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Das jüdische Echo · 1915-09-17 · 37 (17.9.1915) · p. Seite 303

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
37 (17.9.1915)
Date
1915-09-17
Page
Seite 303 (sequence 3)
Language
German
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Nr. 37 Das Jüdische Echo 303 Rückhalt bieten könnte. Hierbei ist von Deutschland Förderung zu erhoffen, die nicht zu allerletzt in seinem eigenen wohlverstandenen Interesse liegt. Die Juden benötigen in Palästina nichts als das Recht der Niederlassung und des Bodenerwerbs, das kommen wird mit dem Verschwinden einer veralteten Gesetzgebung und dem Fall eines entwicklungsfeindlichen Steuersystems, gewisse Selbstverwaltungsrechte in Gemeinde und Kreis, also Zustände, deren Notwendigkeit in Deutschland z. B. nicht erst zu erweisen ist, aus Palästina aber eine blühende Provinz des türkischen Reiches machen würde — der Judenheit, Türkei und Deutschland zum gleichen Segen. Für diese Programmpunkte stößt man bei wohlwollender Beurteilung der jüdischen Lage in allen Lagern der deutschen Politik auf mitfühlendes Verständnis, wie eine große Reihe von Artikeln in der Tagespresse und in den bedeutenden Zeitschriften zeigen. So müßten sich denn auch in den drei gegebenen Richtungen die Aktionen bewegen, die eine allmähliche Lösung der Ostjudenfrage herbeiführen würden, unternommen von jüdischer und unterstützt von nichtjüdischer Seite. Ihnen könnte sich ein Kaiserlicher Geheimer Regierungsrat anschließen, wenn er ein Freund und nicht ein Feind der Juden wäre. Die dritte Kriegsanleihe in Frage und Antwort. An wen ergeht der Aufruf zur Zeichnung? An jeden Deutschen, der zu zeichnen imstande ist: an alle deutschen Männer, an alle deutschen Frauen, die bares Geld besitzen, die über Sparguthaben verfügen, die über Bankguthaben verfügen, auch an die, die zwar nicht über Geld und Guthaben verfügen, die aber Wertpapiere besitzen und sich durch deren Verpfändung Geld oder Guthaben verschaffen können. Bedarf es nach den so glänzenden Erfolgen der ersten Kriegsanleihen überhaupt noch des Aufrufs, der Aufklärung oder des Hinweises auf die Pflicht zur Zeichnung? Die hingebende Begeisterung, mit der bei den ersten beiden Anleihen 4'h> Millionen von Zeichnern nicht weniger als 14 Milliarden Mark aufbrachten, war eine Tat des Deutschen Volkes und wirkte wie ein Sieg, doch gibt es noch Leute, die abseits geblieben sind: 1. Solche, denen Geldmittel, oft sogar recht reichliche Geldmittel, zur Verfügung standen, die aber aus diesem oder jenem Grunde eine andere Kapitalsanlage suchten. Es mag dies in einzelnen Fällen gerechtfertigt, manchmal sogar notwendig gewesen sein. Unter dem Gesichtspunkt aber, daß zurzeit das erste Anrecht auf verfügbares Geld dem Vaterlande zusteht, wird doch jeder ernsthaft sich zu fragen haben, ob er mit seinen Gründen vor Pflicht und Gewissen bestehen kann. Wo die Gründe in Erzielung von Spekulationsgewinnen liegen, würde schon ein normales Gewissen ein entschiedenes Nein zu sagen haben. . , 2. Viele meinen auch: Auf uns kann leicht verzichtet werden. Auf unsere Groschen kommt es nicht an! Ihnen sei gesagt, daß die kleinen Zeichner bei den ersten Anleihen VI2 Milliarden erbracht haben. Wenn jeder seine Schuldigkeit täte, würde sich diese gewiß beachtenswerte Summe noch beträchtlich erhöhen. Und gerade die kleinen Zeichner leisten besonderen Dienst! Ihre Massenzeichnungen geben den Feinden zu denken und legen Zeugnis ab von dem hingebenden und einheitlichen Willen aller Schichten des Volkes. Das ganze Deutschland soll es sein! 3. Eine dritte Klasse hat vielleicht den Willen, kommt aber nicht zum Vollbringen. Man stolpert über kleine Schwierigkeiten, z. B. den Entschluß, zur Darlehenskasse zu gehen, um dort die Verpfändung der Wertpapiere vorzunehmen. Manche stört es auch, daß sie mit dem Geschäftsgange der Darlehenskasse nicht recht Bescheid wissen und Ernstere meinen überdies: Borgen macht Sorgen. Von Kindheit auf sind wir vor den Borgern gewarnt worden. Die Beteiligung derjenigen, die sich das zur Zeichnung erforderliche Geld durch Verpfändung erst beschaffen müssen, ist von größter Wichtigkeit. Denn lediglich durch Zeichner, die gerade Bargeld flüssig haben, lassen sich Milliardenbeträge nicht erbringen. Im Frieden verkauft man Wertpapiere, um sich für Anleihezeichnungen Geld zu beschaffen. In Kriegszeiten ist ein Verkauf ausgeschlossen. Hier treten die Darlehenskassen ein und helfen dem Mangel ab. Die Entnahme der Vorschüsse bei den Darlehenskassen tritt an Stelle des Verkaufs von Wertpapieren. Ein Borggeschäft, vor dem zu warnen wäre, liegt nicht vor. Man borgt, abgesehen von dem eigenen Vorteil, der im Erwerb der hochverzinslichen Anleihe liegt, zur Förderung des vaterländischen Erfolges und tut damit nicht viel mehr als seine Pflicht und Schuldigkeit. Freilich empfiehlt sich dieses Borgen bei den Darlehenskassen im allgemeinen nur, wo und soweit der Borger sich sagen kann, daß er das Darlehen aus seinen sonstigen Einnahmen in absehbarer Zeit wird abstoßen können. Der Geschäftsgang der Darlehenskasse ist klar und durchsichtig. In den meisten Fällen brauchen die Zeichner keinen Finger zu rühren. Ihr Bankier besorgt kostenlos alles. Im übrigen sendet die Reichsbank oder die Königliche Seehandlung (Preußische Staatsbank) auf Erfordern bereitwilligst ein Flugblatt: „Wie helfen uns bei der Zeichnung auf die Kriegsanleihe die Darlehenskassen?", aus der mühelos vollständige Klarheit gewonnen werden kann. Was hat es mit der Opferfreudigkeit der Zeichner für eine Bewandtnis? Wenn sich unter dem Gedanken der Opferfreudigkeit recht viele zur Zeichnung entschließen, so hat dies sein Gutes. Unter uns gesagt aber, kann von Opferfreudigkeit wohl nur die Rede sein, wenn wirklich Opfer in Frage stehen. Und wo liegt ein Opfer, wenn dem Zeichner ein Papier angeboten wird, das ihm statt geringerer Zinsen mehr als 5% erbringt, das außerdem berechtigte Aussicht auf Kursgewinn eröffnet und neben diesen Vorzügen die denkbar größte Sicherheit gewährt? Empfiehlt es sich, Schuldbuchforderungen zu zeichnen, oder aber Anleihe-Stücke? Schuldbuchforderungen sind sehr beliebt. Entfallen doch von den 14 Milliarden der beiden ersten Kriegsanleihen nicht weniger als rund 3 Milliarden auf Schuldbuchforderungen. Der Anteil würde noch um vieles größer sein, wenn die Vorteile bekannter wären, die die Eintragung in das

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