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Das jüdische Echo · 1915-11-19 · 46 (19.11.1915) · p. Seite 385

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
46 (19.11.1915)
Date
1915-11-19
Page
Seite 385 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 46 Das Jüdische Echo 385 zu verbrauchen. Einer dieser noblen „Intellektuellen" wurde in der Stadt Sch. bloß gestellt, als man im Jahre 1906 in einer Volksversammlung der Tatsache, daß dieser schwerreiche Mann von der „Korobka" 25 Rubel jährlich regelmäßig bezog, die andere Tatsache gegenüberstellte, daß der Herr nicht nur kein einziges Pfund jüdischen Fleisches kauft, sondern sich auf seinem Hofe ein förmliches Schlachthäuschen eingerichtet hat.. Freilich konnte dieser Ehrenmann nur erwidern, es stehe ihm nicht an, über Küchenangelegenheiten zu diskutieren! — Es ist also begreiflich, daß noch lange bevor die Kommunalfrage reif geworden war, die „Korobka"-Frage im Einzelnen eines der aktuellsten Probleme der Gemeinden war. Die „Korobka" war in früheren Jahren der Brennpunkt, welcher die demagogischen Gemeindeführer, diese abscheuliche Gesellschaft organisierte, die „Korobka" hat diesen Rädelsführern auch die geheimnisvolle Kraft zum Regieren verliehen. Von M e n d e 1 i- Mocher- Sforim („Die Taxe") und P e r e z bis in die neuere Zeit hinein wurde diese Einrichtung als der Sumpf der jüdischen Welt getadelt. In den letzten 10 Jahren ist man aber zur Erkenntnis gelangt, daß es sich auf diesem, wie auf allen Gebieten im russischen und jüdischen Leben, ums Ganze handelt und unter diesem Zeichen wird der Kampf gegen das alte Regime geführt. Welt-Echo „Jüdische Nachrichten". Zur Informierung der Tageszeitungen über Ereignisse, die die Lage der Juden betreffen, ist eine Nachrichtenstelle in Berlin organisiert worden, die vom 8. November an unter dem Titel „Jüdische Nachrichten" mindestens einmal wöchentlich ihre Mitteilungen an die Presse versenden wird. Ein großer Teil der Informationen bezieht sich auf die Zustände im Osten. Den „Jüdischen Nachrichten" stehen zuverlässige Informationen besonders über die Verhältnisse in Russisch-Polen, Galizien und Rußland zur Verfügung. Auch aus dem türkischen Orient werden verläßliche und die Allgemeinheit interessierende Berichte in Aussicht gestellt. Die jüdische Sprache in Rußland. Der Bürgermeister von Petersburg, Fürst Obolenski, hat die Juden S. Sokolowski, D. Sokolowski, Rawitsch und Eliassohn wegen Jidischsprechens auf den Straßen der Hauptstadt mit 200 Rubel oder 4 Monaten Gefängnis bestraft. Jüdische Flüchtlinge in Rußland. Die Moskauer jüdische Gemeinde erhielt aus Dünaburg die Benachrichtigung, daß 25 000 jüdische Flüchtlinge aus dieser Stadt auf dem Wege nach Moskau seien. Das Verbleiben in Moskau wird ihnen nicht gestattet werden, sondern sie werden in die weiter östlich liegenden Gouvernements abgeschoben. Nichtigkeitserklärung der Wahl eines Jüdischen Reichsratsmitgliedes. Wie die „Jüdischen Nachrichten" erfahren, steht die Nichtigkeitserklärung der Wahl des liberalen Politikers Weinstein zum Mitglied des russischen Reichsrats bevor. Die Wahl hatte Aufsehen erregt und war als ein Zeichen der neuen Ära gedeutet worden, weil Weinstein das erste jüdische Mitglied des Reichsrats gewesen wäre. Jetzt soll die Wahl aus eben diesem Grunde annulliert werden. Pogromliteratur in russischen Lazaretten. Ein Korrespondent der „Jüdischen Nachrichten" berichtet: Laut einer Meldung des „Rjetsch" verbot die russische Regierung die Verbreitung von Pogromliteratur in den Militärlazaretten, „um die Kranken nicht gegeneinander aufzuhetzen". Trotzdem haben nach wie vor die jüdischen Kranken und Verwundeten die schlimmsten Beschimpfungen seitens der Dienerschaft und ihrer „Kameraden" auszustehen. Vermögende Juden kommen um die Erlaubnis nach, sich außerhalb der Militärlazarette behandeln lassen zu dürfen, weil sie die Behandlung seitens der Krankenschwestern nicht mehr ertragen können Die jüdischen Kranken werden von diesen niemals mit ihrem richtigen Namen, sondern mit beleidigenden Spitznamen gerufen Dementi. Die „Jüdische Korrespondenz" in Wien berichtet in Nr. 10 vom 21. Oktober 1915 über eine Unterredung, betreffend das jüdische Schulwesen, zwischen dem Reichtagsabgeordneten Dr. J. Steinhaus und dem Referenten der Deutschen Zivilverwaltung, Reichtagsabgeordneten Dr. H a a s in Warschau. Dr. Haas sollte sich dahin geäußert haben, „daß der Jargon als Unterrichtssprache nur während eines Ubergangsstadium Geltung haben solle, d. h. bis die Schulkinder sich die polnische Sprache derart angeeignet hätten, daß sie den ganzen Untericht im Polnischen genießen könnten . . . Die Entscheidung in dieser Angelegnheit unterliege wohl der deutschen Reichsregierung resp. dem Oberkommando. Dr. Haas habe jedoch versprochen, diesen Standpunkt bei der Regierung aufs wärmste zu befürworten." Dr. Haas ermächtigt darauf hinzuweisen, daß die Behauptungen in der Veröffentlichung, soweit sie ihn betreffen, unrichtig sind. (Wir haben bereits in unserem Leitartikel in Nr. 44 hinter die Mitteilung der „Jüdischen KorrSipondenz", die ihre wahren assimilatorischen Absichten verbergen zu wollen scheint, ein Fragezeichen gestellt. D. R.) Ein österreichischer Generalstabschef über die polnische Judenfrage. In einer Unterredung mit einem Korrespondenten einer Petrikauer Zeitung über das Programm der Verwaltung in den von Österreich besetzten Gebieten Russisch-Polens äußerte sich Gouvernements - Generalstabschef Oberst H a u s n e r auch über die Judenfrage, bezüglich welcher er dem „Czas" vom 12. Okt. zufolge dieses sagte: „In unserem Verhältnis zu den Juden gelten dieselben Grundsätze wie in Österreich. Bekanntlich gibt es in Österreich keine jüdische Nationalität und wir kennen keine jüdische Absonderung. In Wirklichkeit geben wir den Juden volle Gleichberechtigung. Ihre Religion kann keine Ursache sein zur Ausschließung der Juden hinsichtlich der vollen bürgerlichen Gleichberechtigung. Eine jüdische Sprache kennen wir nicht. Der Jargon kann im öffentlichen Leben nicht in Rechnung gezogen werden. Mit Rücksicht auf die hiesigen Verhältnisse beließen wir die besonderen jüdischen Schulen, führen aber dort das Polnische obligat ein. Ebenso werden die jüdischen Matriken in polnischer Sprache geführt". (Wir bezweifeln die Richtigkeit dieser Nachricht. D. R.) Jüdischer Nationalfonds. Im Monat Oktober hat der Jüdische Nationalfonds 36 070 Mark an Spenden vereinnahmt. Diese Summe verteilt sich auf verschiedene Länder wie folgt: Österreich M. 14 596, Deutschland M. 8 508, Nordamerika M. 7 862, Rumänien M. 1 955, Holland M. 1 025, Rußland M. 509, England M. 464, Schweiz M. 399, Bulgarien M. 342, Schweden M. 233, Italien M. 142 und Frankreich M. 35.

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