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Das jüdische Echo · 1915-08-20 · 33 (20.8.1915) · p. Seite 266

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
33 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
Seite 266 (sequence 6)
Language
German
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266 Das jüdische Echo Nr. 33 ser Boykott war die Folge des Versuches der Juden, ihre Interessen in der Reichsduma durch die Wahl eines nichtantisemitischen Polen durchzusetzen. Zu den Leiden der Juden während der „Friedenszeit" kamen noch die ungeheuren Drangsalierungen der unglücklichen Bevölkerung durch die russischen Behörden und die Soldateska, die sie der Deutschfreundlichkeit bezichtigten. Die allgemeinen Unbilden des Krieges verschlimmerten vollends die Lage. Nunmehr bricht aber eine neue Ära im Leben der östlichen Juden an. Das allgemein kulturelle und wirtschaftliche Leben wird, durch keine Hindernisse gehemmt, unter deutscher Zucht und Ordnung die größte Blüte erreichen. Gerade für die Juden bedeutet der siegreiche Vormarsch der Qeutschen nicht nur einen politischen Wechsel, sondern vor allem einen engeren Anschluß an die den Juden längst wohl vertraute deutsche Kultur. Sprechen doch die Juden des Ostens einen deutschen Dialekt, den Jargon. Dies ist die Sprache, die sie vor Jahrhunderten aus ihrer deutschen Heimat mitgebracht, und mit großer Treue und zäher Widerstandsfähigkeit gegen alle fremden Einflüsse bewahrt haben. Diese Kultur- und Sprachgemeinschaft der Deutschen und der östlichen Juden eröffnet dem Deutschtum in Polen weite Entwicklungsmöglichkeiten. Feuilleton Jerusalemitanische Legenden Von Ludwig August Frankl. II. Regen. Es werden wohl 150 Jahre her sein, da war die Bevölkerung Jerusalems in banger Sorge, denn schon war es Spätherbst und noch immer zeigte sich keine Wolke am Himmel, die Regen verkündet hätte. Vom Herbstregen hängt aber nicht allein die Fruchtbarkeit des Landes ab, sondern auch die Füllung der Zisternen. Menschen und Tiere geraten, wenn die Zisternen nicht genug Vorrat haben, in den Sommermonaten in gar schwere Not und Verzweiflung. Alle Zisternen, besonders die Terrassen, von denen das Regenwasser in jene abfließt, waren sorgfältig gereinigt. Alles harrte des Leben bedingenden Regens und es wollte noch immer keiner vom Himmel sich ergießen. Juden, Mohammedaner und Christen beteten zum Himmel und fasteten und zogen zum Grabe Raheis, das gegen Bethlehem ist, zu dem Grabe des Nebi Daud und in die Grabeskirche; der Himmel blieb verschlossen und seine Schleussen wollten sich nicht öffnen. Da sandte der Pascha zum Oberrabbiner von Jerusalem, zu dem frommen Greise Galanti, gesegnet sei sein Name! und ließ ihm drohen: ihn und alle Juden aus Jerusalem und aus Palästina zu vertreiben und ihr Eigentum einzuziehen, wenn es in drei Tagen nicht regnen sollte; denn nur das böse Volk tler Juden sei an der Unbarmherzigkeit des Himmels schuld. „Ihr rühmt euch stolz", ließ er ihnen sagen, „das äuserwählte Volk zu sein und nennt ihn eueren Vater. Zeigt jetzt in der Zeit der Not, daß er euer Gebet erhört. Sonst tue ich, beim Leben des Propheten, wie ich gesprochen habe." Die jüdische Gemeinde war in Verzweiflung. Der Oberrabi ordnete ein dreitägiges Fasiten an und vor der Tempelmauer wurde est von betenden und weinenden Männern, Frauen und Kindern •nicht leer. Als am dritten Tage sich die Sonne dem Untergange näherte, ließ der Oberrabbi der ganzen Gemeinde befehlen, ihm noch auf das Grab des Rabbi Schimon des Gerechten, gesegnet sei sein Andenken! das Geleite zu geben, um dort um Regen zu flehen. Jeder aber, Männer und Frauen, sollen sich mit Regentüchern, Mänteln und Schuhen versehen, denn der Heimgang vom Grabe werde unter einem gewaltigen Regen stattfinden. Alle staunten über diese Vorhersage, taten wie ihnen geheißen ward und folgten ihrem frommen Oberrabbi in andächtigem Zuge durch das nördliche Stadttor Bab-el-Amud. Als der Kommandant der Wache den Zug erblickte, der so gekleidet war, als ob es heftig regnete, konnte er sich des Lachens nicht enthalten. Als man ihm von der Vorhersage des frommen Rabbi erzählte, die mit dem wolkenlosen Himmel im Widerspruch stand, ergrimmte er heftig und schlug dem greisen Rabbi ins Angesicht. Der Greis blickte ihm ruhig ernst ins Auge und zog mit seiner Gemeinde weiter, bis sie in das Tal Josafat zu dem Grabe Schimon des Gerechten kamen. Der Rabbi kniete an der Stelle nieder, wo das Haupt des Hingeschiedenen ruhte und um ihn her die Gemeinde. Sie erhoben lautes Wehklagen und Beten; der Rabbi aber soll, so erzählten diejenigen wieder, die ihm zunächst knieten, unhörbare Worte in das Grab gesprochen haben. Die Worte waren aber so mächtig, daß ihnen, wenn sie dieselben auch nicht hören konnten, doch das Herz davon erbebte. Plötzlich erhob sich ein starker Wind, so daß die Ölbäume auf dem Ölberge geschüttelt wurden, und der blauweiße Himmel umwölkte sich. Es fielen schwere Tropfen und immer inbrünstig und lautlos sprach der Rabbi in das Grab, bis es in Strömen vom Himmel floß und die Anwesenden sich in ihre Mäntel und Decken tief einhüllen mußten. Der Kommandant der Wache lief jetzt heran, warf sich dem Rabbi zu Füßen und bat ihn demütig um Verzeihung für die ihm zugefügte Beleidigung. Dann hob er ihn auf seine Schultern und trug ihn bis zu seiner Behausung. In Jerusalem herrschte maßlose ' Freude. Drei Tage und Nächte hindurch ertönten alle Häuser von Zimbeln und Pauken, von Liedern und Händeklatschen und die Juden feierten Gastmähler und freuten sich, wie es drei Tage und Nächte regnete. Mohammedaner und Christen sprachen es unverhohlen aus, daß sie nur den Juden den Regen zu verdanken hatten, und sie erkannten beschämt, daß das Gebet der Juden einen besseren Eingang bei Gott gefunden habe, als das ihre. - Der Kommandant der Wache kam am vierten Tag zum Rabbi mit der Bitte, ihn in den Bund der Väter aufzunehmen und dann sein Knecht werden zu dürfen. Welt-Echo Russische Judenausweisungen. Aus Petersburg meldet man, daß auf Befehl des Petersburger Oberkommandos alle jüdischen Familien des Jekatennoslawer Gubernements, welche als Heimatlose und Vertriebene dorthin gekommen waren, in das Tombower Gubernement (Zentralrußland) verschickt werden müssen/ — Der Kownaer Gu- »erneur hatte Juden erlaubt, nach Ponieweseh und Wilkomir zu kommen, um ihr Vermögen von dort wegzuführen. Täglich durften nicht mehr als zehn Juden in diese beiden Städte kommen. In die kleinen Städte und Marktflecken des Ponie-

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