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Das jüdische Echo · 1915-12-03 · 48 (3.12.1915) · p. Seite 399

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
48 (3.12.1915)
Date
1915-12-03
Page
Seite 399 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 48 Das Jüdische Echo 399 Chasmonaeer-Fest und Chanukah (Eine historische Studie.) Von Dr. Samuel Rappaport, Lemberg. Vorbemerkung der Redaktion: Diese gründliche Abhandlung, die alles das wissenschaftlich zu begründen sucht, was im Herzen jedes Einzelnen von uns gerade in diesem Jahre zur Chanukahzeit als stille Ahnung aufzublühen beginnt, entnehmen wir dem Sammelbuch „Heimkeh r", das der Akademische Verein „Emunah" in Czernowitz 1912 herausgab. Wir sahen uns bei dem geringen Umfang unserer Zeitschrift leider genötigt, die Fußnoten und auch Textstellen zu streichen, ohne damit andeuten zu wollen, daß das Weggelassene weniger wichtig sei. Die anläßlich der Wechsel der Jahreszeiten gefeierten Naturfeste, die bei allen alten Völkern religiöse Farbe erhielten, bekamen in Anlehnung an historische Begebenheiten bei der jungen jüdischen Nation (nach ihrer Besitzergreifung des gelobten Landes) ein spezifisch nationales Gepräge, das natürlicherweise durch religiöse Formen und rituelle Vorschriften entsprechenden Ausdruck bekommen hat. So wurde aus dem Frühlingsfeste, dem Feste der Wiedergeburt und des Erwachens der Natur aus dem Winterschlafe, ein nationales Befreiungsfest. Aus dem ursprünglichen Chag hoowiw wurde ein „Seman cherusenu", ein Fest der Erinnerung an die Tage der Befreiung der jüdischen Nation von Sklaverei und Fremdherrschaft Aus dem Sommerfeste, dem Feste der Ährenblüte im Getreidefelde und der Erstlingsfrüchte im Fruchtgarten, aus dem alten „Chag habikurim" wurde ein „Seman mantan torosenu", ein Fest, an dem einst am Sinai die Freiheit der gesamten Nation als solcher, sowie des einzelnen jüdischen Individuums proklamiert, und zugleich die religiös-nationale, wirtschaftliche und staatlich militärische Organisation des jüdischen Volkes in seinem künftigen eigenen Leben öffentlich anerkannt und verkündet wurde. Aus dem seit altersher überall üblichen Erntefeste, dem „Chag hoosif", aus dem in den Herbstanfang; fallenden Feste, an dem bei dem Keltern der Weinreben und Dreschen des Getreides Winzer und Schnitter frohlockten, wurde im jungen Juda ein „Chag hasukos", ein Fest der Erinnerung an die unstete Wüstenwanderung mit den provisorischen Laubhütten. Ein wahres Freudenfest, an dem die Nation das Leben auf dem eigenen sicheren Boden, „unter eigener Weinrebe und eigenem Feigenbaume" feiern sollte. So wurden ursprünglich rein religiöse Naturfeste in rein nationale Feste — allerdings mit jüdisch-religiöser Form und Ausstattung — umgewandelt. Diese Feste behielten bis zum heutigen Tage, in religiös-zeremonielle Form gehüllt, einen spezifisch-nationalen Charakter. Es muß zugegeben werden, daß gleich allen nationalen Institutionen, die das Judentum in die Verbannung mitgenommen hatte, auch diese Feste im Laufe der zweitausendjährigen Wanderune eine immer mehr religiöse Färbung angenommen haben. Es war dies nur natürlich und wie konnte es denn anders sein? Das seines Vaterlandes und seiner eigenen staatlichen Organisation beraubte, jüdische Volk mußte eine Form zu seiner Erhaltung finden, ohne welches es unbedingt, unter den fremden Völkern verschwunden wäre. Und diese einzig mögliche