Mannheim
Compact Memory

Das jüdische Echo · 1915-09-10 · 36 (10.9.1915) · p. Seite 298

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
36 (10.9.1915)
Date
1915-09-10
Page
Seite 298 (sequence 10)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
96% known words query
IRI
…/9072829-9102856-9116234--00493-9073320
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

298 Das Jüdische Echo Nr. 36 Propheten Elijahu, der ihn also anredete: „Du schläfst? Mache Dich eilends auf, gehe in die Synagoge, setze in jedes der drei leeren Kästchen die Thorarolle, komme dann wieder zurück und lege Dich nieder, um zu schlafen. Zu Niemandem aber rede, daß ich Dir erschienen bin, sonst bist Du des Todes." Erschrocken stand der fromme Diener auf, und tat, wie ihm befohlen war, und legte sich wieder, um zu schlafen. Dieselbe Erscheinung hatten die Diener der elf übrigen Synagogen, die ebenfalls dem Auftrage getreulich nachkamen, und jeder von ihnen glaubte, daß die Erscheinung nur ihm geworden sei. Der verhängnisvolle Tag brach an; es war der .17. des 11. Monats Schebat, im 13. Jahre der Redierung des Königs Saragasanus, das 5180. Jahr nach der Zerstörung des zweiten Tempels; da erschien, kaum daß noch die Morgenröte die schwarze Nacht zu verscheuchen begann, plötzlich der König Saragasanus im Judenviertel. Zu seiner Rechten ging der Verräter Markus; es folgten alle Großen des Reiches, eine Menge bewaffneten Kriegsvolkes von 300 Männern mit blanken Schwertern, um, wenn der König ihnen winkte, alles niederzumachen. Die Juden waren sehr überrascht, eilten von ihrem Lager, um den König zu begrüßen und ihm zu huldigen; die Rabbinen zogen ihnen mit den 36 Thorarollen voran. Da sprach, als sie sich dem Könige näherten, Saragasanus zu ihnen: „Ich will einmal die Qesetzrollen Eures Propheten Moses, in dessen Namen Ihr mich segnet, sehen." Todesangst überfiel die Juden, und die Rabbinen sprachen unter sich: „Weh uns, welches Unglück hat Gott über uns verhängt." Sie ahnten nicht, wie väterlich der Herr seine Frommen geschützt hatte. Die Diener des Königs Saragasanus ritten heran, und öffneten die Gehäuse der Gesetzrollen. Wie waren alle erstaunt, als sie dieselben sahen, und den 44. Vers des 26. Kapitels im 3. Buche Moses aufgerollt fanden: „Aber auch so, wenn sie sein werden im Lande ihrer Feinde, werde ich sie nicht verwerfen und sie nicht verschmähen, sie zu vernichten, meinen Bund mit ihnen zu brechen, denn ich bin der Ewige, ihr Gott." Und so fand es sich in allen 36 Kästchen. Der König Saragasanus, als er sich so von der Verleumdung des Markus überzeugt hatte, war er sehr gnädig, dankte den Juden für ihre Anhänglichkeit, und erließ ihnen, als Zeichen seiner Huld, für drei Jahre alle Abgaben und Steuern. Den Verleumder Markus aber ließ er augenblicklich hängen, den Leichnam den Hunden vorwerfen Und die Überreste verbrennen. Die Gemeinde feierte ein Dank- und Freudenfest für die ihr gewordene, wunderbare Rettung und setzte für ewige Zeiten fest, daß der 17. Tag des Monats Schebat ein gottgeweihter bleibe, ein Fast- und Bettag, an welchem die Armen reich bedacht werden sollen. Der Abend dieses Tages aber, wo diese. Begebenheit gelesen wird, sei der Freude, Gastmälern und Gesängen geweint. Noch heute, nach 436 Jahren, lebt