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Das jüdische Echo · 1915-09-10 · 36 (10.9.1915) · p. Seite 293

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
36 (10.9.1915)
Date
1915-09-10
Page
Seite 293 (sequence 5)
Language
German
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Nr. 36 Das Jüdische Echo 293 suchte Ehrlich ihn für unsere Bestrebungen zu interessieren. Ich bekam folgenden Brief: 8. Juli 1911. Frankfurt a. M. Ich bitte sehr um Entschuldigung, daß ich die Erledigung Ihres Schreibens so lange verzögert habe, da ich außerordentlich in Anspruch genommen war. Ich habe aber heute an Herrn Schiff geschrieben . . . ." Schon am 11. Juli kam ein weiteres Schreiben: „ .... Ich erhalte eben von Herrn Jacob Schiff ein Schreiben betreffs Ihres Projektes und wollte nicht versäumen, Ihnen davon gleich Kenntnis zu geben. Ich füge eine Abschrift des Briefes hier bei, und bin . . ." Aus dem beigeschlossenen, unten folgenden Briefe des Herrn Jacob Schiff geht hervor, daß der Verstorbene Herrn Schiff persönlich, und zwar außerhalb Frankfurt aufgesucht hatte, und daß er sehr ausführlich über die Bestrebungen der Gesellschaft berichtet haben muß: „Sehr geehrter und lieber Herr Geheimrat! Es hat meiner Frau und mir ungeheuer leid getan, daß wir gestern Ihren Besuch versäumt haben. Seitdem empfange ich Ihre freundlichen gestrigen Zeilen, die ich mit großem Interesse gelesen habe, und wenn ich auch der Sache, über die Sie mir schreiben, alles Interteresse entgegenbringe, so muß ich doch eine Entscheidung, ob ich mich daran direkt beteiligen kann, bis zu meiner Rückkehr nach New-York aufschieben . . . ." Aus dem weiteren Inhalt dieses Schreibens von Herrn Schiff geht hervor, wie warm Ehrlich für das Projekt eingetreten sein muß, Herr Schiff schreibt: ". . . so habe ich mich doch als warmer und stolzer Jude immer gerne den Bestrebungen angeschlossen, die darauf hinzielen, die Lage unserer Glaubensgenossen in dem Lande, woselbst die Wiege unseres Volkes gestanden hat, zu heben, ... Ob ich nun dem Projekte, über welches Sie mir freundlichst berichteten, und dessen Wert ich durchaus nicht unterschätze, ebenfalls näher treten soll, darüber möchte ich etwas nachdenken, . . . Darf ich Sie bitten, Ihren Freunden in Berlin nun selbst zu berichten, was ich Ihnen im Vorstehenden gesagt, anstatt daß ich, wie Sie es vorschlagen, direkt an Dr. Hans Mühsam darüber schreibe." Im weiteren Verlaufe der Korrespondenz mit Herrn Schiff war es dadurch zu einem Mißverständnis gekommen, daß sich inzwischen ein Deutsches Palästina-Komitee unter dem Protektorate der Kaiserin konstituiert hatte, welchem Ehrlich ebenfalls als Ehrenmitglied beigetreten war. Obgleich er an dem Schaden, den unsere Gesellschaft durch dieses Mißverständnis erlitt, keine Schuld trug, So hielt er sich doch in seiner übergroßen Gewissenhaftigkeit für ersatzpflichtig. Aus einem ihm zur Verfügung stehenden Fond setzte Ehrlich uns einen so hohen Jahresbeitrag aus, daß die Gesellschaft mit der anfänglichen Schädigung hinterher sehr zufrieden war. Damit nicht genug wandte er sich auch noch brieflich an Herrn Jacob Schiff, legte ihm die Verhältnisse klar und konnte mir am 13. Februar 1914 Folgendes berichten: Sehr geehrter und lieber Herr Kollege! Nach Rückkehr von meiner Reise habe ich einen Brief von Herrn Jacob Schiff vorgefunden, in dem derselbe mir mitteilt, daß er von dem getroffenen Arrangement durchaus befriedigt ist. Dementsprechend erlaube ich mir, einen