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Das jüdische Echo · 1915-09-17 · 37 (17.9.1915) · p. Seite 302

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
37 (17.9.1915)
Date
1915-09-17
Page
Seite 302 (sequence 2)
Language
German
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ÖÜ2 Das Jüdische Echo Nr. b7 Ägypten waren schon vor Jahrtausenden (!) Hauptsitze des Judentums, von dort aus verbreiteten sie sich ostwärts über Kleinasien nach Südosteuropa und nahmen nachweisbar mongolisches Blut in sich auf: im 8. Jahrhundert n. Chr. trat ein ganzer Tartarenstamrn, die Kasaren, zum jüdischen Glauben über. Aus dieser Verbindung entstanden die Aschkenasim, die heutigen Ostjuden, die ein vorwiegend mongolisches Äußere haben, mit vorstehenden Backenknochen, stumpfen Nasen (bisher war die jüdische Nase gebogen, jetzt ist sie stumpf.), kleiner gedrungener Gestalt, oft blonden Haaren (in antisemitischer Beleuchtung waren wir sonst immer schwarzhaarig) und kleinen blauen Augen. Sie sind zu 61 Prozent breitköpfig. Durch die vor den Verfolgungen flüchtenden Juden erhielten sie im 12. und 13. Jahrhundert Zuzug aus Deutschland und nahmen die jiddisch-deutsche Mundart an, die seitdem ihre Verkehrssprache im ganzen Osten ist." Herr Geheimer Regierungsrat Georg Fritz begegnet uns zum erstenmal als Rassenforscher. Die Legitimation für ernst genommen zu werden, hat er mit dem obigen Absatz nicht erbracht. Was schadet es aber, wenn die voraussetzungslosen Fachgenossen seine Wissenschaft lächerlich finden werden. Hauptsache, daß sich im Volk, in der Politik, die nicht oft von objektiven Erkenntnissen ausgeht, die Ansicht von der Inferiorität der jüdischen Mongolen Eingang verschafft, von denen nur eine Gefahr für Deutschlands Kulturstand zu gewärtigen sei. Wie man aber sieht, hat die jüdisch-deutsche Mundart unseren Freund doch etwas aus dem Konzept gebracht. Die verjudeten Mongolen nahmen sie einfach an. Warum auch nicht? Was braucht der Herr Regierungsrat von der Größe der Auswanderung deutscher Juden ins Königreich Polen zurzeit der Kreuzzüge wissen, von der seltenen Treue, mit der die Juden aller Himmelsstriche Sprache und Tracht bewahren. Die Kaltblütigkeit, mit der er über die Judenfrage schreibt, ohne über sie rechten Bescheid zu wissen, ist wahrlich groß. Sie kommt von dem völlig uninteressierten oder von ungünstigen Stimmungen erzeugten Gefühlen, die er für sie übrig hat. Sich solche Blößen zu geben, hätte der hohe Regierungsbeamte nicht nötig gehabt. Statt seinen Antisemitismus schlecht zu verbrämen, hätte er einfach aus seiner Abneigung gegen die Juden kein Hehl machen sollen. Er ist ja nicht der erste Antisemit und sein Vorschlag, die Grenze gegen jüdischen Zustrom abzusperren, ebensowenig originell. Aber freilich! Für einen unverblümten Antisemitismus, zumal wenn er sich auch gegen die Juden des österreichischen Kronlandes Galizien richtet, ist die Zeit nicht sehr geeignet. Denn er widerstrebt in seiner Nacktheit dem Anstandsgefühl jedes rechtschaffenen Deutschen: es kann nicht geleugnet werden, daß sich die Judenschaft Deutschlands und Österreich-Ungarns, das auch eine erkleckliche Zahl dieser jüdischen Mongolen beherbergt, tadellos gehalten hat, und man ist von den unerhörten Leiden der russischen und galizischen Juden unterrichtet, denen Neigung für Deutschland zur Last gelegt wurde und eine feindselige Gesinnung auch nicht nachgesagt werden kann. Schließlich existiert auch ein Aufruf der verbündeten