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Das jüdische Echo · 1915-08-20 · 33 (20.8.1915) · p. Seite 267

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Journal
Das jüdische Echo
Volume
2 (1915)
Issue
33 (20.8.1915)
Date
1915-08-20
Page
Seite 267 (sequence 7)
Language
German
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Nr. 33 Das Jüdische Echo 267 wescher und Wdkomirer Bezirks durften zu dem gleichen Zweck täglich nur zwei Juden kommen Russische Flüchtlinge. 2000 Juden, die aus Städten und Städtchen des Kownaer Gubernements ausgewiesen wurden, sind auf ihrer Wanderung in Popeljani angelangt. Unter den Unglücklichen befinden sich 80 Kinder, welche in der Verwirung ihre Eltern verloren haben Schwindsucht und andere Krankheiten verbreiten sich mit grauenhafter Geschwindigkeit unter den Tausenden von vertriebenen Juden, die zumeist zu Fuß wandern müssen. Die russische „Gesellschaft zur Bekämpfung der Schwindsucht" hat an die Regierung appelliert, daß man den vertriebenen Juden erlauben solle, sich außerhalb der Tscherta anzusiedeln, damit man der Epidemie leichter Einhalt tun könne. Für jüdische Soldaten in Rußland. In Petersburg wurde eine Gesellschaft gegründet zwecks Unterstützung solcher verwundeter jüdischer Soldaten, die hölzerne Füße oder Arme brauchen. Diese unglücklichen Verwundeten werden zusammen mit den christlichen Verwundeten vom Kriegsschauplatz transportiert, damit an ihnen in dien militärischen Hospitälern Operationen vorgenommen werden. Sobald die Wunden etwas verheilt sind, schickt man sie aus den Hospitälern, um anderen Verwundeten Platz zu machen. Bisher pflegte man die jüdischen Verwundeten sofort aus Petersburg auszuweisen. Jetzt aber erweist ihnen die russische Regierung eine „Gnade" und erlaubt ihnen zwei Monate in einem jüdischen Hospital zu liegen, bis man ihnen hölzerne Füße und Arme angepaßt hat. Der neue russische Justizminister über Juden. Wie sich zeigt, haben die Juden von dem neuen Minister Chwostow keine großen Erleichterungen zu erwarten. Zur Judenfrage verhält er sich wahrscheinlich im großen und ganzen wie sein Vorgänger Schtscheglowistow, der die 9 Jahre hindurch, während welcher er sein Amt innehatte, die Juden peinigte. Als Zeitungsvertreter Chwostow über seine Meinung zur nationalen Frage interwiewten, gab er kurz und scharf die Antwort: „Ihr wißt doch, ich bin ein Russe und zwar ein rechtsstehender." Ferner hat ihn der Pressevertreter darauf aufmerksam gemacht, daß Schtscheglowistows strenge Verordnungen bezüglich der jüdischen Advokaten die öffentliche Meinung stark erregt haben. Darauf bemerkte Chwostow zynisch:»„Ich glaube nicht, daß die Gesellschaft sich über eine solche Sache aufregt." Jüdischer Held in einem französischen Zuavenregiment. Der jüdische Zuave Juda ben Burak erhielt von Joffre für besondere Tapferkeit bei einem Sturmangriff die französische Kriegsaus^- zeichnung. Die Überreichung der Medaille geschah in einem Pariser Kriegshospital unter feierlicher Zeremonie. Es wurden alle Verwundeten von Algier, Tunis und Marokko in einen großen Saal zusammengebracht, wo ein General dem judischen Helden öffentlich für sein tapferes Verhalten und sein patriotisches Genihl für Frankreich dankte. Juda ben Burak wurde auch vom kommandierenden General der zehnten Armee für die Rettung eines verwundeten Offiziers ausgezeichnet. („Jüdische Volkszeitung , Kopenhagen.) Jehoiesch über Palästina. Iii diesen lagen kehrte der berühmte jüdische Dichter Jehojescn, der längere Zeit in Palästina verweilte, nach New- York zurück. Jehojesch äußerte sich einem Vertreter des New-Yorker „Tag' gegenüber