Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 48 (3.12.1915)
- Date
- 1915-12-03
- Page
- Seite 401 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 401 anonymer italienischer Schriftsteller einen hebräischen Auszug aus einer wahrscheinlich lateinischen Übersetzung des Josephus unter dem Titel Josippon herstellte, in welchem auch die Geschichte der Makkabäerkriege erzählt wird. Der interessante' Inhalt, die fließende, überall in jüdischen Kreisen verstandene hebräische Sprache verschafften dem Buche große Beliebtheit und mit der allmählichen Entwicklung und Verbilligung des Buchdruckes eine ungewöhnliche Verbreitung. Für Frauen und die des Hebräischen Unkundigen wurde das Josippon sogar ins Jüdische übersetzt, und so fand dies Buch Verbreitung sogar in den untersten Schichten der jüdischen Bevölkerung. So wurde neben der Geschichte der jüdischen Kämpfe zurzeit des zweiten Tempels auch die Geschichte der Makkiabäerkriege allmählich mehr bekannt und auf diese Weise begann das jüdische Volk von den Ursachen und dem historischen Hintergrunde des Chanukahfestes allmählich zu ahnen. Trotz der Verbreitung des Josippon und der mit der Zeit immerhin populär gewordenen Namen der Makkabäer ist der eigentliche innere Zusammenhang des Chanukahfestes mit der Rolle, die die Makkabäer in jenen denkwürdigen Chanukahtagen gespielt hatten, in der breiten Masse des jüdischen Volkes nicht ganz klar geworden. Man ließ die Makkabäer — Makkabäer und Chanukah — Chanukah sein. Die Bedeutung der Ersteren für das Letztere wurden nicht genügend verstanden, cla Chanukah durch die im Laufe der vielen Jahrhunderte herrschende Auffassung sowie durch die Angabe des Talmud nicht anders als ein religiöses Tempelfest betrachtet werden konnte. Erst mit dem Aufschwung der jüdischen Wissenschaft sowie durch die eingehende Beschäftigung auf dem Gebiete der alten jüdischen Geschichte und Literatur durch jüdische Gelehrte begann die Kenntnis der Geschichte der Makkabäerkriege in weitere, jüdische Kreise zu dringen. Das in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts durch innere und äußere Ursachen entstandene Wiedererwachen des jüdischen Volkes zu nationalem Selbstbewußtsein, das Suchen nach eigenen nationalen Kulturwerten und eigenen Idealen in der eigenen nationalen Geschichte führte die jüdische Jugend in den Schoß ihres eigenen Volkes zurück, zeigte ihr den großen Werdegang, das Martyrium und die heldenhafte Größe der jüdischen Nation, ihre großen nationalen Vorkämpfer, an deren Spitze die unsterblichen Riesengestalten der Makkabäer stehen, deren Geist alljährlich in den am Chanukahfeste in jedem jüdischen Hause stolz und froh flackernden Öllampen als Symbol der Hoffnung und der lichtfrohen Zukunft des jüdischen Volkes stolz aufleuchtet. . . . Durch das Anstecken der Chanukahlampen beleben wir das Andenken und verkünden wie einst die frohe Hoffnung und Zuversicht der in unse- Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich. Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 (Hotel Königshof) ren Herzen noch immer lebenden Makkabäer . . . Chanukah wird wieder, wie in jenen denkwürdigen Tagen, ein Makkabäerfest, das alte Chag- Hachaschmonaim. Die modernen Kulturströmungen haben leider manche Bresche in die feste Mauer der jüdischen Religion gelegt und unserem religiösen Leben manche Wunde geschlagen. Ein massenhafter Abfall vieler Glieder des jüdischen Volkes drohte seinen schädlichen Einzug zu halten. Da kam der Frühling, das Erwachen des nationalen Selbstbewußtseins des jüdischen Volkes. Ein frischer, Leben bringender Wind durchwehte die scheinbar dürr gewordenen Äste, und neues, blühendes Laub bedeckte die uralten Stämme im jüdischen Walde. Wo am Sein des jüdischen Volkes das Attribut Religion zu verblassen begann, dort erwachte das nationale Zugehörigkeitsgefühl zum eigenen Stamme. In manchem längst unjüdischen, gänzlich assimilierten Hause, wo jüdische Sitte, Religion und jüdische Feste früher verbannt zu sein schienen, hielten nationale Sitten wieder ihren Einzug. Die am Sinai eingesetzten Feste, sowie das alte stolze Chasmonäerfest feiern in manchen den jüdischen Gebräuchen fremd gewordenen Häusern wieder ihre Auferstehung. An Stelle der Ostern und Pfingsten tritt wieder der alte Pesach und Schewuos, und wo früher der reich geschmückte Christbaum fremd und kalt geleuchtet, flammt warm und hell das Symbol der Makkabäer und des jüdischen Geistes — die Chanukahlampe. Wie einst vor 2000 Jahren leuchtet heute immer und immer wieder die Chanukahlampe im jüdischen Fenster. Wie damals ist sie auch heute das Symbol des hoffnungsvollen jüdischen Herzens, der frommen Zuversicht und des stolzen Nationalbewußtseins. Wie vor 2000 Jahren verkündet es auch heute wieder das Wiedererwachen und den Sieg der jüdischen Seele über feige und schmähliche Assimilation und Verrat am eigenen Volke. Die Chanukahlampen! Wie einst leuchten sie heute wieder auf. Sie flammen und zünden . . . . Sie leuchten heute nicht nur der Erinnerung an den einstigen neu eingeweihten Tempel und dem gefundenen, Wunder tuenden Ölkrüglein, sie leuchten auch dem Ruhme und den Hoffnungen der tapferen Makkabäersöhne. Chanukah ist wieder zum alten stolzen Chasmonäerfest geworden. Welt-Echo Fortdauernde Rechtsbeschränkungen der russischen Juden. Seit der jüdische Ansiedlungsrayon in Westrußland nicht mehr in russischer Hand ist, haben die russischen Juden durch einen Erlaß des Ministerrats zwar das Recht erhalten, in den Städten innerhalb des Ansiedlungsrayons zu wohnen, sie haben aber nicht ausdrücklich das Recht bekommen, in diesen Städten Handel zu treiben. Da in Rußland insbesondere den Juden gegenüber der Grundsatz gilt, daß alles, was nicht ausdrücklich erlaubt worden ist, als verboten zu gelten hat, werden den neueingewanderten Juden in den verschiedenen russischen Städten die größten Schwierigkeiten gemacht, wenn sie Gewerbe und Handel treiben wollen. Ein russisches Gesetz aus dem Jahre 1898 verlangt, daß ein Jude, der außerhalb des Ansiedlungsrayons eine Bescheinigung, daß er Handel treiben dürfe, bekommen will, eine spezielle Wohnrechtsbescheinigung beibringen muß. Die Juden, die sich in den ihnen bisher verschlossenen Städten auf Grund der all-