Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 35 (3.9.1915)
- Date
- 1915-09-03
- Page
- Seite 281 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Nr. 35 Das Jüdische Echo 281 Präludium für den grandiosen Prozeß der WiederHelebung Vorderasiens geschaffen wird, mit dessen Durchführung die Zukunft und Größe de Türkei unzertrennlich verknüpft ist. Die Türkei als .^..staatliche Rahmen, innerhalb dessen das große W erk der Neubelebung Vorderasiens vollbracht wird, das Judentum als dasjenige Volk, das die Voraussetzung für die Vollbringung des Werkes, die Wiederherstellung Palästinas, als Verbindungsbrucke nach Europa, schaffen soll, und Deutschland als diejenige europäische Macht, unter deren Ägide und Mitwirkung sich das Werk vollziehen soll das gibt einen „Dreibund", der so sehr auf einer Verknüpfung der wichtigsten Interessen aller beteiligten Faktoren beruht, so sehr in der Richtung weltgeschichtlicher Notwendigkeit liegt, daß er gewiß von unzerstörbarer Dauer und fruchtbarster Wirksamkeit werden muß. Die Rede des Äbgeordneten N. M. Friedmann in der Duma Am Jahrestage des vaterländischen Krieges, da das große Reich seine völlige Bereitschaft, den Krieg bis zum Ende durchzuführen, kundgibt, da sämtliche lebendigen Kräfte des Landes mobilisiert werden, da müßte doch offenbar auch größere Beachtung der Mobilisierung des Volksgeistes geschenkt werden, jenes Kollektivgeistes, der sämtliche Nationalitäten, die im Gebiete des russischen Reiches wohnen und in einer so gewaltigen Weise vereint sind, erfüllt. Von diesem Standpunkt aus verdient jeder einzelne dieser Faktoren, jede einzelne Nationalität, Aufmerksamkeit. Indem ich von diesem Standpunkt aus die Lage der Juden im Lande betrachte, alles das, was sie im Laufe des letzten Jahres erlebt, erduldet haben, möchte ich vor allem feststellen, daß die Juden trotz ihres schweren Standes, trotz ihrer Rechtlosigkeit, es doch vermocht haben, die Höhe aller anderen Bürger zu erreichen und in einem recht bedeutendem Maße an diesem Kriege teilzunehmen. In nichts sind sie hinter den anderen zurückgeblieben. Sie haben alle ihre Militärpflichtigen mobilisiert, nur mit dem Unterschiede, daß sie auch ihre einzigen Söhne ins Feld geschickt haben.*) . . . Allerdings, dies geschah nicht freiwillig, sondern kraft eines Ausnahmegesetzes. Aber Tatsache ist ja, daß sie die einzige Nationalität sind, deren einzige Söhne das Vaterhaus verlassen mußten, um ihr Blut fürs Vaterland zu vergießen. Die Zeitungen berichteten zu Beginn des Krieges von einer beträchtlichen Anzahl jüdischer Kriegsfreiwilliger. Meine Herren! Das waren solche Freiwillige, die nach ihrem Bildungsgrade auf den Offiziersrang Anspruch haben durften. Sie wußten, daß sie diesen Rang nicht erhalten würden, und sie gingen in den Krieg! Die iüdischen Jünglinge, die durch die Prozentnorm aus ihrem Vaterlande verjagt waren, um in der Fremde ihre Bildung fortzuführen, sie kehrten mit Ausnahme der m deutscher Gefangenschaft befindlichen bei Kriegsausbruch in die Heimat zurück. Und die, die der Krieg in einem verbündeten Reiche angetroffen hat, sie traten in die verbündeten Heere ein, und mancher jüdische Student fiel bei der Ver- *) In Rußland sind nach dem Gesetz alle einzigen Söhne militärfrei. Trotzdem dieses: Gesetz jetzt auch im Kriege Gültigkeit