folgendermaßen: „Ich lebe da in Amerika, liebe Amerika und bin stolz auf mein Amerikanerturn. Meine Seele aber ist dort im Osten, in Palästina. Ich bin zwar kein Zionist im gewöhnlichen Sinn des Wortes, ich liebe aber mit meinem ganzen Herzen das alte jüdische Land und noch mehr das neue jüdische Leben, das dort zu weben beginnt. In Palästina gewinnt jeder Jude eine große Dosis Jüdischkeit, während er alles Antijüdische verliert. Die palästinensische Luft, das palästinensische Milieu ist der beste Panzer gegen Assimilation, und der verbissenste Verneiner des jüdisch-nationalen Daseins muß in Palästina ein Gläubiger werden." Ein neues „Wochenblatt für jüdische Interessen", mit dem Titel „Jüdische Korrespondenz" gibt Jonas Kreppel, der frühere Redakteur der Jargon-Tageszeitung „Der Tag" in Krakau, heraus. Es erscheint in deutscher Sprache. Die erste Nummer datiert vom 12. August. Reichstagsabgeordneter "Bernhard Stern soll nach einer Meldung der „Jüdischen Korrespondenz in Wien" gestorben sein. Er war der einzige Abgeordnete, der trotz des Anmarsches der Russen nicht floh, sondern als Bürgermeister von Buczacz, ein Amt, das er seit 1876 bekleidete, seinen Posten nicht verließ. Als Folge dieser treuen Pflichterfüllung mußte er nicht nur sehen, wie die Russen sein Haus verbrannten, er wurde als Geisel verschleppt, soll besondere Härten zu erdulden gehabt haben und ist wahrscheinlich den erlittenen Leiden und Aufregungen erlegen. Bernhard Stern stand im 68. Lebensjahr. Er wurde 1911 zum ersten Mal in den Reichsrat gewählt, wo er den Wahlkreis Buczacz—Sniatyn—Zaleszyki vertrat. Bernhard Stern, seit mehr denn vierzig Jahren Präsident des Hilfsvereins „Linath-Hazedek", war ein guter Jude, verstand aber nicht, sich aus den alten Banden der früher herrschenden Opportunitätspolitik gegenüber den Polen loszumachen, denen er Amt und Würden verdankte. Auf ihr Geheiß trat er in dem wiederholt von den Jüdischnationalen bedrohten Wahlkreis 1911 dem zionistischen Kandidaten Dr. Michael Ringel gegenüber, der in der Stichwahl mit 3180 gegen 3701 Stimmen unterlag. Dieses Zahlenverhältnis bezeugt in Anbetracht der berüchtigten von den Machthabern veranstalteten Wahlmanöver den Umschwung der Stimmung in den Volksmassen. Stern war natürlich gezwungen, Mitglied des konservativen Polenklubs zu sein. Viele von denen, die nicht zu seinen Parteigängern gehörten, werden um ihn wegen seiner persönlichen guten Eigenschaften und seines! gewinnenden Wesens trauern und niemand wird ihm das Verständnis für den tragischen Abschluß seines Lebens dicht vor den siebzig Jahren versagen. Vielleicht erweist sich die nur auf Umwegen nach Wien gekommene Nachricht von seinem Hinscheiden ebenso als verfrüht, wie es beispielsweise die von J. Chazanowicz gewesen ist. Justizrat Dr. Rudolf Schauer ist zum Generalreferenten für Justizwesen und Justitiar der Zivilverwaltung in Belgien bestellt und mit dem Eisernen Kreuz ausgezeichnet worden. Dr. Schauer ist weiteren jüdischen Kreisen aus seiner zionistischen Tätigkeit an leitenden Stellen bekannt, er war früher Anwalt in Bingen und Mainz, gehörte lange Zeit bis zu seiner Übersiedelung nach Paris, wo er als deutscher Anwalt und Justitiar der deutschen Botschaft seit Jahren wirkte, dem Zentral- Komitee der zionistischen Vereinigung für Deutschland an und ist auch als Referent auf den Kongressen lin Basel mehrfach hervorgetreten. Hier fiel er besonders durch seine martialische Gestalt und einen imposanten „Schmiß" auf. Justizrat Schauer gehörte auch zu der Abordnung, die s. Z. von dem verstorbenen Großherzog von

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