Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 37 (17.9.1915)
- Date
- 1915-09-17
- Page
- [Seite] (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Das Jüdische Echo Bayerische Blätter für die jüdischen Angelegenheiten Erscheinungszeit: Jeden Freitag. Bezug: Durch die Postanstalten oder den Verlag. — Bezugspreis: Viertel]. M. 1.— Halbj. M. 2.—, Qanzj. M. 4.—, Einzelnummer 10 Pf. — V e r 1 a g „des Jüdischen Echos" : München, Herzog Maxstr.4. — Redaktion: Norbert Weldler,München-Solln, Erikastraße 6. Anzeigen: Die viergespaltene Nonpareille - Zeile oder deren Raum 25 Pf. — Bei Wiederholungen Rabatt.— Dieselbe für kleine Anzeigen 15 Pf. — Anzeigenannahme: Verlag „des Jüdischen Echos", München, Herzog Maxstraße 4. Fernsprecher: 8099. Postscheckkonto: München 3987. 17. September 1915 München / 2. Jahrgang Nummer 37 1915 Wochcnkalendcr (5676) ljnn Sept. Tischri "Htm USD D"P Gottesd.: Samstag 18 10 Morgens Hauptsyn. 6 — Herzog Rud.-Str. 7— Sabbath-Äusgang 7 - Sonntag 19 n Montag 20 12 Dienstag 21 13 Mittwoch 22 14 Festeseingang: 6 — HDD Morgens: Hauptsynagoge 8— Herzog Rud.-Str. 7'/4 Donnerstag 23 15 Freitag 24 16 Sabbath-Eing.: Haupt - Synagoge 5:,/4 Herzog Rud.-Str. 53/4 Illhaltl Jakob Koppel: „Die Ostjudenfrage".— ' Prof. Leon Kellner: David Wolffsohn. — Isaac Jacob Reines. — L. A. Frankl: Jerusalemitanische Legenden VI. — Welt-, Zeitungs-, Literarisches Echo usw. „Die Ostjudenfrage" wie sie sich im Kopfe eines Kaiserl. Geh. Regierungsrats spiegelt. Von Jakob Koppel. Mit der Broschüre: „Die Ostjudenfrage, Zionismus und Grenzschluß. Von Georg Fritz, Kaiserl. Geh. Regierungsrat" (J. F. Lehmanns Verlag, München, 1915, 8°. 48 S. Mk. 1.—) gelangen wir zu einem Stoff, der nicht nur die deutsche Judenschaft im Lauf der nächsten Jahre nach allen Seiten hin zu lebhafter Beschäftigung zwingen wird. Wir wollen ausdrücklich bemerken, daß die Redaktion sich mit der Stellungnahme des Verfassers dieser Anzeige zu der Ostjudenfrage selbst und zu der Schrift des Regierungsrats Fritz nicht identifiziert. Dem Zionismus ist ein neuer Freund erstanden: in einem Kaiserlichen Geheimen Regierungsrat. Aber was für einer! Wie die Neigung beschaffen sein mag, kann man sich schon in dem Augenblicke vorstellen, wo man auf der Umschlagseite der jüngst erschienenen Broschüre unmittelbar unter dem Titel „Die Ostjudenfrage", die disharmonischen Worte: Zionismus — Grenzschluß prangen sieht. Kein Wunder, daß wir begierig zuhören, was der Verfasser will, rasch nach dessen Schrift greifen. Man liest mit zunehmendem Staunen, um an einem schnell erreichten Punkte wünschen zu müssen, in jedem Betracht vor solchen Freunden, zu denen man diesen zählt, bewahrt zu bleiben. Denn ob der Herr Geheimrat irgendeine andere noch so geringfügige Materie, die ihm etwa in seinen Amtsgeschäften unterläuft, mit der gleichen Kürze und Oberflächlichkeit behandeln würde, ist uns mehr als zweifelhaft. Auf seinen 48 Seiten glaubt er nicht nur die Judenfrage, sondern auch das deutsche Wirtschaftsproblem, die Aufgabe der deutschen Weltpolitik und nebenbei noch einiges andere „erledigen" zu können. Zitate aus einer Reihe einschlägiger Schriften und Aufsätze sollen zu dem Beweis dienen, daß der Verfasser die Judenfrage kenne, und wenn er in einigen Sätzen für den Zionismus eintritt, so geschieht dies für jeden aufmerksamen Leser offenkundig nur, um einen starken Antisemitismus zu verbergen. Die Anführungen aus der jüdisch-politischen Literatur sind entweder unrichtig verstanden oder falsch angewendet. Beispielsweise soll T r i e t s c h 1911 in der „Welt" behauptet haben, ländliche Siedelungen „entsprächen keinem jüdischen Bedürfnis", während er dies n u r in Bezug auf die in ihren Anlagen verfehlten argentinischen Kolonien gesagt hat. Von profunder Sachkenntnis zeugt auch der S. 35 stehende Satz: „Die allgemeine Jüdische Kolonisationsgesellschaft (gemeint ist die Jewish Colonisation Association) und die von Edmond Rothschild in Paris mit Millionen unterstützte Alliance Israelite Universelle fördern hauptsächlich die Auswanderung nach Palästina (seit wann?), unabhängig von den Zionisten, die dasselbe Ziel verfolgen." Von solchen mit den Tatsachen in keinem Einklang stehenden Aussagen wimmelt es. Sie lassen erkennen, daß die Lektüre, die der Verfasser zu seiner Information trieb, recht oberflächlich war und jenes Ernstes entbehrte, den jedermann aufweist, dem das Objekt seiner Studien nicht gleichgültig ist. Das Ziel der Broschüre ist, die Notwendigkeit darzutun, daß jede weitere ostjüdische Einwanderung, die jetzt schon zu groß geworden sei, nach deutschen Gebieten verhindert werde. Alles andere läßt diesen Freund des Zionismus kalt. Zur Begründung des erforderlichen Grenzabschlusses dient die Neuauflage einer schon längst abgetanen Hypothese der Rassentheorie. Die Minderwertigkeit der Ostjuden ergebe sich aus dem Umstand, daß sie nichts anderes als „verjudete Mongolen" seien. Denn „Mesopotamien und