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Das jüdische Echo · 1915-10-15 · 41 (15.10.1915) · p. Seite 344

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
41 (15.10.1915)
Date
1915-10-15
Page
Seite 344 (sequence 4)
Language
German
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344 Das Jüdische Echo Nr. 41 zionistischen Hoffnungen sind mit der türkischen Entwicklung verknüpft. Dem Strom deutscher Weltpolitik bietet sich somit die Möglichkeit, die zionistische Welle aufzunehmen. Es ist gezeigt worden, daß es sich nicht um ein zufälliges Einwanderungsmaterial handelt, dessen Qualitäten sich einer Beurteilung entziehen, sondern daß die besten, von idealem Streben geleiteten Elemente des jüdischen Volkes; der Türkei zuzuströmen willens sind. Menschen, „die müde sind, mit Geschaffenem und Gemachtem abgefunden zu werden: sie wollen Geborenes, um mit ihm zu leben." Das im Zionismus lebende Streben kann durch dieses von Paul de Lagarde geprägte Wort gekennzeichnet werden. Die zionistische Bewegung befindet sich in ihren Anfängen, aber sie wächst schnell. Mit Hilfe des alten Orientvolks der Juden kann der deutsche Sprach- und Bildungseinfluß in der Türkei die erste Stelle erringen, der deutsche Wirtschaftseinfluß auf allen Gebieten gestärkt werden. Die deutsche Politik muß vom deutschen Standpunkt aus die Frage des Zionismus einer eingehenden Prüfung unterziehen, und diese Prüfung muß zu einer prinzipiellen Stellungnahme führen.*) Da es sich im Zionismus nicht um zusammenhangslose Einzelaktionen, die je nach Bedarf in den Dienst einer Macht gestellt werden können, handelt, sondern um eine Bewegung mit einheitlichen Grundlagen und feststehenden Zielen, genügt es nicht, dieser Bewegung gelegentlich in einzelnen Fällen Zeichen des Wohlwollens zu geben. Es ist erforderlich, über die allgemeinen Zusammenhänge Klarheit zu gewinnen und zu einer grundsätzlichen Feststellung über den Nutzen des Zionismus für die Zukunft des oitomanischen Reiches und für die deutsche Orientpolitik zu gelangen. Die Kenntnis des Zionismus gibt ferner der politischen Öffentlichkeit die Möglichkeit, von neuen Gesichtspunkten aus zur Judenfrage Stellung zu nehmen. Ein Aufruf des französischen Zentralkonsistorium Wir Israeliten, die wir während Jahrhunderten Opfer der Ungerechtigkeit und der Verbannung des Rechts gewesen sind, wir haben die Berufung mehr als alle anderen im Namen der ewigen, durch die Propheten verkündigten Gesetze die Vergewaltigung zu verurteilen, die unserem Lande zugefügt wird. Der gegenwärtige Krieg ist dem friedlichen Frankreich aufgezwungen worden. Um seinem demokratischen Ideal des Friedens und der Arbeit treu zu bleiben, hat es wiederholt Drohungen und Aufreizungen eines unversöhnlichen Gegners erfahren, der darauf ausging, es aus der Reihe der großen Nationen zu streichen. Brutal angegriffen, kämpft es heute für sein Dasein, seine Freiheit und die der Völker, die mit ihm verbunden sind. Israeliten der neutralen Länder! Könntet Ihr ohne Schmerz und Angst die Schmähung einer sittlichen Macht, deren Wohltaten Ihr erfahren habt, mitansehen? Ihr wißt es, daß wir den Umsturz der durch Jahrhunderte der Bedrückung hindurch gegen die Israeliten errichteten und aufrecht erhaltenen Scheidewände dem Frankreich des 18. Jahrhunderts schulden! Nach seinem Beispiel, unter den Ausstrahlungen seines Geistes haben die anderen Nationen nach und nach den Israeliten Menschen- und Bürgerrechte gewährt. *) Vgl. „Die politische Bedeutung des Zionismus", Das größere Deutschland 1915, Nr. 9. Die internationalen Gebräuche verbieten Euch, an seiner Verteidigung teilzunehmen Aber die Dankbarkeit, die Ihr Frankreich schuldet und die Ihr ihm sicherlich weihet, legt Euch die Pflicht auf, die Wahrheit über die Ursache, den Ursprung und Charakter dieses schrecklichen Krieges zu verbreiten gegen eigennützige Lügen zu protestieren, die Vergewaltigung der Kriegsgesetze mitzuteilen, die durch einen Gegner begangen werden, für welchen die Gewalt allein das Recht schafft und zer- Erinnert Euch, was das Jahr 1870 dem Judentum zugefügt hat. An die Stelle der Lehren von der Emanzipation und der Brüderlichkeit, welche die französische Revolution verbreitet hatte, versuchte das siegreiche Deutschland eine Lehre des Hasses und der Brutalität zu setzen. Seine Hochschulen arbeiteten im Namen einer verfälschten Wissenschaft eine Rassentheorie aus, die im Antisemitismus mündete. Der Deutsche als der authentische Erbe des arischen Blutes, sollte mit aller Kraft dessen Reinheit bewahren. Der Jude war der hundertjährige Eindringling, den man um jeden Preis ausschließen mußte. Von diesem Entstehungsherde aus verbreitete sich der Antisemitismus über die ganze Erde. Im Westen unterlag er. Im Osten glückte es ihm, zuerst sich einzuwurzeln, aber schon lassen überzeugende Symptome neue Zeiten sehen. Der Sieg der großen freiheitlichen Westmächte, die sich mit Rußland zur Verteidigung des Rechtes verbunden haben, wird sicherlich die Befreiung unserer Brüder in Rußland vollenden. Die französische Revolution hat die Juden des Westens befreit, der Sieg der Verbündeten wird die Juden des übrigen Europas befreien. Es wäre Wahnsinn ihre Befreiung von einem glücklicherweise unmöglichen Siege zu erwarten von den vereinigten Kräften der Bedrückung, des antisemitischen Pangermanismus und des preußischen Militarismus. Als Söhne des uralten Judentums erwarten wir mit Vertrauen den Triumph der Gerechtigkeit. Das Zentralkonsistorium der Israeliten Frankreichs. | Maximilian Hollerbaum [ Am 26. September starb, vom Feld zurückkehrend, nach schwerer Krankheit, ein sozial hochstehender, seinem ganzen Innern nach aber einfacher, bescheidener und gütiger Mensch, an dessen Tod die jüdische Presse nicht ohne Erwähnung vorbeigehen darf. Der Verstorbene hat sich jede Ehre und jedes Erwähnen seiner Person verbeten und sollen deshalb nur kurze biographische Zeilen nachstehend seiner gedenken. Mit Maximilian Hollerbaum ist einer der wenigen Berufsoffiziere, die der aktiven bayerischen Armee angehörten, ins Grab gesunken. Ein Mann, der von der Pike auf diente und der zeitlebens bewies, daß auch der Jude ein tüchtiger Berufsoffizier sein kann und den christlichen Kameraden in nichts nachsteht. Der Lebenslauf des Verstorbenen läßt sich in kurze Worte fassen. Major Hollerbaum wurde im Jahre 1850 zu München als Sohn eines jüdischen Kaufmannes geboren, genoß die übliche gute Schulbildung und trat bei Ausbruch des deutsch-französischen Krie-

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