Das jüdische Echo
- Journal
- Das jüdische Echo
- Volume
- 2 (1915)
- Issue
- 34 (27.8.1915)
- Date
- 1915-08-27
- Page
- Seite 272 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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272 Das Jüdische Echo Nr. 34 sie ein unwürdiger, verkommener, empörender Beruf ist, und ich glaube, die Landwirtschaft in unserem Lande wird nie zur Blüte kommen, so lange sie in den Händen der landwirtschaftlichen Bevölkerung verbleibt. Ich glaube, unserer Landwirtschaft wird Gedeihen kommen von den Menschen, die in den Städten gewesen sind und nun wieder zum Lande zurückkehren. Ich glaube, die Landwirtschaft der Zukunft wird nicht das Werk beschränkter Landwirte sein, die schlecht bezahlte Landarbeiter ausbeuten: sie wird vielmehr das Werk intelligenter Männer sein, gleich den Männern, die in unseren großen Fabriken arbeiten, und gegen eine Entlohnung, die derjenigen der städtischen Berufe vollauf entsprechen wird." Schon über die physische Eignung der Juden urteilt ein Sachverständiger der deutschen Regierung, Hubert Auhagen („Beiträge zur Kenntnis der Landesnatur und der Landwirtschaft Syriens", Verlag von Paul Parey, Berlin 1907), nach einem Besuch der deutschen und jüdischen landwirtschaftlichen Siedelungen in Palästina: „Daß der jüdische Bauer, der als solcher aufgewachsen ist, ebenso leistungsfähig ist, wie jeder beste andere Bauer, davon habe ich mich durch den Besuch von zahlreichen jüdischen Kolonien, in denen ich mich oft tagelang aufgehalten habe, überzeugen können." Ein anderer ausgezeichneter Kenner landwirtschaftlicher Dinge, Dr. Lothar Meyer, war beim Besuch derselben jüdischen Kolonien erstaunt, junge Leute beim Umgraben des Bodens (für Orangenpflanzungen bei Jaffa) ein Arbeitsquantum bewältigen zu sehen, wie er selbst für ackergewöhnte Bauern als eine kaum glaubliche Leistung angesehen hätte. Schon vor Jahren, als der heutige Stand der Kolonisation noch bei weitem nicht erreicht war, urteilte R. Eckardt (In „Palästinensische Kulturbilder", Leipzig 1907, Verlag von Georg Wigand) über die Kolonie Es-Sedschara (nördlich vom 'Labor): „Die Gebäude waren im besten Zustande, die Felder sauber gehalten und sorgfältig bestellt, und die Kolonisten hätte man für deutsche Bauern ansehen können, hätte nicht das Gesicht sie als osteuropäische Juden bekundet." Von den anderen jüdischen Kolonien heißt es — neben manchen damals wohlberechtigten kritischen Bemerkungen: „Neben dem Getreidebau wird, namentlich an der Küste, ausgedehnte Weinkultur betrieben, und die Kelterung ergibt Produkte, die an Güte denen der deutschen Kolonisten nicht nachstehen." — Und noch weiter wird gesagt: „Es ist wahrscheinlich, daß die Kolonisten sich immer besser einrichten, wenn anfangs auch viele dem Landbau keinen Geschmack abgewinnen konnten." Es ist sicherlich nicht Schuld der Juden, daß man ziemlich weit zu gehen hat, um richtige jüdische Kolonien und Dörfer zu sehen, aber erfolgreiche jüdische Pächter und Gutsbesitzer gibt es auch in Deutschland genug auf Stellen, die '»dem Eigentümer oder Vorbesitzer nlichts oder wenig getragen haben, und in Galizien ist es ganz ähnlich, nur daß dort ein ganz erheblicher Teil der Judenh>eit landwirtschaftlich tätig ist. Auch in Rußland ist der Anteil der Juden an der Landwirtschaft nicht so klein. Man