Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 37 (17.9.1915)
- Date
- 1915-09-17
- Page
- Seite 310 (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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310 Das Jüdische Echo Nr. 37 nicht nur der Fachwelt, sondern all derer beanspruchen, die sich auf Grund der zahlreich fließenden Nachrichten in der Presse ein eigenes selbständiges Urteil bilden wollen. Besprochene Schriften sind zu beziehen von Ludwig Wertheimer, hebräische Buchhandlung, München, Westenriederstraße Alu Telephon 23 804. Feuilleton Jerusalemitanische Legenden Von Ludwig August Frankl. VI. Der leblose Lebendige. Der berühmte Kabbaiist Schalom Scherebi aus Jemen, der im Jahre 5525 nach Erschaffung der Welt Oberrabbi von Jerusalem war, saß eines Morgens in seiner Jesehibah, angetan mit weißem Ornate und darüber den weißen Talith mit grünen Streifen. Um den linken Arm und das Haupt trug er die Tephilim geschlungen. Sein Diener trat ein und meldete ihm, daß in der Mikweh, im Frauenbade, auf dem sogenannten Batrak in der Patriarchenstraße, nicht das vorschriftsmäßige Maß Wassers enthalten sei. Der fromme Rabbi stand von seinem Sitze auf und nahm sich nicht einmal Zeit Talith und Tephilim abzulegen und folgte seinem Diener, um die Mikweh zu untersuchen. Als sie zu dem Batrak kamen, stand da ein junger Mohammedaner, dem die grünen Streifen am Talith des Rabbi als eine Verhöhnung vorkamen, weil die grüne Farbe den Mohammedanern heilig ist, und nur die Abkömmlinge des Propheten grüne Turbanen tragen dürfen. Er zog den Dolch, den er im Gürtel trug, und zückte ihn gegen den Rabbi; aber seine Hand war plötzlich starr und konnte den Rabbi nicht erreichen. Der eilende Rabbi bemerkte die Absicht des jungen Moslem nicht, ging in das Bad, um es zu untersuchen, und als er es vorschriftsmäßig fand, ging er wieder, auf einem andern Wege in sein Haus zurück. Der junge Mohammedaner aber stand an der Stelle, wo er des Rabbi ansichtig wurde, fest gewurzelt und erstarrt; die Hand ausgestreckt, so wie er sie zum Todesstreiche erhoben hatte, und in ihr den blitzenden Dolch. Er war anzusehen wie eine Statue aus Stein, die mit bunten Farben bemalt ist. Die Leute, die vorüberkamen, konnten die fremdartige Erscheinung nicht begreifen, dann redeten sie dieselbe an, aber sie glotzte mit weit offenen Augen, die Lippen bewegten sich nicht zum Reden und doch konnte man merken, daß die Gestalt, wenn auch leblos, doch lebendig sei. Die Kunde von ihr durchdrang die ganze Stadt, die Bewohner eilten scharenweise herbei, und es entstand ein gar gewaltiger Tumult. Es kamen auch die Eltern, und sahen erschüttert ihren jungen Sohn, den sie bei seinem Namen, aber vergebens riefen. Er regte und bewegte sich nicht. Die Menge staunte, fragte, und konnte das, was sie sah, nicht begreifen; bis einer zu erzählen anfing, wie er den Jüngling den Dolch gegen den Oberrabbi habe zücken sehen; der Rabbi sei ruhig weiter gegangen, während der Jüngling erstarrt stehen blieb. Nun war die Sache allen klar, und man wußte mit einem Mal woran man sei und was man zu tun habe. Die Eltern eilten zum Oberrabbi, und fielen ihm zu Füßen, und baten ihn, ihren Sohn aus der Erstarrung zu erlösen. Jetzt erst erfuhr der-Rabbi, in welcher Gefahr er gewesen und wie ihn Gott der Heerscharen gerettet habe. Er weigerte sich aber den Jüngling zu retten; da versprachen die mohammedanischen Bewohner der Stadt, die alle den unglücklichen Eltern zum Hause des Rabbi gefolgt waren, daß keinem Juden fortan ein Haar gekrümmt werden dürfe. Der Rabbi hieß sie einen Eid schwören, daß sie die Juden nicht mehr verhöhnen und kränken würden, und sie schwuren ihn mit lauter Stimme. Der Rabbi ging jetzt, wo der versteinerte jiingling stand und sprach in Gegenwart der lautlos horchenden Menge zu der Menschenstatue: „Senke den Arm mit dem blitzenden Dolche." Der Jüngling ließ den Arm sinken. „Sieh mit den Augen." Und die Augen fingen an sich zu bewegen und weich zu glänzen. „Rede mit Deinem Munde." Und der Jüngling sprach: „Gelobt sei Allah, Mohammed ist sein Prophet und die Menschen alle sind seine Kinder." „Geh!" Und der Jüngling ging. Die Menge erhob ein Jubelgeschrei, und zwei Männer faßten den Rabbi, hoben ihn auf ihre Schultern, und trugen ihn, von der Bevclkeiung der ganzen Stadt begleitet nach seiner Behausung. Die Juden aber standen, so lange dieser Fromme lebte, im größten Ansehen und jeder fürchtete sich, sie durch Wort oder Tat zu beleidigen. Gemeindenu. Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnaohrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.) Personalien. Der Regierungsrat Dr. August Hausmann wurde zum k. Oberregierungsrat bei der Eisenbahndirektion Nürnberg befördert. Dr. H. ist ein Sohn des im Vorjahre verstorbenen k. Notars Dr. Jakob Ritter von Hausmann in München. Der gepr. Rechtspraktikant Dr. Max Steinberger wurde zum k. III. Staatsanwalt in München ernannt. Dem k. bayer. Major des aktiven Heeres und Bataillonskommandeur Maximilian Hollerbaum wurde vom König ein Patent seines Dienstgrades und der k. b. Militärverdienstorden 4. Klasse mit Krone und Schwertern verliehen. Dem k. bayer. Oberstabsarzt der Landwehr Dr. Siegfried Mankiewitz wurde ebenfalls der k. bayr. Mihtärverdienstorden 4. Klasse mit Krone und Schwertern verliehen. Der k. Hauptmann d. R. Siegfried Lismann wurde zum k. bayer. Major d. R. befördert. An das k. Oberlandesgericht in Zweibrücken wurde der k. bayer. Oberlandesgerichtsrat Bertold Adler aus Nürnberg versetzt. Der Langerichtsrat Moriz Silberschmidt wurde zum k. bayer. Oberlandesgerichtsrat in Nürnberg befördert. Der Landgerichtsrat Hermann Alexander wurde zum k. Oberlandesgerichtsrat in Frankenthal befordert. Der Oberveterinär d. R. Dr. Otto Kühn in Kaiserslautern wurde zum k. bayer. Stabsveterinär der Reserve befördert.