Check über Ihnen hiermit zu übersenden, der seinen Jahresbeitrag darstellt .... Herr Schiff schreibt in seinem Briefe, daß es ihm lieb wäre, daß von Jahr zu Jahr regelmäßig seine Beiträge im Januar eingefordert würden. Vielleicht haben Sie die große Liebenswürdigkeit, die Kassenverwaltung zu veranlassen, daß hiervon Vormerkung .genommen wird . . . Mit besten Empfehlungen und in vorzüglicher Hochachtung Ihr aufrichtig ergebener P. Ehrlich. Die „Jüdische Gesellschaft für sanitäre Interessen in Palästina" schuldet dem großen Toten tiefen Dank für die wertvolle Förderung, die er ihr gerade in den schwierigsten Zeiten der Entstehung hat zuteil werden lassen. Möchten doch unsere anderen Freunde dem Beispiel des unvergeßlichen Meisters folgen, der sich mit solchem Eifer für die gute Sache betätigt hat. Allzu früh ward er von uns, genommen. Dieser große Sohn unseres Stammes war ebenso durch seine Lebensarbeit wie durch seine Hingabe an die jüdischen Ideale seinem Volke ein treuer Diener. Welt-Echo Die Wirkung der oppositionellen Dumareden. Die letzte Sitzung der russischen Reichsduma hat wie ein reinigendes Gewitter gewirkt. Die Reden Miljukows, Tscheidses, Kerenskis, Friedmanns haben nicht nur dem Groll und der Empörung der unterdrückten Volksmassen und der mißhandelten und zu Tode gequälten „Fremdvölker", der Juden, Mohammedaner usw., beredten Ausdruck verliehen, sondern auch vor aller Welt den unmittelbaren Zusammenhang zwischen den Niederlagen des russischen Heeres und dem reaktionären Charakter der inneren Politik Rußlands enthüllt und den aufhorchenden Westmächten vor Augen geführt, daß sie mit Blindheit geschlagen waren, wenn sie glauben konnten, daß ihnen ein von einem volksfeindlichen korrupten Gesindel verwalteter Staat wirksame Waffenhilfe in einem modernen Kriege werde leisten können. Die oppositionellen Reden in der Duma hatten denn auch ihr Gutes, daß sie etwas die Zunge wenigstens der Sozialisten in Frankreich gelöst haben. Die „Humanite" legt sich der russischen Regierung gegenüber schon weniger Rücksicht wie bisher auf. Vandervelde, der anscheinend sich mehr als belgischer Staatsminister denn als Präsident des Internationalen Sozialistischen Bureaus fühlt, spricht .es unumwunden aus, daß die erlittenen Schlappen Rußlands auf die inneren Zustände des Landes heilsam wirken mögen. Die über alle Maßen empfindliche französische Zensur scheint auch nicht mehr so nervös zu werden, wenn man von der Unterdrückung der Arbeiter, Juden usw. in Rußland spricht. Das sind alles Zeichen der Zeit. (J. A. K.) Die Verfolgung der iüdischen Presse in Rußland. Der neue Minister desi Innern, Fürst Schtscherbatow hat eine Deputation der jüdischen Presse, bestehend aus G. Ginzburg, Dumaabgeordneten Friedmann und dem Verleger Klezkin, empfangen. Er erwiderte der Deputation auf deren Vorstellungen, daß ihm die Verfolgungen der Zeitungen nicht bekannt seien und er auch nichts tun könne. Er bitte um ein Memorandum über die Mißstände, welches er dem Höchstkommandierenden zustellen werde. Die jüdischen Zeitungen in Warschau. In den letzten Tagen vor dem russischen Abzüge aus Warschau hat die russische Zensur das Weitererscheinen der dortigen jüdischen und hebräischen Presse verboten. Sofort nach dem Einzüge der Deutschen haben die Jargontageszeitungen „Haint" und „Moment" wiederum zu erscheinen angefangen. Auch die hebräische Tageszeitung „Hazefirah" hat wieder zu erscheinen begonnen.

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