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Das jüdische Echo · 1915-10-22 · 42 (22.10.1915) · p. Seite 354

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
42 (22.10.1915)
Date
1915-10-22
Page
Seite 354 (sequence 6)
Language
German
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354 Das Jüdische Echo Nr. 42 Juden für gleiche aber fremdnationale Ziele eintreten, dann soll dies — nach ihrer (der Assimilanten) Auffassung — schön, edel, rühmlich, nachahmens- und erstrebenswert sein. Warum sollen nun aber die gleichen Bestrebungen und Ziele der Juden für ihr jüdisches Volk, für ihre jüdische Nation, deren Schöße sie entstammen, nicht erstrebenswert sein, verhöhnt werden, oder den Spott herausfordern? Sollten aber die Herren Assimilanten gegen dieses Raisonnement, gegen diese „Insinuation" remonstrieren, weshalb schämen sie sich dann ihres Judentums, weshalb streiten sie gegen die historische Tatsache der Existenz des jüdischen Volkes, gegen die natürliche Anerkennung seines nationalen Charakters? Die Forderung nach gesetzlicher Anerkennung der jüdischen Nationalität ist eine verfassungsrechtliche, — weil im Art. XIX des österreichischen St. G. B. gewährleistet — begründete. Erst diese Anerkennung wird die verbriefte Gleichberechtigung der Juden zur Wahrheit machen und deren Gleichwertigkeit verwirklichen. Durch die nationale Emanzipation unseres Volkes werden aber auch die Juden, deren Staatsfreue und Patriotismus jederzeit und unter allen Umständen über alle Zweifel steht, zu den verläßlichsten Staatsbürgern. Die Treue zum eigenen Volke ist die festeste Bürgschaft für die Treue zum Staate, zur Dynastie! Welt-Echo Verbot der „Deutschvölkischen Blätter". Unter dem 29. September machten Schriftleitung und Verlag der „Deutschvölkischen Blätter" folgendes bekannt: „Unseren Lesern geben wir hierdurch die Mitteilung, daß das Erscheinen der „Deutschvölkischen Blätter" aus uns unbekannten Gründen (?) bis auf weiteres untersagt ist". Hohe Ordensauszeichnungen an jüdische Offiziere in Österreich. An jüdische Offiziere wurden in Österreich bisher 1 Ritterkreuz des Leopoldsordens (an den jüdischen Feldmarschalleutnant Adolf Kornhaber Ritter von Pilis), 12 Orden der Eisernen Krone 3. Klasse (darunter an den jüdischen Generalmajor Karl Schwarz), 1 Offizierskreuz des Franz Josefs-Ordens, 69 Ritterkreuze des Franz Josef-Ordens und eine vorläufig nicht feststellbare Zahl von Militäverdienstkreuzen 3. Klasse, Goldenen Verdienstkreuzen, Goldenen Verdienstkreuzen mit der Krone, Signa laudis, Goldenen und Silbernen Tapferkeitsmedaillen verliehen. Das jüdische Mitglied des russischen Reichsrats. Die Wahl des jüdischen Großkaufmanns und Politikers We i n s t e i n in den russischen Reichsrat hat in den judenfeindlichen Kreisen Rußlands große Aufregung hervorgerufen. Wie aus Petersburg gemeldet wird, wird in reaktioären Kreisen eine Protestkundgebung gegen diese Wahl vorbereitet. Man wird die Regierung auf einen Ukas von Nikolaus I. aufmerksam machen, demzufolge Personen jüdischer Konfession keine Mitglieder des Reichsrats sein dürfen. Die „Jüdische Volkszeitung", ein in Kopenhagen seit Kriegsbeginn in jidischer Sprache erscheinendes Tageblatt, stellte sein Erscheinen ein. „Jüdische Volksstimme" nennt sich die seit dem 5. Oktober in Kopenhagen wöchentlich zweimal erscheinende neue jidische Zeitung. „Das Jidische Wochenblatt", das eine Zeit lang sein Erscheinen eingestellt hatte, beginnt nunmehr wieder zu erscheinen. Das Blatt steht in seinem 5. Jahrgang. „Hamizpe", die bekannte hebräische Wochenschrift in Krakau, die nach Kriegsausbruch ihr Erscheinen einstellen mußte, hat am 22. September in Krakau unter der alten Redaktion wieder zu erscheinen begonnen. „Der Hammer", eine zionistische Halbmonatsschrift in jidischer Sprache, erscheint seit dem 9. September in Braila (Rumänien). Der Jüdische Nationalfonds im Kriege. Es ist von Interesse, daß selbst in den aufs Schwerste und unmittelbar vom Kriege heimgesuchten Gebieten die Sammelarbeit für den N.F. nicht völlig aufgehört hat. So wurde z. B. aus einer Festung in Russisch-Polen wenige Tage vor ihrer Eroberung durch die deutschen Truppen ein größerer Spendenbetrag an das Hauptbureau des Jüdischen Nationalfonds abgeschickt. — Die Lemberger N.F.¬ Kommission hat kurz vor dem Einfall der Russen alle in der Stadt verteilten Sammelbüchsen des Nationalfonds einziehen lassen und sie zur sicheren Aufbewahrung gegeben. — Nach wie vor fließen dem Nationalfonds namhafte Spenden aus den Schützengräben aller Fronten zu. — Die September - Eingänge des Jüdischen Nationalfonds beliefen sich auf 40 762 Mark. Zu dieser Spendensumme haben beigetragen: Nordamerika 17 307 Mark, Österreich 10 419 Mark, Deutschland 7273 Mark, Rumänien 1635 Mark, Südafrika 959 Mark, England 895 Mark, Argentinien 689 Mark, Holland 508 Mark, Südslawische Länder 422 Mark, Griechenland 403 Mark, Rußland 210 Mark und Dänemark 42 Mark. Feuilleton Warum Motclc nicht in den Glieder gehen will Nach dem Jüdisch-Deutschen des J. D i n e s o h n von Hugo Zuckermann. (Fortsetzung statt Schluß.) „Was heißt ,Sewach'?" fragte der Freund, um zu prüfen, ob Motele gut zugehört habe. „Ich weiß nicht," sagte Motele schüchtern, „ich bin ja noch klein." „Wenn du willst, kannst du dir's merken" meinte der Freund. ,Sewach' heißt Schächtung, denk daran ,Se\vach' — Schächtung." „Ich lern noch nicht „Churnesch", ich bin noch klein," wollte sich Motele verteidigen, weil er Angst hat, mit dem „Churnesch" in Berührung zu kommen. „Närrchen, warum solltest du dir das nicht merken? Sewach — Schächtung, sag' mir's nach: Sewach — Schächtung." „Sewach — Schächtung," spricht Motele nach. „Siehst du, wenn man will, kann man alles," macht ihm der Freund Mut. „Jetzt wiederhol' dirs hundertmal allein: Sewach — Schächtung, Sewach — Schächtung, Sewach — Schächtung usw. und wenn ich dann fragen werde: Sewach? dann antworte Schächtung. Dann bist du schon so groß wie wir, willst du?" „Ich will," sagte Motele. Nicht weil er's wirklich wollte, sondern nur dem Freunde zulieb, der sich solche Mühe gab.

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