in Jerusalem eine aus Saragossa stammende Familie, welche die auf Pergament geschriebene, uralte Megila besitzt, am 17. Schebat liest und mit einem Freudenmahle feiert. Die Leser werden gebeten, die inserierenden Firmen bei Einkäufen in erster Linie zu berücksichtigen und dabei auf das „Jüdische Echo" Bezug zu nehmen. Gemeindenu.Vereins-Echo (Unsere Leser sind zur Einsendung von Mitteilungen aus Gemeinden und Vereinen und von Personalnachrichten, die in diesen Spalten gerne Aufnahme finden, höflichst eingeladen.j Veränderungen der bayerischen Beamtenschaft jüdischen Glaubens im letzten Halbjahre. Der stellvertretende Landesgerichtsdirektor Ernst Wilmersdörffer wurde zum k. Oberlandesgerichtsrat in Augsburg ernannt. Der k. Oberlandesgerichtsrat Alexander Ansbacher wurde stellvertretender k. Landgerichtsdirektor in München. Der k. Landgerichtsrat Dr. Paul Homberger wurde zum k. Oberlandesgerichtsrat befördert. (In München.) Der Oberpostassessor Alfred Cohnreich wurde zum k. Oberpostinspektor in Nürnberg befördert. Der III. Staatsanwalt Dr. Alfred Hartmann in Ansbach wurde zum k. Amtsrichter in München ernannt. Der k. Zolloberkontrolleur Leopold Hamburger in Kaiserslautern wurde zum k. Hauptzollamtskontrolleur in Nürnberg ernannt. Der Landgerichtsrat Dr. Hugo Rose in Fürth wurde zum k. Oberlandesgerichtsrat in Nürnberg befördert. Der Oberamtsrichter Heinrich Ebert wurde zum k. Amtsgerichtsrat in Fürth befördert. Der Postrat Paul Kann wurde zum k. Oberpostrat in Nürnberg befördert. Der Amtsrichter Dr. August Mainzer wurde zum k. Oberamtsrichter in Bamberg befördert. Die k. Stabs- und Bataillonsärzte Dr. Heinrich Mohr, Dr. Hugo Dreschfeld und Dr. David Roßnitz wurden zu k. Oberstabsärzten der aktiven bayerischen Armee befördert. » * * Bamberg. Das bayer. Militär-Verd.-Kreuz 2. Kl. mit Schwertern erhielt Assistenzarzt Ernst Frenkel beim 1. Ulanenregiment. Frankfurt a. M. Die „Deutsch-Holländische Palästina - Verwaltung" versendet einen kostenlos von der deutschen Zentrale, Frankfurt a. M., Schützenstraße 14 zu beziehenden, lesenswerten Bericht über die Tätigkeit seit Kriegsausbruch. Es gelang der Verwaltung vom August v. J. bis gegen Ende Mai ungefähr 250 000 M. nach Palästina zu befördern. Daß die Geldüberweisung möglich war, von deren segensreicher Wirkung wir uns kaum eine Vorstellung machen können, da jede Mark, die nach Palästina floß, die Gefahr des Zusammenbruchs aufhielt, ist der Vermittlung des Deutschen Generalkonsulates und des amerikanischen Botsehafters in Konstantinopel, Mr. Morgenthau, in erster Linie zu verdanken. Die Chalukkah bewährte sich zweifellos in diesen schweren Zeiten auf ihrem freilich noch zu eng gezogenen Wirkungskreise. Der Krieg muß sie lehren, ihn so zu erweitern, daß womöglich Notstände, wie wir sie seit einem Jahre in Palästina erlebten, nicht mehr so leicht eintreten können. Nach der Jahresrechnung für 5674 betrugen die Einnahmen 95.523.— holl. Gulden. Davon stellen auf der Habenseite 49.000 iL, also mehr als die Hälfte reine Unterstützungsgelder dar. Es sind vielleicht noch mehr, als wir nach den aufgezählten Posten angeben können. Für wirtschaftliche Zwecke wurden nur rund 10.000, für Erziehungsanstalten rund

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.