Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 38 (21.9.1915)
- Date
- 1915-09-21
- Page
- Seite 316 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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316 Das Jüdische Echo Nr. 38 sehr lange Zeit dauernden Prozeß, und auf absehbare Zeit muß mit der Existenz der Juden als besonderer Gemeinschaft gerechnet werden. Das assimilatorische Ideal des gänzlichen Verschwindens ist somit weniger als praktische Forderung, denn als Ideenrichtung zu werten, so daß die Assimilation, da sie nicht zu einem Verschwinden der Juden führen kann, zunächst nur die Auflösung der starken sittlichen Mächte des Judentums erreicht. Der zionistische Wille zur eigenartigen Entwicklung im Gegensatz zum ruhmlosen Untergang fand seine feste Form in der durch die Assimilation in Vergessenheit geratenen Palästina-Hoffnung des jüdischen Volkes. Palästina mit Juden besiedeln und in diesen palästinensischen Juden der Judenheit der Welt einen allgemein anerkannten nationalen Mittelpunkt zu geben, schien der einzige Weg zur Erneuerung des Judentum zu sein. Die Palästina-Idee hat verschiedene Stadien der Umformung im Laufe der zionistischen Entwicklung durchgemacht. Als westliche Juden sich am Zionismus zu beteiligen begannen, entstand unter dem Eindruck einer Schrift Theodor Herzls die Forderung nach dem Judenstaat. Im Zionismus der östlichen Juden war die Staatsidee niemals mit den Palästina-Hoffnungen verknüpft gewesen, und die zionistische Organisation hat schon bei ihrer Gründung den Begriff des Judenstaates ihrem Programm nicht einverleibt. Auch von der Meinung, daß man von der türkischen Regierung ein Kolonisationsprivileg, einen sogenannten Charter, für Palästina erlangen müsse, ist man abgekommen. Im Zionismus ist die Anschauung zur Herrschaft gelangt, daß die Schaffung eines neuen jüdischen Lebens in Palästina in keiner Weise etwas mit politisch-separatistischen Forderungen zu tun haben dürfe. Je mehr der Zionismus ein inneres Persönlichkeitsproblem für den einzelnen Juden wurde, umso stärker wurde das Bewußtsein, daß es für die Erneuerung und Weiterentwicklung des gesamten Judentums ausschließlich auf die Schaffung einer zusammenhängenden jüdischen Siedlung in Palästina ankomme. Alles Große, was das Judentum geschaffen hatte, war in Palästina oder im Streben nach diesem Lande entstanden. Durch die Palästina-Idee konnten die durch die politischen Grenzen getrennten Juden der verschiedenen Länder wiederum zu einer bewußten Einheitlichkeit gelangen. Bei der Eigenart der jüdischen Beziehungen ist ein nationaler Mittelpunkt in Palästina geeignet und ausreichend, um der jüdischen Entwicklung in allen Ländern Schutz vor dem inneren Verfall zu geben. Die bisherige Entwicklung hat gezeigt, daß schon die Anfänge des jüdischen Lebens in Palästina von Juden aller Länder als eine neue Epoche der jüdischen Entwicklung begrüßt werden und daß heute das palästinensische Judentum als gebend und schöpferisch empfunden und anerkannt wird. Die für die nationale Kraft der jüdischen Siedlung beweiskräftigste Leistung ist die Wiedererweckung des Hebräischen zur lebendigen Umgangssprache. Das Hebräische war zwar niemals tot, wie es die nichtjüdische Öffentlichkeit im allgemeinen annimmt. Nur unter den deutschen Juden und den Juden anderer westeuropäischer Länder war seine Kenntnis fast völlig erloschen. Es handelt sich hier aber um zwei Millionen, denen mehr als zehn Millionen Juden gegenüberstehen, die in Rußland, Galizien, Ungarn, Rumänien, Amerika, der Türkei und in Nordafrika wohnen, unter denen die Kenntnis des Hebräischen sehr verbreitet geblieben ist. Das Hebräische wurde aber doch nur als heilige Sprache gepflegt und war daher seit Jahrhunderten ohne jede sprachliche Entwicklung. Wer hebräisch redete, war bedacht, ausschließlich in den Wendungen alter Schriftsteller zu sprechen und sich, wenn möglich nur biblischer Ausdrücke zu bedienen. Für die jüdischen Einwanderer Palästinas ist das Hebräische im Laufe Weniger Jahre zur Umgangs¬ und Verkehrssprache geworden. Der nationale Wille der sich Lehrer und Schulen schuf, hat es zuwege gebracht, daß die jetzt heranwachsende Generation im Hebraismus erzogen wird. Das Hebräische hat eine eigenartige Fortbildung erfahren. Die Tatsache, daß es zur Schaffung eines Neuhebräischen gekommen ist, beweist, daß es sich nicht um eine künstliche Schöpfung, sondern um einen natürlichen Prozeß handelt. Der Zionismus erwartet für die Zukunft des Judentums alles von dem natürlichen Leben einer in Palästina bodenständigen und mit der Scholle verknüpften jüdischen Bevölkerung. Es liegt nicht in den Absichten des Zionismus, das Unmögliche zu versuchen, alle Juden, oder auch nur die Mehrzahl derselben im Orient anzusiedeln. Wenn es gelingt, im Laufe der nächsten Jahrzehnte einige hunderttausend Juden in Palästina seßhaft zu machen und allmählich durch Einwanderung in andere türkische Provinzen einen erheblichen Teil des jüdischen Volkes zu kolonisieren und diese Julden durch die hebräische Sprache zu einer schöpferischen kulturellen Einheit zusammenzuschließen, so wird dadurch der gesamten Judenheit die Möglichkeit einer jüdischen Weiterentwicklung geschaffen. Schluß folgt. Die dritte Kriegsanleihe in Frage und Antwort. Wie stellen sich die Sparkassen zu der dritten Kriegsanleihe? Wer unter Vorzeigung des Sparkassenbuches seine Zeichnung bei der Sparkasse selbst anbringt, wird weitestes Entgegenkommen finden. Wegen der Kündigung, die im allgemeinen für Abhebung größerer Beträge vorgeschrieben ist, braucht man sich Sorgen nicht zu machen. Soweit nötig, sieht die Sparkasse von Innehaltung der Kündigungsfristen ab. Das Verfahren bei den Sparkassen, die für das Gelingen der Anleihezeichnungen mit dankenswerter Hingebung eingetreten sind, ist jetzt unter Vermeidung zeitraubender Umständlichkeiten auf das Einfachste geordnet. Muß man das Geld für die gezeichneten Beträge sogleich bereithalten? Nein! Es sind vier Einzahlungstermine festgesetzt, die sich auf die Zeit bis zum 22. Januar 1916 verteilen. Selbst die kleinen Zeichner, die bei früheren Anleihen sogleich voll bezahlen mußten, dürfen ihre Einzahlung diesen Terminen anpassen Wer aber in der Lage ist, alsbald zu bezahlen, wird dies tun, weil er schon vom Einzahlungstage — frühestens jedoch vom 30. Sepi Lei\ab ~ 5% Zinsen erzielt. Es ist dies in üurch 100 teilbaren Beträgen zulässig. Welches ist der kleinste Betrag, den man zeichnen darf? 9cMMrk, 100'~! Aber scllo». wer monatlich nur -5 Mark erübrigt, kann zur Zeichnung eines Betrages von Mark 100.— schreiten; denn erst im