Form konnte nur die jüdische Religion sein, die schon von Hause aus rein national war und im Golus der Ausdruck der jüdisch-nationalen Seele geworden ist. In Ermangelung eines eigenen staatlichen Gebildes konnte dem Juden im Golus nur seine Religion Mut und Kraft und Ausdauer geben. Als nationale Religion war sie'für den Juden im Golus ein Ersatz für den fehlenden Patriotismus, der für die Erhaltung des nationalen Seins eines Volkes doch unbedingt notwendig ist. Die zur Zeit des jüdischen Staates lau behandelte und seicht gewordene jüdische Religion mußte nach dessen Zerstörung weiter ausgebaut und gründlicher vertieft werden. Anders verhält es sich mit dem Chanukah-Feste. Im Gegensatze zu den anderen jüdischen Festen hat das Chanukah-Fest im Laufe der Zeit einen seinem ursprünglichen Wesen ganz verschiedenen Inhalt und Charakter bekommen. Aus einem fast weltlichen, kriegerischen Nationalfeste, aus einem Feste der Erinnerung an ruhmreiche Tage, an welchen die jüdische Nation mit eigener Kraft und eiserner Faust das Fremdenjoch abgeschüttelt und ihr Vaterland von Fremdenherrschaft befreit hatte, wurde ein rein religiöses Weihefest. Ein Gedenkfest an Tage, auf welche andere Völker stolz wären und durch prächtige Denkmäler und Lieder ihre kriegerisch ruhmreichen Helden unsterblich machen würden, wurde bei den Juden eine religiöse Zeremonie zur Erinnerung an die Wiedereinweihung des Tempelaltars und die Auffindung eines wunderlichen Ölkrügleins, als ob außerdem nichts Bedeutendes sich zugetragen hätte. Die historischen Urkunden, die der Nachwelt den Ruhm jener Tage verkünden sollten, wurden von der jüdischen Literatur ausgeschaltet und der Vergangenheit preisgegeben. Den eigentlichen Helden jener herrlichen Tage, den Makkabäern, wurde — augenscheinlich absichtlich — verhältnismäßig gar keine oder sehr wenig Beachtung geschenkt und dadurch ihre Bedeutung auf ein Minimum herabgedrückt. Die kriegerisch nationale Bedeutung dieser großen und ruhmreichen Tage wurde auf ein kleines, an sich unbedeutendes, religiöses Wunder reduziert. Die Kenntnis der Makkabäerkriege, dieser schönsten und ruhmreichsten Blätter unserer Geschichte, um die die ganze Welt uns beneidet, verdanken wir zum großen Teile Fremden, welche die diesbezüglichen Dokumente, teils die hebräischen Originale in griechischen Übersetzungen (erstes Makkabäerbuch und das Buch Judith), teils die griechischen Originale (die übrigen Makkabäerbücher) sorgfältig aufbewahrten, während bei uns die obigen hebräischen Urkunden vollständig vernichtet und die historische Bedeutung der Makkabäer fast zur Vergessenheit verurteilt wurde. Während in unserem Kanon der Makkabäer überhaupt keiner Erwähnung getan wird und der Talmud ihren Namen nur beiläufig an einigen Stellen streift, erfreuen sie sich seit jeher in christlichen Kreisen als Gotteskämpfer höchster Verehrung und wurden sogar von der katholischen Kirche heilig gesprochen... Wie ist diese Anomalie in der jüdischen Tradition zu erklären? Um diese merkwürdige Wandlung zu begreifen, muß man die Bedeutung resp. die Tragweite der Makkabäersiege und deren Nachwirkung auf die folgenden Begebenheiten näher ins Auge fassen. Der Sieg der Makkabäer, der die Abschüttelung der Fremdherrschaft zur Folge hatte, war nicht von langer Dauer und führte nicht die vollständige innere Ruhe und Gesundung des zerrütteten jüdi-

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