Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 36 (10.9.1915)
- Date
- 1915-09-10
- Page
- Seite 300 (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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300 Das Jüdische Echo Nr. 36 Kriegsgefangenen, die rituelle Kost wünschen, in zwei bestimmten Lagern (Ingolstadt und Germersheim) vereinigt werden. Die Mehr kosten, die dadurch entstehen, belaufen sich, wie wir neuerdings erfahren, auf ungefähr 6000 M. (pro Jahr berechnet). Sie werden zum größten Teil von den jüdischen Rabbinaten Bayerns aufgebracht. München. In der abgelaufenen Woche verstirb hier Herr Rentier Lazarus Marx im Alter von 76 Jahren. Der Verlebte, welcher lange Jahre Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde in Nördlingen war, lebte in den letzten zwei Dezennien in München, vo er sich duch große Wohltätigkeit auszeichnete. Bekannt war auch seine Gelehrsamkeit auf talmudischem Gebiete. Er verfehlte nicht, bis in seine letzten Lebensjahre denTalmud zu erforschen. — In der vorigen Woche starb auch Frau Nanette Nördlinger im Alter von 82 Jahren. Sie wurde nach Augsburg uberführt. Nördlingen. Den Heldentod fürs Vaterland starb am 16. Juni auf dem westlichen Kriegsschauplatze Josef Hamburger. Wilhermsdorf b. Nürnberg. Das bayer. Verdienstkreuz erhielt Neuburger, z. Z. Dolmetscher bei einem Stabe, jüngster Sohn der Frau Marie Neuburger. Windsheim. Das bayer. Militär-Verd.-Kreuz m. Krone und Schwertern erhielt Justin Walter, Unteroffizier im 6. bayer. Feldart.-Regt., Sohn des Moritz Walter. Würzburg. Julius Katzmann, Leutnant d. Res. im Feldart.-Regt. 21, Ritter des Eisernen Kreuzes, Sohn des k. bayer. Kommerzienrates Katzmann, erhielt den bayer. Militär-Verdienst-Orden. Würzburg. (Wegen Raummangel verspätet.) Die zuständigen Rabbinate für Werneck und Lohr unterbreiteten, unter Verständigung und Zustimmung aller unterfränkischen Rabbiner, der Kgl. Regierung das Ansuchen, daß diejenigen Insassen der Anstalt Werneck, die rituell verköstigt zu sein wünschen, nach Lohr übergeführt werden, daß ferner in Zukunft sämtliche israelitische Geisteskranke des Kreises Unterfranken, die entweder selbst den Antrag auf rituelle Verpflegung stellen, oder für die seitens ihrer Familien ein solcher Antrag gestellt wird, gleich bei ihrer Aufnahme der Anstalt in Lohr zugewiesen werden. Dieses Gesuch wurde durch Regierungs-Entschließung vom 14. März 1915 genehmigt. Um die Einrichtung in Lohr auf eine feste Basis zu stellen, sind beträchtliche Mittel erforderlich, die nur durch Gründung eines Vereins und Inanspruchnahme des jüd. Wohltätigkeitssinnes aufgebracht werden können. Am 20. Juni 1915 wurde nun in Würzburg ein „Verein zur Ermöglichung der rituellen Verpflegung israelitischer Nerven- und Geisteskranker im Regierungsbezirke Unterfranken und Aschaffenburg" gegründet und die Eintragung des Vereins in das Vereinsregister beschlossen. Zweck des Vereins ist nach § 1 der Statuten die Fürsorge für die jüdischen Nerven- und Geisteskranken, welche in den im Regierungsbezirk Unterfranken und Aschaffenburg bestehenden Kreisanstalten untergebracht sind, im Sinne der Versorgung mit ritueller Kost und die Ermöglichung derselben durch die notwendigen Schritte