Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 41 (15.10.1915)
- Date
- 1915-10-15
- Page
- Seite 347 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 347 Rebbe ihn schon unter die „Chumesch"-Knaben erhob. „Sagt auf," kommandiert der Rebbe den größeren, und zu Motele sagt er: „Hör' zu, es wird dir einmal zu gute kommen!" Und die Knaben beginnen zu übersetzen: „Sewach"? — und bleiben stecken bis der Rebbe die Übersetzung sagt. „Sewach — die Schächtung, Schelomim — a Schelomim, — Korbonau — sein Korben, Min — von, Haboker — die Rinder, Hu — er, Makriw — is er makriw, Im — ob, Sochor — a socher, Im — ob, Nekewo a nekewe, Tomim — a ganzer, ohn a mum (ohne Fehler), Jakriwenu — soll er ihm makriw sein — so übersetzte wörtlich3) der Rebbe. Motele hört zu, versteht aber kein Wort. „Chumesch", denkt er bei sich, ist fuchtbar schwer, da muß man schon ein großer Knabe sein, um das zu erlernen, und es wird ihm noch schwerer, noch trauriger zu Mute. Nach dem Unterricht, als der Rebbe ihn entließ, hat er sich traurig beiseite gesetzt. Da trat ein Freund auf ihn zu und sagte mit würdigem Lächeln: „Jetzt bist du schon groß, Motele, lernst schon „Chumesch", jetzt darfst du schon mit mir spielen." Motele schämte sich vor Freude, im Herzen wußte er, daß er noch kein Wort „Chumesch" könne. (Schluß folgt.) Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Person alnaohrichton, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Simckas-Tora-Abend des Vereins Bne-Jehuda, München. Samstag, 2. Oktober, fand im Rokokosaal des alten Hackerbräus anläßlich Simchas-Tora ein literarisch-musikalischer Abend des „Bne-Jehuda" statt. Die Veranstaltung stand ganz im Zeichen ostjüdischer Volkstümlichkeit. Scholem Alechem, Jechojosch, Schalom Asch, A. Goldfaden, das sind Namen, die jedem jüdischen Programm ein gediegenes Gepräge zu verleihen vermögen. Wenn dann noch hinzukommt, daß die Vortragenden sich ihrer Aufgabe mit Wärme und Innigkeit entledigen, dann entsteht, wonach wir in dieser schweren Zeit alle ein Bedürfnis haben: die harmonische Atmosphäre von Gehobenheit und Stimmung. — Den Glanzpunkt des Abends bildeten ohne Frage die wundervollen Rezitationen des Herrn Schauspielers Arnold Marie, eines ausgesprochenen Lieblings der hiesigen ostjüdischen Kolonie. Besondere Heiterkeit rief Scholem Alechems „Wenn ich Rothschild wäre" wegen seiner ungewollten Aktualität hervor. Auch die Deklamationen des Herrn Schriftstellers Josef Löwy machten starken Eindruck. Das von ihm selbst verfaßte „Lied eines jüd. Soldaten in Rußland" ließ keiner Mutter Auge trocken. Fraulein RechaMisch brachte einige Arien aus der jüdischen Oper „Sulamith" zu innigem Vortrag. Großen Beifall fanden die von einer Chorgruppe 3) Die Übersetzung der Worte aus dem hebräischen Original in den Jargon der Kinder, die hebräischen Worte sind mit großen Anfangsbuchstaben. Eine wörtliche Übersetzung ist unmöglich und wäre sinnstörend. Anm. des Ubersetzers. gesungenen jiddischen Volkslieder („G'wald'- sche, Brider", „Hob ich a por Oksen", „Bulwe"). Den Abend eröffnete Herr Sally Epstein mit einem Violinstück. — Der Reinertrag des Abends fließt dem Hilfskomitee für kriegsnotleidende Ostjuden zu. Fürth. Das Eiserne Kreuz erhielten: Unteroffizier Fritz Büchenbacher, Sohn des Fabrikanten Emil Büchenbacher, und Fritz Obermeyer, Unteroffizier einer leichten Munitionskolonne. Mellrichstadt. Die Familie unseres Synagogenvorstandes, Viehgroßhändler Rafael Neuberge r , wurde in tiefste Trauer versetzt. Am zweiten Tage des Rosch-haschonoh-Festes traf die Trauerkunde ein, daß der älteste Sohn im Alter von 23 Jahren auf dem östlichen Kriegsschauplatze den Heldentod erlitten habe. Die Anteilnahme ist allgemein. Gott schütze die vier anderen Söhne des Herrn Neuberger, die ebenfalls unter den Fahnen stehen. Mellrichstadt hat dem Vaterlande schon reichlich Blutopfer bringen müssen. V. München. Herrn Emanuel Lemmie, Sohn der Witwe Adelheid Lemmie, wurde das Verdienstkreuz 3. Klasse mit Schwertern verliehen. München. Verein Bne-Jehuda. Der Reinertrag des Simchas-Tora-Abends beträgt Mk. 100.12. Nürnberg. Den Militär - Verdienstorden 4. Kl. mit Schwertern erwarb sich der Stabsarzt Dr. David Grünbaum. — Das Eiserne Kreuz wegen hervorragender Tapferkeit vor dem Feinde hat erhalten: das Mitglied des Bayer. Sanitäts-Kraftfahr-Korps Alfred Hopf bei der Etappen-Sanitätskraftwagen-Abteilung der 6. Armee. Würzburg. Vorüber ist die Reihe der hohen Feste. Nicht ohne schmerzliche Erinnerung sollte der Jomtof scheiden. Ein Unglücksfall am Simchas-Tora-Tage versetzte die jüd. Gemeinde und besonders die „polnische Kolonie" in betrübende Aufregung. Herr Utiz, der so recht den Typus des eingewanderten Ostjuden verkörperte: einfach und anspruchslos, gefällig und freundlich, für eine Mizwoh stets zu haben, dabei einem guten „Gläschen" nicht abhold, war das Opfer. Die Mizwoh von Bikur cholim wollte er erfüllen, den in weitesten Kreisen bekannten Thoragelehrten, Herrn Prys, der seit einigen Tagen unwohl ist, besuchen; ein Fehltritt auf der Treppe brachte ihn zum Absturz. Der Arzt konstatierte einen Schädelbruch und Rettung war unmöglich. Gerüchtweise verlautet, daß die Staatsanwaltschaft die Angelegenheit noch näher untersuchen werde. Leid und Freud berühren sich. Wir haben Gelegenheit, zwei tapferen jüdischen Vaterlandsverteidigern unsere Glückwünsche zur militärischen Beförderung auszusprechen. Der Sohn unseres verdienten Kultusvorstandes, Justizrat Dr. Stern, Herr Rechtsanwalt Dr. B r u n o Stern, Offiziersstellvertreter und Ritter des Eisernen Kreuzes, dann Herr Selig, Sohn des vor einigen Jahren durch einen Unglücksfall so jäh aus dem Leben Cognac Macholl München den besten französischen Marken ebenbürtig — überall erhältlich. Eigene Verkaufsstelle: Karlsplatz 25 (Hotel Königshof)