Armeeleitungen, der ihnen Errettung und Befreiung verspricht. Und gerade die Heere Deutschlands und der Donaumonarchie haben den Wert des jüdischen Bevölkerungselementes kennen gelernt. Also ist mindestens die Beantwortung der Frage zu erwägen, was weiter und wohin mit den Ostjuden, die von Deutschland fern gehalten werden sollen. Von diesem Dilemma, mit dem der Verfasser ringt, stammt sein flüchtiges Spielen mit dem Zionismus. Er hat für ihn ein paar freundliche Bemerkungen, aber keine Kritik, demnach auch keine ernsthafte Prüfung. Vor allem findet sich kein Wort von den Pflichten, die Deutschlands Teilnahme an der Lösung der Ostjudenfrage hat, auf Grund deren Realität es doch in Polen und Amerika aus dem Schweigen heraustrat, kein Wort von den Vorteilen, die Deutschland im Orient aus der Förderung der zionistischen Bestrebungen erwüchsen. Dagegen — der Nachweis von der Minderwertigkeit des mongolischen Judentums. Der Zionismus wird jeden, der aus Haß oder Verachtung gegen die Juden sich als Freund der Bewegung zu erkennen gibt, stolz zurückweisen. Das werden wohl auch die jüdischen Gegner des Zionismus tun, denen sich der Verfasser als Bundesgenosse anbiedert, indem er, ihnen schmeichelnd, zugesteht, es verbinde sie mit den Ostjuden nichts außer der Religion. Sie werden bei der Einsichtnahme in die Schrift finden, daß Herrn Fritz nur ein Platz anzuweisen sei, der neben Herrn Fritz — sehe. q Selbst unter den gleichgültigsten Assimilationsjuden, werden sich, soweit sie noch Gewicht auf das Bestimmungswort legen, wenige finden, die so ehrlos sind, in der vorgeschlagenen Art die Pflichten von sich zu weisen, die an sie aus der gar nicht anzuzweifelnden Bluts gemeinschaft mit den Ostjuden herantreten. Wer von uns sich mit der großen, heute so unsäglich leidenden Masse des jüdischen Volkes innig verbunden fühlt, heraus aus dem Solidaritätsgefühl der Stamm- oder Glaubensgemeinschaft, dem stellen sich die kommenden Aufgaben zur Lösung der Ostjudenfrage, auf die knappeste Formel gebracht, etwa folgendermaßen dar: 1. In Polen. Vollkommene Sicherung der Entwicklungs- und Bewegungsfreiheit der Juden im künftigen Polen durch Gleichstellung vor dem Gesetz, durch gleiches aktives und passives Wahlrecht für alle Körperschaften, nach gerechter Wahlkreiseinteilung; keine Beschränkung für die Anstellung im Staatsorganismus; Selbständigkeit in national-kultureller Beziehung mit entsprechendem Steuerrecht für Kultuseinrichtungen und Erziehung. 2. In Deutschland und Österreich- Ungarn. Vollständige Freizügigkeit zur Minderung des ungeheueren wirtschaftlichen Druckes nach Deutschland und Österreich-Ungarn. Nach diesen Staaten, wenn nötig, mit Vor beugungsmaßregeln gegen regellose Masseneinwanderung, bestehend in einer großzügig organisierten Arbeitsvermittlung, in staatlicher Förderung von Lehrwerkstätten zur Heranbildung gelernter Arbeiter für verschiedene deutsche Industrien, die genügsames und intelligentes Arbeitermaterial sehr gut brauchen könnten (vgl. amerikanische Vorbilder und die schon jetzt in kleinem Maßstabe stattfindende Verwendung in der Kürschnerei). 3. Im Orient: womit wir den letzten und wesentlichsten Punkt erreicht haben. Die Aussicht auf eine radikale Änderung in der Lage der jüdischen Massen erwarten wir nur von der Schaffung einer geschlossenen nationalen Siedelung in Palästina, die einer immer steigenden Anzahl von Juden Existenz, allen Juden der Welt

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