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Das jüdische Echo · 1915-08-27 · 34 (27.8.1915) · p. Seite 274

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
34 (27.8.1915)
Date
1915-08-27
Page
Seite 274 (sequence 6)
Language
German
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274 Das Jüdische Echo Nr. 84 täten über die Prozentnorm hinaus aufzunehmen, bestätigt. Demgemäß werden vor allem Juden aufgenommen, die selbst am Krieg teilgenommen haben und verwundet oder aus Gesundheitsrücksichten vom Militärdienst befreit wurden. Außerdem werden solche Juden aufgenommen, deren Väter im russischen Heer Kriegsdienst leisten. 700 000 polnische Juden unter deutscher Herrschaft. In letzter Zeit wurde von Vertretern neutraler Länder Material über die jetzige Lage der Juden gesammelt, die sich in dem von den Deutschen besetzten Gebiet Polens befinden. Es ist nicht leicht, in solcher Zeit richtige Nachrichten zu erhalten, aber einigermaßen kann man sich ein Bild der dortigen Lage machen. Man nimmt an, daß sich im Ganzen ungefähr 700 000 polnische Juden unter der deutschen Herrschaft befinden, und da der größte Teil (70 Prozent) in Städten wohnt, haben sie natürlich mehr als die Landbevölkerung unter dem Krieg gelitten. Im Plozker und in einem Teil des Kalischer Gubernements wohnen viele Juden auf dem Lande; deshalb ist dort die Not so groß wie in Lodz und den anderen größeren Städten, wo Juden mehr vom Handel leben. Die großen Lodzer Fabriken arbeiten zwar jetzt so wie früher, sie liefern Ware für die deutsche Armee, aber bekanntlich haben vor dem Krieg die jüdischen Arbeiter wenig mit den großen Fabriken zu tun gehabt und es arbeiten dort, wie früher, Polen und Deutsche. Die Juden arbeiten mehr in den kleinen Werkstätten und hauptsächlich waren sie Kommissionäre, Händler, Reisende usw., und es blieb ihnen kein Lebensunterhalt. Man nimmt an, daß ungefähr 120 000 Juden unterstützungsbedürftig sind. Die deutsche Regierung hat auch bereits eine bestimmte Summe assigniert, aber sie wird unter der ganzen Bevölkerung verteilt und für die Juden wird nur ein kleiner Teit abfallen. Deshalb haben sich einige jüdische Organisationen in Deutschland vereinigt, und es wurde in Schlesien ein Hilfskomitee gegründet, welches auch von Amerika unterstützt wird. Außerdem hat der Hilfsverein der deutschen Juden in Berlin eine spezielle Kommission eingesetzt, zu der auch Franz Oppenheimer und Hermann Struck gehört. Auf der letzten Jahresversammlung des Hilfsvereins hat Paul Nathan an die deutschen Juden appelliert, daß sie energisch arbeiten sollen, um ihren Brüdern in Polen zu helfen. Gemeindenu. Vereins-Echo Berlin. Die A.J.K.O. teilt mit, daß das von ihr, bezw. vom Jüdischen Hilfskomitee für den türkischen „Roten Halbmond" angeregte Zentral- Hilfskomitee für Palästina noch in Bildung begriffen ist. Bisher wurden nur in Österreich größere Summen gezeichnet. In Deutschland scheint bisher kein nennenswerter Erfolg erzielt worden zu sein. Berlin. Der Verband der Deutschen Juden versendet zu den Feiertagen einen „Gruß der Feldrabbiner an die jüdischen Kameraden im deutschen Heer". Gemeinden und anderen Körperschaften sowie allen, die an Angehörige im Heer Exemplare versenden wollen, stehen solche auf Wunsch im Bureau des Verbandes der Deutschen Juden, Berlin W 35, Steglitzerstr. 