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Das jüdische Echo · 1915-10-15 · 41 (15.10.1915) · p. Seite 345

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
41 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
Seite 345 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 41 Das Jüdische Echo 345 ges 1870 als Kriegsfreiwilliger in das bayerische Infanterie-Leibregiment ein. Hier zeichnete er sich verschiedentlich aus und erwarb sich auch das Eiserne Kreuz, zu dem er in diesem Kriege die silberne Spange erhielt. Er wählte den Offiziersberuf und wurde von König Ludwig II. im Jahre 1883 zum kgl. bayer. Leutnant ernannt. Nach mehreren Jahren wurde er Oberleutnant und Bataillonsadjutant. 1889 endlich erfolgte seine Ernennung zum kgl. Hauptmann und Kompagniechef der IL Kompagnie des 12. bayerischen Infanterie-Regiments in Neu-Ulm. Im Jahre 1895 ließ er sich zur Disposition stellen und lebte seither in München, woselbst er nach Jahren dann noch zum kgl. Major befördert wurde. Bei Ausbruch des Weltkrieges stellte sich Major Hollerbaum sofort zur Verfügung und wurde zum Bahnhofkommandanten in Passau ernannt. Bald darauf erfolgte seine Ernennung zum Kommandeur des II. bayerischen Landsturmbataillons Passau, als welcher er gegen Rußland ins Feld zog. Nun hat der Tod dem edlen Kämpen, der immer ein aufrechter Jude war, den Degen aus der Hand gewunden. Sein Name und sein Andenken wird nie vergessen werden. * * * Anschließend mag noch bemerkt werden, daß Major Hollerbaum nicht der einzige, aktive jüdische Offizier der bayerischen Armee war. Es gab und gibt noch eine Anzahl solcher. Nachstehend seien nur einige namentlich genannt: Der alte bayerische Kürassiergeneral Carl Ritter v. Obermayer, Major Isidor Marx (Vater) und Major Maximilian Marx (Sohn), die Majore Ortenau, Friedmann, Henle u. a. Außerdem gab und gibt es viele jüdische aktive Sanitätsoffiziere, Militärbeamte und auch untere Chargen. Möge der jetzige Krieg auch diese Wandlung mit sich bringen, daß er manchen jungen Juden, der sich dazu eignet, veranlassen möge, die militärische Laufbahn zu ergreifen. Ludwig L. Welt-Echo Die Verfolgung der russischen Juden. „Retsch" berichtet weiter: In der Interpellationskommission der Duma erklärte der Kadett Alexandrow im Hinblick auf die Vertreibung der Juden: Da sich als Grund für die militärischen Mißerfolge die Nachlässigkeit der Bureaukratie ergeben habe, sei es Wahnsinn, sechs Millionen guter jüdischer Bürger als die Alleinschuldigen hinzustellen. Mit Stimmenmehrheit wurde die Einkerkerung von russischen Juden als Geiseln als ungesetzliche und unmenschliche Handlung verurteilt. Aufsehen erregte die Mitteilung, daß an einigen Stellen Dankgottesdienste für die Entlarvung und Unschädlichmachung der jüdischen Verräter abgehalten wurden. Die Leiden der Juden in den russischen Lazaretten. „Retsch" meldet: Die Regierung hat die Verbreitung von Pogromliteratur der echtrussischen Leute in den Lazaretten verboten, um die Gemüter nicht gegeneinander aufzureizen. Die jüdischen Flüchtlinge müssen trotzdem in den Lazaretten die schlechteste Behandlung erleiden und Beschimpfungen und Mißhandlungen erdulden. Wohlhabende Juden baten um Entlassung aus dem Lazarett, weil die Behandlung unerträglich sei. Die Krankenpflegerinnen wenden für Juden nur Schimpfnamen und niemals den richtigen Namen an. Das Verbot des Jiddischsprechens in Rußland. Der Bürgermeister von Petersburg, Fürst Obolenski, hat die Juden: S. Sokolowski, D. Sokolowski, Rawitsch und Eliassohn wegen Jiddischsprechens auf den Straßen der Hauptstadt mit 200 Rubel oder 4 Monaten Gefängnis bestraft. Ein Prozeß gegen Georg Brandes. Der bekannte polnische Antisemitenhäuptling Andrei Niemojewski hat vor einem dänischen Gericht einen Prozeß gegen Georg Brandes wegen dessen bekannten Artikel über die Judenverfolgungen in Polen angestrengt. Zur Information über die Lage der jüdischen Bevölkerung in Polen, hat sich mit einem Geleitbrief der bayerischen Staatsregierung vor einigen Tagen eine Deputation der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" unter Führung des Kommerzienrats Sigmund Fränkel- München zum deutschen Generalgouvernement in Warschau begeben. Die Deputation will vor allem auch dem jüdischen Schulwesen in Polen, dessen Reorganisation bevorsteht, ihre Aufmerksamkeit zuwenden. Eine französische Liga zur Verteidigung der russischen Juden. In Frankreich hat sich eine Liga gebildet zur Verteidigung der unterdrückten Juden. Der Zweck der Liga ist, die Bevölkerung Frankreichs mit der furchtbaren Lage bekannt zu machen, in der sich die Juden in gewisen Ländern befinden. („Gewisse" Länder ist natürlich das Reich des russischen Bundesgenossen). Alliance-Israelite-Universelle, Zweigverein München. Der Vorstand hat beschlossen, der Generalversammlung die Auflösung des Vereins vorzuschlagen. Das Vereinsvermögen ist dem Münchener Hilfsfond zur Unterstützung der hier lebenden notleidenden osteuropäischen Juden gemäß Beschluß der Vorstandschaft überwiesen worden. Der Papst und die Juden. Die christlich-soziale Wiener „Reichspost" vom 26. September bringt unter dem Titel „Eine höfliche Ablehnung" folgende Nachricht: Kardinal-Staatssekretär Gaspari wurde von S. Mason, Herausgeber der „Jewish Daily News", von New - York angegangen, der Papst „möge bei seinen Friedensbestrebungen auch der Juden gedenken, welche in manchen Ländern noch immer verfolgt und ihrer bürgerlichen Rechte beraubt werden." Der päpstliche Delegat in Washington, Erzbischof Bonzano, hat darauf dem Herausgeber dieses Organs, der jüdischen Kultusgemeinde von New-York folgende Antwort übermittelt: „Der Heilige Vater hat gnädigst Notiz von dem Dukument genommen und mich beauftragt, Herrn Mason mitzuteilen, daß der Heilige Stuhl, wie immer geschehen, in Behandlung der Juden dem Gebote der Gerechtigkeit folgend diesen Weg beschreiten mag, sobald sich diese Gelegenheit bietet." In dieser sehr freundlichen und zustimmenden Antwort eine „höfliche Absage" zu sehen, ist eine Spitzfindigkeit, für die der antisemitische Jargon gewöhnlich die — von hervorrragender Ignoranz strotzende — Bezeichnung „talmudistisch" gebrauchen würde. Die „Reichspost" hat es wahrlich nötig päpstlicher als der Papst zu sein, dessen wiederholte Mahnrufe zum Frieden von einer alle Menschen ohne Ansehung des Glaubens umfassenden Liebe zeugen.

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