weiß von den jüdischen Landwirten des Gouvernements Cherson, aber noch bedeutender vielleicht ist der jüdische Landwirtschaftsbetrieb — besonders in Obst- und Gemüsebau — an der Peripherie der kleineren Städte des Ansiedlungsrayons. Was die Juden zur Modernisierung des landwirtschaftlichen Betriebs in einem höheren Sinne beigetragen haben, dafür gibt eine kürzlich erschienene Schrift (Die Agrar - Demagogie in Deutschlandj. Von Curt Bürger, Berlin, Groß- Lichterfelde, 1911) eine ganze Reihe von Beispielen. So ist das „Internationale Institut für Ackerbau", das vor einigen Jahren unter dem Protektorat des Königs von Italien in Rom begründet wurde, auf die Initiative des amerikanischen Juden Lubin zurückzuführen. —- „Die bedeutendste segensreiche Erfindung, die im letzten halben Jahrhundert auf dem Gebiete der Agrikulturchemie überhaupt gemacht worden ist, die Nutzbarmachung der sogenannten Abraumsalze, also die Gewinnung von Kali, hat die Landwirtschaft dem jüdischen Chemiker Prof. Dr. Adolf Frank zu verdanken. Das Kali ist heute das wichtigste und wertvollste Düngemittel der Landwirtschaft, ohne das sie überhaupt nicht existieren könnte." Eine der wichtigsten unter den neueren finanziellen Maßnahmen zur Hebung der Landwirtschaft ist der Anregung eines jüdischen Versicherungstechnikers zu verdanken. „Der Gedanke, die Entschuldung des ländlichen Grundbesitzes durch Verbindung mit einer Lebensversicherung zu fördern, ist zum ersten Male von dem Direktor der Rheinischen Hypothekenbank, dem (jüdischen) Geh. Rat Felix Hecht in Mannheim, zur öffentlichen Diskussion gestellt worden." — Auch die Gewinnung künstlichen Düngers aus dem Stickstoff der Luft, eine Erfindung von kolossaler Tragweite, stammt von dem als Juden geborenen Leiter des neuen physikalisch-chemischen Forschungsinstituts Prof. Fritz Haber. Wenn jetzt — um noch einige Beispiele heranzuziehen — der Landwirtschaft ein großer Aufschwung winkt durch eine neue Form der „Industrialisierung", nämlich die Indienststellung der Elektrizität zum Pflügen und Ernten und allen sonstigen Kraft erfordernden Zweigen landwirtschaftlicher Haupt- und Nebenbetriebe, so ist das im wesentlichen das Verdienst der großen Elektrizitätswerke, in deren kaufmännischer und technischer Leitung das jüdische Element außerordentlich stark vertreten ist. Erwähnenswert ist auch, daß in der Türkei — einem der ganz wenigen Länder, wo die Juden keinen besonderen Beschränkungen unterliegen — ein Jude (Sasson) zum Staatssekretär im Landwirtschaftsministerium ernannt wurde. Dies waren einige Illustrationen zum Anteil der Juden auf dem Gebiete deutscher Volkswirtschaft, wo die öffentliche Meinung ihn meist völlig übersieht. Ist es nötig, den Anteil der Juden da noch zu spezifizieren, wo dieselbe öffentliche Meinung ihn für vorherrschend hält? Feuilleton Jerusalemitanische Legenden Von Ludwig August Frankl. III. Drei Kabbalisten. Der Rabbi Schalom Scharebi, der Rabbi Chajim del Rosa und der Rabbi Josef David Azulai waren sehr fromme und tief gelehrte Männer. Ihnen waren die Geheimnisse der Kabbala erschlossen und sie wußten von den Dingen der Erde und des Himmels mehr, als andere Menschen und sie freuten sich ihrer Wissenschaft und hörten nicht auf zu forschen Tag und Nacht. Sie betrübte nur Eines, daß die Juden noch immer in Sklavenbanden