9, zur Verfügung. Frankfurt a. M. Die „Freie Vereinigung für die Interessen des orthodoxen Judentums" will zur Versorgung der jüdischen Kriegsteilnehmer im Felde und namentlich in den Lazaretten das Ihrige beitragen. Sie macht sich erbötig, auf Grund von Bestellungen durch die Kriegsteilnehmer selbst oder durch ihre Angehörige und Freunde Schriften und Bücher, die nach einem Verzeichnis ausgewählt werden können, unentgeltlich ins Feld zu versenden. Für die in Lazaretten befindlichen jüdischen Krieger hat sie Wanderbüchereien zusammengestellt, die den Lazarettverwaltungen direkt oder durch Vermittlung der zuständigen Rabbiner leihweise mit der Verpflichtung unversehrter Rückgabe überlassen werden. Günzenhausen. Das Eiserne Kreuz erhielt Max Kohn, Leutnant der Landwehr. Günzenhausen. Die „Jüdische Rundschau" brachte in ihrer Nr. 31 folgende Notiz: Der „Londoner „J ewish Chronicle" veröffentlicht aus dem Brief eines englischen Majors Rathbone an seinen Bruder folgende Stelle: „Ich war 24 Stunden lang im Schützengraben, mit einer Stunde Ruhepause. Wir fingen einen deutschen Offizier, Leutnant Max .'Seiler, von einem bayerischen Kavallerieregiment. Er und ca. 50 Mann griffen uns mit Handbomben an, und der Offizier wurde mit dem Bajonett getötet. Ich half, ihn mit unseren eigenen Mannschaften zu begraben. Er war ein Jude, so daß ich den Gottesdienst-durch den Kaplan ändern ließ. Vielleicht werden seine Angehörigen sich freuen, dies zu hören, und Du kannst den „Jewish Chronicle" und die „Jewish World" ersuchen, es zu erwähnen, damit jene davon in Kenntnis gesetzt werden. Es war ein tollkühner Bursche, und meine Leute konnten nicht umhin, seinen Versuchen, uns zu bombardieren, Bewunderung zu zollen." — Das „Jüdische Echo" erhielt vor einigen Tagen von geschätzter Seite zu dieser Notiz folgende Zuschrift: „Die vorletzte Nummer der „Jüdischen Rundschau" brachte eine Notiz aus dem „Jewish Chronicle" vom 2. Juli über einen bayerischen Offizier Max Seiler. Der Herr stammt aus Günzenhausen, ist während des Krieges vom Unteroffizier zum Leutnant aufgerückt und hat auch seine letzte Patrouille freiwillig angetreten. Er sollte mit 50 Mann eine gewaltsame Erkundigung des gegenüberliegenden Schützengrabens vornehmen, ev. stürmen oder Gefangene machen. Bei dem nächtlichen Sturmangriff mit Handgranaten ist er als erster in den feindlichen Graben eingedrungen und dort erstochen worden. Sein Hauptmann nahm noch an, daß er in Gefangenschaft geraten sei und schrieb seiner Mutter in Günzenhausen tröstliche Worte mit dem Hinweis, daß das Regiment den schweren Dienst seinem tüchtigen Offizier nie vergessen wird. Käme er zurück, so sei ihm das Eiserne Kreuz 1. Klasse gewiß. Die Bestätigung des Todes erfuhr die Familie nun durch den befehligenden englischen Major des feindlichen Grabens auf dem Wege des „Jewish Chronicle". Es handelt sich auch hier um einen Fall von oft bewiesenem außerordentlichem Mut, von unvergleichlicher Todesverachtung und Schneidigkeit. In Friedenszeiten war Herr Seiler ein eifriger Sportsmann, ein Förderer der jüdischen Geselligkeit Bayreuths, wo er in Stellung war, und ein treuer, aufopfernder Sohn seiner verwitweten Mutter". Landshut. Mit dem Eisernen Kreuz wurde ausgezeichnet: Ludwig Marx. Unteroffizier im bayer. Inf.-Regt. 16, Sohn des Gustav Marx. München. In der vergangenen Woche starben Eveline Mandelbaum, 62 Jahre; Abraham Saß aus Lemberg, 66 Jahre, und Lina Levinger, Tochter des Herrn Markus Levinger, 17 Jahre alt. München. Das bekannte rituelle Restaurant Jochsberger wird am 1. Oktober vorübergehend, bis Herr Jochsberger jun. aus dem Felde zurück-

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