bei der Kgl. Behörde, durch die Bereitstellung der notwendigen Mittel und durch Bestellung von Organen zur geeigneten Ausführung. Die Verpflegung muß in strengster Wahrung der Vorschriften des Schulchan Aruch erfolgen. Mitglieder des Vereins können nach § 2 der Statuten einzelne Personen, Vereine und Gemeinden werden. Der Mitgliederbeitrag beträgt für eine einzelne Person mindestens 2 Mark fürs Jahr. Der Beitrag der Vereine und Gemeinden ist in das Belieben derselben gestellt, betrügt bei Gemeinden jedoch mindestens 10 M. In die Vorstandschaft wurden gewählt: Distriktsrabbiner Dr. Breuer in Aschaffenburg als Vorsitzender, Distriktsrabbiner Dr. Stein in Schweinflirt als stellvertretender Vorsitzender, Lehrer Israel Wahler in Hörstein als Schriftführer, Kaufmann Bernhard Hirsch in Lohr als Kassier, Kaufmann Samuel Gundersheiner in Würzburg als Beisitzer, Fabrikbesitzer Nathan Mayer in Aschaffenburg und Kaufmann Hermann Weichselbaum in Dettelbach als Ersatzmänner. — Wenn auch in dieser schweren Zeit die jüdische Wohltätigkeit sehr stark in Anspruch genommen ist, so ist doch anzunehmen, daß die Einrichtung in Lohr im Hinblick auf ihre Wichtigkeit des wohlwollenden Interesses weiter Kreise gewiß sein dürfte, zumal auch sie insofern in das Gebiet der Kriegsfürsorge fällt, als infolge des Krieges — wie dies von sachverständiger Seite bestätigt wird — leider eine sich vergrößernde Zahl von Nervenkranken zu gewärtigen sein dürfte. Glückwunsch «Ablösungen zu Gunsten der Notstandsaktion des J. N.-F. 3. Ausweis. Apotheker Hartwig Lewin..... 3.— M. Zahnarzt J. Wolff, Günzenhausen . . . 2.— „ Elis. und Herrn. Mahler ....... 1.50 „ Gusta Strumpf, S. Monheit, A. Monheit je 1.—........... 3.— Dora Bohrer .......... —.50 „ 10.—M. Dazu (s. Nr. 35 des J. E.) 206.— „ 216.— M. Rituelle Kriegskochrezepte 21. Kartoffelknödel. P/s—2 Pfd. gekochte Kartoffeln werden kalt gerieben, mit 180 gr Mehl und 35 gr Butter, ferner mit 2 Eiern, die tüchtig mit Salz geschlagen sind, zu einer weichen Masse verarbeitet und zum Kloss geformt. In eine feuchte Serviette sehr lose gebunden, gibt man den Knödel in kochendes Wasser (am besten legt man in den Topf einen kleinen Teller, um Anbacken zu verhindern) und läßt ihn eine Stunde lang kochen. Dann wird er, wenn man will, auf der Pfanne angebraten und dann mit Butter serviert. Der Knödel reicht für 4 Personen. A||VaS||A||-E#|||% (,n dieser Abteilung finden HI9ACIgC;naE(llU Voranzeigen der Vereine auch ausserhalb Münchens kostenlose Aufnahme.) München. Die Mitglieder der Zionistischen Ortsgruppe treffen sich von nun an allwöchentlich Montag abends um 8.30 Uhr im Cafe Fiirstenhof, 1. Stock. Gäste und Freunde sind stets willkommen. — Die Mitglieder des Vereins Bne Jehüda haben ihren Stammtisch im Cafe Deutsches Theater, wo sie sich jede Woche, Dienstag um 9 Uhr abends, zusamenfinden. Gäste und Freunde sind herzlich eingeladen. München. Verein Bne Jehuda. Samstag, 11. September, abends 9 Uhr, Vortrag des Fräulein Dora Bohrer über „Antisemitische Abwehr". Hotel Reichshof. Gäste willkommen. Druck und Verlag: B. Heller, Buchdruckeiei, München, Herzog Maxstr. 4. Verantwortlich für Redaktion u. Anzeigenteil: Dr. Max Mayer, München, Schwanthalerstr. 95.