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Das jüdische Echo · 1915-09-21 · 38 (21.9.1915) · p. Seite 322

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
38 (21.9.1915)
Date
1915-09-21
Page
Seite 322 (sequence 10)
Language
German
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322 Das Jüdische Eclio Nr. 38 ihre Kinder in die polnische Schule zu schicken, ohne jedoch dem Schulzwang zu unterliegen. Dagegen verlangen die Juden für sich nationaljüdische Schulen selbst, ohne von der Gnade der Polen abhängig zu sein. Diese wichtige Angelegenheit wird nun auch in der jüdischen Gemeinde sehr eifrig behandelt. Es ist zu erwarten, daß der Erfolg nicht ausbleibt. Die Zahl der evakuierten Juden in Rußland beläuft sich nach vorsichtigen Schätzungen Moskauer Blätter auf 1.200.000. Was tut man mit den Waggon-Juden? Die Verwaltung der russischen Süd-Wiest-Bahn bekommt in letzter Zeit eine Unmenge Anfragen von Stationschefs, was sie mit den Massen stehen gebliebener Waggons mit jüdischen Flüchtlingen machen sollen? Die Bahnverwaltung befahl, diese Waggons an Güterzüge zu hängen und sie nach größeren Städten zu transportieren. Auszeichnungen russischer Juden. Obgleich die russische Presse nach wie vor über Auftrag der Regierung die Auszeichnungen jüdischer Soldaten unterdrückt, erfährt man doch, daß die jüdischen Soldaten in der russischen Armee sich durch Tapferkeit auszeichnen. So erhielt der Direktor der Gesellschaft für drahtlose Telegraphie in Petersburg Simon Eisenstadt eine besondere Auszeichnung und wurde vom Zar zum Staatsrat ernannt, und zwar in Anerkennung seiner Verdienste um die Armee. Ferner erhielten der Militärarzt Dr. Schapira den Annenorden 3. Klasse, während der Freiwillige Gerson Blozkin wegen besonderer Tapferkeit, wie ausdrücklich hervorgehoben wird, schon die dritte Auszeichnung erhielt. Blozkin hat die letzte Auszeichnung dafür erhalten, daß er seinen Kommandanten unter Gefährdung des eigenen Lebens vom sicheren Tode errettet hat. In Petersburger Blättern war es zu lesen, daß ein jüdischer Arzt — den Namen desselben hat die Zensur bezeichnender Weise gestrichen — nicht weniger als fünf hohe Orden mit den Schwertern für sein heldenmütiges Verhalten auf dem Kriegsschauplatze erhalten hat. Überaus groß ist die Zahl solcher jüdischer Soldaten, welche mit dem Georgsorden ausgezeichnet wurden. (Österr. Wochenschrift.) Der Haltung der rumänischen Juden widmet das neugegründete Organ der konservativ-demokratischen Partei in Jassy „Gloria" einen Leitartikel, worin diese beschuldigt werden, in diesen historischen Augenblicken nicht an der Seite der Rumänen zu sein, nicht mit ihnen zu fühlen und nicht auf jener Höhe zu stehen, zu welcher sie moralisch verpflichtet gewesen wären. „Den Zentralmächten durch die Ähnlichkeit der Sprache, durch die wirtschaftlichen Beziehungen, durch den Einfluß der deutschen Kultur nahestehend •— so heißt es in dem erwähnten Artikel — voller Anerkennung für die Behandlung ihrer Glaubensgenossen in Österreich-Ungarn, einen langjährigen, maßlosen Haß gegen das Rußland der Pogrome empfindend, haben die rumänischen Juden sich von Anfang an die deutsche Sache mit einer Wärme und Leidenschaft zu eigen gemacht, die uns gegenüber wie eine Herausforderung aussieht. Und dies nicht individuell, sondern in kollektiver Weise, tfn einer Art ausgesprochener Solidarirung." (Jüd. Presse.) Roter Magen David. In Luzern wurde eine Gesellschaft dieses Namens gegründet, welche sich nach § 1 ihrer Satuten mit der jüdischen Seelsorge für jüdische Kriegsgefangene und Internierte beschäftigen will. Das Zentralkomitee, bestehend aus 7 Mitgliedern, soll nur aus Angehörigen neutraler Staaten bestehen und seinen Sitz in der Schweiz haben. Erfindung eines jüdischen Ingenieurs. Hermann Friedmann, leitender Ingenieur der Automobilabteilung der Raaber Waggonfabrik, im Feldzug gegen Serbien schwer verwundet, hat m seiner Genesungszeit ein tragbares, auf ein kleines Maß zusammenlegbares Krankenbett erfunden, von dem auf jedes Automobil je 2 Stück aufmontiert werden können. Die Heeresleitung hat diese Erfindung sofort für den Sanitätsdienst verwendet. Der Protektor des Roten Kreuzes, Erzherzog Franz Salvator, sprach dem Ingenieur seine Anerkennung aus. Zeitungs-Echo In der letzten Nummer der „Mitteilungen aus dem Verein zur Abwehr des Antisemitismus" schreibt Georg Gotbein, M. d. R., mit Bezug auf die antisemitische Verdächtigung der Reichsgetreidestelle: „Jeder Abgeordnete macht die Erfahrung, daß die ihm auch von vertrauenswürdigster Seite zugehenden Informationen, Beschwerden, Anklagen, recht häufig nicht einwandfrei sind. So erging es auch Herrn Pfleger. Zunächst stellte sich heraus, daß nicht — wie von ihm behauptet — rund 80% der als unentbehrlich reklamierten Beamten ider Kriegsgetreidegesellschaft felddiensttauglich waren, sondern von 624 männlichen Angestellten kriegsverwendungsfähig 171, von denen 3 gediente Leute, alle anderen ungedienter Landsturm waren. Von den oben Genannten werden 120 ratenweise an das Militär abgegeben, 51 bleiben, die kriegsverwendungsfähig sind, aber nicht entbehrt werden können, weil sie in leitenden Stellungen sind. Also keine 8% der Angestellten sind wirklich und dauernd reklamiert worden. Daß bei einem für ausgesprochene Kriegszwecke während des Krieges erst ins Leben gerufenen Unternehmen, das eine ohne jeden Vorgang dastehende Aufgabe zu lösen hat, nicht Knall und Fall alle landsturmpflichtigen Angestellten der Militärverwaltung überlassen werden können, ist einleuchtend. Ein alteingerichtetes, in Friedenszeiten getestetes Unternehmen kann das weit eher. Es ist aber auch ungleich wichtiger und die Arbeitskraft manches ihrer Angestellten wird für das Vaterland weit vorteilhafter ausgenutzt, wenn er sein Können und Wissen in den Dienst der Reichsgetreidestelle (bezw. ihrer Vorgängerin, der Kriegsgetreidegesellschaft) stellt, als wenn er als Landsturmmann irgendwo Wachdienst an einem Gefangenenlager oder Bahnübergang ausübt. Auch die Munitions- und Waffenfabriken, die Eisenbahn wie die Binnenschiffahrt u. a m. reklamieren Angestellte und Mannschaften, um ihren Betrieb aufrechtzuerhalten, und jeder verständige Mensch findet das ganz in Ordnung. Denn zum Durchhalten gehören nicht nur Soldaten, sondern auch die Sicherung unserer Ernährung wie unseres Wirtschaftslebens." Die Leser werden gebeten, die inserierenden Firmen bei Einkäufen in erster Linie zu berücksichtigen und dabei au! das „Jüdische Echo" Bezug zu nehmen.

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