behalten hat, ist mit den Juden eine Ausnahme gemacht worden, indem man auch ihre einzigen Sohne eingezogen hat. teidigung von Lüttich, in Belgien und an den anderen Stätten der Westfront. Selbst die, welche das Geschick schon längst aus Rußland vertrieben hatte und die jenseits des Ozeans Zuflucht gesucht haben, auch von ihnen kehrten viele heim. Die Juden bauten Lazarette, genau wie die anderen, spendeten Geld und Liebesgaben, nahmen an allem teil, was für den Krieg von dieser oder jener Seite getan wurde. Und auch im Felde waren sie nicht schlechter als die anderen. Viele Juden erhielten Auszeichnungen. Statistische Angaben, die uns über die Verluste im Kriege vorliegen, zeigen, daß die Verluste der Juden nicht geringer sind als die der anderen. In meinem Besitz befinden sich statistische Unterlagen, die auf Grund von 150 in den „Mitteilungen des Petersburger Magistrats" veröffentlichten Tabellen zusammengestellt sind. Das Prozentverhältnis der jüdischen Verluste ist 4,9% vom Ganzen, das Prozentverhältnisi der gefallenen Juden 4,11%. Dem gegenüber gibt es nach den Angaben des zentralen statistischen Komitees vom 1. Januar 1910 in Rußland 4,05% Juden, sodaß ein größerer Prozentsatz als dieser im Felde gefallen ist oder auf andere Weise aus dem aktiven Heere ausschied. Mir liegt hier ein Brief eines der in die Vereinigten Staaten ausgewanderten Juden vor. Er schreibt: „Ich habe mein Leben aufs Spiel gesetzt, und wenn ich dessenungeachtet nach Archangelsk gekommen bin, so istes nur, weil ich meine Heimat noch mehr als mein Leben liebte und noch mehr als jene amerikanische Freiheit, die ich genoß. Ich wurde zum Heeresdienst zugelassen und habe meinen, linken Arm fast bis zur Schulter verloren. Man brachte mich ins Gouvernement Kurland. Kaum war ich in Riga eingetroffen, da sah ich auf dem Bahnhof meine dorthin gekommenen Angehörigen, unter ihnen Mitteilung des Verlags Unsere Leser werden gemerkt haben, daß sich uiiser Blatt von dem ernstlichen Bestreben leiten läßt, alle uns berührenden Angelegenheiten vom Standpunkt eines zielbewußten Judentums zu behandeln. Erfreulicherweise können wir auch feststellen, daß es dem Jüdischen Echo gelingt, unser gutes Recht auch nach außen hin zu vertreten, da es die lebhafte Beachtung nicht nur der Tagespresse, sondern auch anderer maßgebender Stellen auf sich zu ziehen verstanden hat. An den Empfängern des Jüdischen Echos ist es gelegen, die unparteiisch dem Wohl der jüdischen Gesamtheit dienende Bedeutung unserer Zeitschrift dadurch zu steigern, daß sie sie selbst abonnieren und sich etwas um ihre Verbreitung bemühen. Der geringe Preis, der für den regelmäßigen Bezug des Jüdischen Echos aufzuwenden ist (eine Mark vierteljährlich), steht ja in sar keinem Verhältnis zu dem, was es bietet und für die jüdische Bevölkerung Bayerns als tatkräftige Vertretung ihrer Interessen in der Hauptstadt des Landes bedeutet. Wir sprechen darum die Erwartung aus, unter den Lesern unseres Blattes mit Beginn des neuen jüdischen Jahres, zu dem wir ihnen unsere herzlichen Glückwünsche darbringen, weitere ständige Bezieher zu gewinnen. Durch neue Abonnements ihrer selbst und Werbung von Freunden in ihrem Bekanntenkreise unterstützen sie sowohl unser eigenes Unternehmen wie auch wirksamst die Angelegenheiten der jüdischen Allgemeinheit.