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Das jüdische Echo · 1915-09-10 · 36 (10.9.1915) · p. Seite 299

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
36 (10.9.1915)
Date
1915-09-10
Page
Seite 299 (sequence 11)
Language
German
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 299 12.000 Gulden aufgewandt. Wer wird da leugnen wollen, daß eine Systemänderung nach modernen sozialpolitischen Gesichtspunkten dringend notwendig ist? Immer wieder lehren aber die Berichte, die aus Palästina kommen, daß im Heiligen Lande sebst, wenn Gefahr im Verzuge ist, Männer der verschiedensten Richtungen sich zum Wohl des Ganzen in die Hände arbeiten, ein Beweis dafür, daß wir im Golus mit unseren eigensinnigen Grundsätzen, die Scheidewände der Anschauungen auch bei der praktischen, gemeinsam gedeihlicher zu erledigenden Arbeit, aufrecht zu erhalten, auf ganz falschem Wege sind. Besondere Aufmerksamkeit verdient in dem Bericht das Kapitel über die ottomanische Regierung und die Juden Palästinas, wodurch das zu verurteilende tendenziöse Märchen von der Mißliebigkeit des Zionismus in der Türkei endgültig erledigt wird. Frankfurt a. M. Aus dem Bureau der „Freien Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" wird uns geschrieben: Das Kriegsministerium hat durch eine nunmehr an die Generalkommandos ergangene Verfügung die Frage der Dienstbefreiung und des Heimaturlaubes an den bevorstehenden Feiertagen für die jüdischen Mannschaften in wohlwollendem Sinne geregelt. Im einzelnen unterliegt die Bewilligung von Dienstbefreiung und Urlaub dem Urteil der lokalen Kommandobehörden, mit denen sich zweckmäßigerweise die zuständigen Herren Rabbiner in jedem Falle in Verbindung setzen. Für die jüdischen Kriegsgefangenen ist verfügt, daß durchgängig, sowohl in den Lagern, als an den Arbeitsplätzen für die ganze Dauer des Versöhnungstages volle Arbeitsruhe eintritt. Für den ersten Neujahrstag und ersten und achten Tag des Laubhüttenfestes sollen Befreiung vom inneren Dienst und, auf Wunsch, Befreiung von sonstiger Arbeit, soweit irgend angängig, stattfinden. Gottesdienste sollen sowohl in den Lagern, als wenn möglich ^.n den Arbeitsplätzen an den genannten vier Feiertagen stattfinden. Es wird vorausgesetzt, daß die benachbarten jüdischen Gemeinden, soweit nötig, bereit sind, bei der Durchführung der im religiösen Interesse der jüdischen Kriegsgefangenen zu treffenden Anordnungen den Lagerkommandos sich zur Verfügung stellen. Fürth. Israelitische Waisenanstalt. Dem vom Direktor Dr. Deutsch an die Aufsichtsstelle erstatteten Bericht über das Jahr 1914/15 entnehmen wir die nachfolgenden bemerkenswerten Einzelheiten: Wir registrieren, daß die Anstalt im Schuljahr 1914/15 von 36 Knaben und 16 Mädchen besetzt gewesen ist, die auf die verschiedenen Bildungsanstalten sich verteilt haben. Der überwiegende Teil der Knaben besuchte die israelitische Realschule, an welcher mit Schluß des Schuljahres 6 der Absolutorialprüfung sich unterzogen haben. Die Mädchen besuchten größtenteils die Volksschule, einzelne die Städtische Höhere Töchterschule und Handelsschule, an welch letzterer ein Zögling die Entlassungsprüfung abgelegt hat. Der Gesundheitszustand der Kinder war ein durchwegs guter. So hat die harte Zeit die erziehliche und bildende Arbeit des Hauses kaum merklich berührt. Etwas schwieriger dagegen gestaltete sich die Wirtschaftsführung. Wie selbstverständlich, stehen auch viele unserer ehemaligen Zöglinge unter den Waffen. Manche von ihnen haben es zu Beförderung und Auszeichnung gebracht, einige ihr Leben auf dem Felde der Ehre für König und Vaterland gelassen. Das Jahr, das ein ereignisreiches für die Anstalt durch die Grundsteinlegung zu ihrem neuen Hause — diese war für die Feier des 70. Geburtstages des Königs geplant — werden sollte, ist es in einer anderen, von niemanden vorausgesehenen Beziehung geworden. Der Krieg hat uns genötigt, die Ausführung unserer Absicht hinauszuschieben. Fürth. Das Eiserne 2. Kl. erwarben sich Unteroffizier der Landwehr Max Frank, Kaufm. und Dr. Julius Bing, Stabsarzt bei einer bayer. Landwehr- Inf.-Brig. Gerolzhofen. Philipp Selig, Leutnant d. Res. im Füsilier-Reg. 40, Sohn des Kaufmanns Adolf Selig, wurde mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet. Hammelburg. Manfred Leven, bei einem bayer. Inf.-Regt., z. Z. verwundet im Res.-Lazarett Friedberg in Hessen, erhielt das Eiserne 2. Klasse. München. Herr Dr. Max Kirschner, Sohn des Herrn Prof. E. Kirschner, ist zum Oberarzt befördert worden und hat den bayer. Militärverdienstorden 4. Klasse mit Krone und Schwertern erhalten. Wie schon früher gemeldet, ist der so Ausgezeichnete auch Inhaber des Eisernen Kreuzes 2. Kl. — Assistenzarzt Dr. Max Schülein, Sohn des Herrn Kommerzienrat J. Schülein ist mit dem Eisernen Kreuz 2. Klasse ausgezeichnet worden. München. Wie wir in Nr. 32 berichtet haben, hat das Kriegsministerium auf Eingaben der Rabbiner Dr. We r n e r in München und Dr. K o h u in Ansbach angeordnet, daß diejenigen jüdischen Mitteilung des Verlags Unsere Leser werden gemerkt haben, daß sich unser Blatt von dem ernstlichen Bestreben leiten läßt, alle uns berührenden Angelegenheiten vom Standpunkt eines zielbewußten Judentums zu behandeln. Erfreulicherweise können wir auch feststellen, daß es dem Jüdischen Echo gelingt, unser gutes Recht auch nach außen hin zu vertreten, da es die lebhafte Beachtung nicht nur der Tagespresse, sondern auch anderer maßgebender Stellen auf sich zu ziehen verstanden hat. An den Empfängern des Jüdischen Echos ist es gelegen, die unparteiisch dem Wohl der jüdischen Gesamtheit dienende Bedeutung unserer Zeitschrift dadurch zu steigern, daß sie sie selbst abonnieren und sich etwas um ihre Verbreitung bemühen. Der geringe Preis, der für den regelmäßigen Bezug des Jüdischen Echos aufzuwenden ist (eine Mark vierteljährlich), steht ja in gar keinem Verhältnis zu dem, was es bietet und für die jüdische Bevölkerung Bayerns als tatkräftige Vertretung ihrer Interessen in der Hauptstadt des Landes bedeutet. Wir sprechen darum die Erwartung aus, unter den Lesern unseres Blattes mit Beginn des neuen jüdischen Jahres, zu dem wir ihnen unsere herzlichen Glückwünsche darbringen, weitere ständige Bezieher zu gewinnen. Durch neue Abonnements ihrer selbst und Werbung von Freunden in ihrem Bekanntenkreise unterstützen sie sowohl unser eigenes Unternehmen wie auch wirksamst die Angelegenheiten der jüdischen Allgemeinheit.

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