft werden konnte, umbringen. Viele nämlich hatten sich aus Furcht zu den umwohnenden Völkerschaften geflüchtet. Alle noch nicht beschnittenen Knaben ließ er sodann beschneiden und die Beamten des Königs verjagen. Fr hatte nur erst ein Jahr lang den Oberbefehl innegehabt, als er in eine Krankheit fiel. Da versammelte er seine Söhne um sich und sprach zu ihnen: „Ich muß nun, liebe Kinder, den Weg gehen, den wir alle betreten müssen. Ich lasse euch deshalb meinen Geist zurück und beschwöre euch, demselben nicht untreu zu werden, sondern den Willen eures Erzeugers und Ernährers im Andenken zu behalten, dem Gesetze eurer Väter treu zu bleiben und unsere bedrohte Verfassung zu retten. Laßt euch nicht von denen verleiten, die, sei es freiwillig, sei es gezwungen, dieselbe preisgegeben haben, sondern bleibt meiner wert und trotzt aller Gewalt und allem Zwange, indem ihr euch bereit zeigt, selbst den Tod zu erleiden, wenn dies nicht zu vermeiden ist. Bedenkt, daß Gott, wenn ihr m dieser Gesinnung verharrt, euch nicht verlassen, sondern euch eure verlorene Selbständigkeit und Freiheit wieder verleihen wird, damit ihr in Sicherheit nach euren eigenen Gebräuchen leben könnt. Sind auch eure Leiber sterblich und hinfä'lig, so wird doch das Andenken an eure Taten each Unsterblichkeit verschaffen. Im Hinblick darauf begeistert euch zu ruhmvollen Unternehmungen, scheut selbst vor dem Schwierigsten nicht zurück und gebt, wenn es notwendig ist, gern euer Leben dahin. Ganz besonders aber ermahne ich euch zur Eintracht: übe ein jeder von euch seine Tu? enden, ohne die Vorzüge des anderen zu verkennen! Euren Bruder Simon, der ein verständiger Mann ist, betrachtet als euren Vater und folgt seinem Rate. Den Makkabaeus aber wählt um seiner Tapferkeit und Stärke willen zu eurem Heerführer im Kriege. Denn er ist ein Mann, der die Schmach seines Volkes rächen und die Feinde züchtigen wird. Zum Schlüsse noch eins: Zieht alle gerechten und frommen Männer an euch heran; denn dadurch werdet ihr eure Macht verstärken." Darauf flehte Mattathias zu Gott, daß er seinen Söhnen beistehen und dem Volke seine Selbständigkeit wieder verleihen möge. Nicht lange danach verschied er und ward zu Modiim begraben. Das ganze Volk trauerte schmerzlich um ihn, und es folgte ihm im Oberbefehl sein Sohn Judas mit dem Beinamen der Makkabäer, im einhundertsechsundvierzigsten Jahre der Seleukidenherrschaft. Da dieser von seinen Brüdern und allen anderen bereitwillig unterstützt wurde, vertrieb er den Feind aus dem Lande, ließ diejenigen von seinen Landsleuten, welche die heimischen Gesetze übertreten hatten, hinrichten und reinigte das Land von jeglicher Befleckung. Literarisches Echo Leutnant Sender. Blätter der Erinnerung für seine Freunde. Aus seinen Feldpostbriefen zusammengestellt von Dr. M. Spanier. Verlag von M. Glogau jr., Hamburg. Bereits 16 Monate sind schon ins Land gezogen, seitdem dieser schreckliche Weltbrand tobt und es ist leicht erklärlich, daß ein solcher Kampf Helden zeitigt, wie sie normale Zeiten nicht zu zeigen vermag. Jud und Christ wetteifern darin, ihr Bestes für das Vaterland einzusetzen und die Zusammenstellung nach dem Kriege wird den Beweis erbringen, daß alle Söhne des Vaterlandes ohne Unterschied der Konfession Anteil an den ruhmreichen Erfolgen unserer Waffen hatten. Leutnant Gottfried Sender, dem die obenbezeichnete Schrift gewidmet ist, war es vergönnt zu der Rettungsmedaille, welche er im Frieden erworben, im Kriege unter Beförderung vom Gefreiten zum Leutnant sich das Eiserne Kreuz 1. und 2. Klasse zu erringen. Sein Lebensgang'sei hier kurz skizziert: Geboren 1882 als der Sohn eines Lehrers, besuchte er die heimatliche Volksschule und später das Lehrerseminar in Münster in Westfalen, wo er 1902 die erste Lehrerprüfung bestand. Von 1902 bis 1904 war er Lehrer der jüdischen Gemeinde in Werl, alsdann legte er die 2. Lehrerprüfung ab, genügte seiner Militärpflicht und wurde 1905 Lehrer am Lehrerseminar zu Münster. Als Seminarlehrer unterzog er sich mit Erfolg 1908 der Mittelschulprüfuhg in Mathematik und Naturwissenschaften, 1909 der Rektoratsprüfung; 1911 verließ er seine Stellung um sich für die Maturitätsprüfung vorzubereiten. Er bestand diese 1912 und erhielt die Stelle eines Lehrers der Naturwissenschaften und Mathematik an der jüdischen Lehrerbildungsanstalt in Berlin, wo er gleichzeitig philosophischen Studien an der Universität oblag. Im Herbst 1914 wollte er promovieren und während seiner Vorarbeiten brach der Krieg aus, der ihn als einen der ersten im Felde sah. Was er hier leistete zeigen seine Feldpostbriefe, welche ein Freund sammelte und vor kurzer Zeit der Öffentlichkeit übergab. Feldpostbriefe erscheinen ja in Zeitungen und Zeitschriften zur Genüge, allein selten werden wir wohl eine ganze Reihe solcher finden, die einen Einblick in das Dasein eines Mannes gaben, der in eine solche Heldengröße hineingewachsen. Möge die Schrift viele Leser finden; niemand wird sie unbefriedigt zur Seite legen. J. F „Blätter der Agudas Isroel Jugend- Organisatio n". 4. Blatt. September 1915. Frankfurt a. M. Gleich den vorigen Nummern bietet auch die vorliegende einige recht nette Aufsätze. Besonders der Artikel „Rausch Haschonoh" von Hermann S c h w a b-Halberstadt zeichnet sich durch schwungvolle Sprache und geistvolle Gedanken aus. Für die auf gesetzestreuem Boden stehende jüdische Jugend im Felde sind diese Blätter, deren vier bisher erschienen sind, sicher eine recht angenehme Lektüre, wenn auch manche Folgerung verschiedener Mitarbeiter an diesen Blättern der Logik entbehren dürfte. Die rauhe Wirklichkeit sieht oft ganz anders aus als; die in einer friedlichen Stadt im Druck erscheinenden noch so schönen von Idealismus triefenden Abhandlungen. b. 1. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Personalien: Der k. Professor Dr. Robert Davidsohn in München, bis zum Kriegsausbruch in Florenz, wurde als erster Jude am 20. November 1915 zum ordentlichen Mitglied der kgl. bayerischen Akademie der Wissenschaften durch S. M. den König ernannt und bestätigt.